0:1 beim 1. FC Köln Darum feiert der VfB Stuttgart rohe Weihnachten
Zum Abschluss der Vorrunde verliert der VfB Stuttgart mit 0:1 bei den Rheinländern und geht aus guten Gründen mit der Hypothek von nur 17 Punkten in die Rückrunde.
Zum Abschluss der Vorrunde verliert der VfB Stuttgart mit 0:1 bei den Rheinländern und geht aus guten Gründen mit der Hypothek von nur 17 Punkten in die Rückrunde.
Köln/Stuttgart - Man musste kein Deuter von Mimiken und Gestiken sein, um am Sonntagabend herausfinden zu können, mit welcher Laune die Spieler des VfB Stuttgart von Köln aus die Heimreise angetreten haben. Und die Aussagen untermauerten dann auch die Stimmung, die so gar nicht zu den Tagen passte, die nun kommen. Zufriedenheit? Besinnlichkeit? Die Sorgen beiseite schieben? Von wegen!
„Wir haben ein ganz schlimmes Spiel gemacht“, sagte der VfB-Torhüter Florian Müller, „wir waren zu wild und haben uns zu viele einfache Fehler erlaubt.“ Abwehrchef Waldemar Anton ergänzte: „Wir waren in der zweiten Hälfte nicht aktiv genug. Und beim Gegentor stehen wir eigentlich Drei gegen Eins – das darf nicht passieren.“ Es passierte aber. Und so verlor der VfB Stuttgart zum Ende der Vorrunde in der Fußball-Bundesliga 0:1 beim 1. FC Köln und geht mit lediglich 17 Punkten und auf dem Relegationsplatz 16 in die kurze Winterpause.
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Der FC-Stürmer Anthony Modeste hatte mit seinem Kopfballtor in der 88. Minute verhindert, dass die Stuttgarter zumindest über dem Strich bleiben. „Es ist bitter, weil das Tor so spät fällt“, sagte Müller, „aber solche Fehler dürfen uns nicht passieren.“
Der VfB Stuttgart, der in den vergangenen Tagen das 0:5 gegen den FC Bayern aufzuarbeiten und zu verdauen hatte, trat in Köln mit einer nur leicht veränderten Mannschaft an. Atakan Karazor musste wegen einer Erkältung passen, Marc Kempf nahm zunächst auf der Bank Platz. Chris Führich und Mateo Klimowicz kamen neu in die Startelf. Ohne Karazor als Abräumer vor der Abwehr bildeten Orel Mangala und Wataru Endo eine klassische Doppelsechs im defensiven Mittelfeld. Und die war zunächst gut damit beschäftigt, nach rechts und links zu schauen.
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Die Kölner jedenfalls versuchten über die Flügel zum Erfolg zu kommen – was kein Wunder war, schließlich hatte der FC-Trainer Steffen Baumgart gleich zwei Abnehmer für Flanken aufgeboten: Modeste und Sebastian Andersson. Und der Plan schien schon zu Beginn perfekt aufzugehen. In der zehnten Minute traf Louis Schaub nach eben einer solchen Flanke. Doch zuvor war Modeste bei der Verlängerung von Ondrej Duda im Abseits gestanden. Der Videobeweis half dem VfB – der dann nach und nach besser ins Spiel und zu mehr Stabilität fand.
Die anfangs auffälligen Lücken auf den Außenpositionen wurden besser geschlossen, nach vorne ergaben sich Räume – jedoch zeigten sich vor allem Führich und Klimowicz zu unentschlossen bei den Offensivaktionen. „Wir hätten öfter zum Abschluss kommen müssen“, sagte der VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo. Ein Schuss von Philipp Förster ging übers Tor (18.), Klimowicz traf zwei Minuten später die falsche Entscheidung und spielte ab – statt selbst den Abschluss zu suchen. Auf der Gegenseite hatten die Kölner durch Modeste noch eine gute Kopfballchance.
Der FC-Stürmer war es auch nach der Pause, der die zunächst beste Kölner Chance hatte – als das Spiel des VfB zerfahrener und fehleranfälliger wirkte als Mitte der ersten Hälfte. Irgendwann verließ das Team die Kraft. Und alles zusammen führte dazu, dass die Stuttgarter ein weitestgehend ausgeglichenes Spiel kurz vor dem Ende noch verlor. „Es ist kein schönes Gefühl“, sagte Anton mit Blick auf die Niederlage und die Tabelle – die Ausweis einer Vorrunde ist, in der von der Leichtigkeit im Jahr nach dem Aufstieg nicht mehr viel übrig war.
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Erst galt es, Abgänge zu kompensieren, dann teils langfristigen Verletzungen und Coronafällen zu trotzen, am Ende kam dazu wieder Unruhe in der Führungsebene des Clubs – und mitunter war das alles ein bisschen viel während dieser ersten Hälfte der Saison. Zwar sagte Sven Mislintat schon vor der Partie in Köln: „Wir hatten maximale Widerstände zu überwinden.“ Der Sportdirektor gab aber auch zu: „Es gibt Themen, die wir besser hätten erledigen können.“ Zu erledigen hat der VfB nun einiges in der Rückrunde, die am 8. Januar mit dem Auswärtsspiel bei der SpVgg Greuther beginnt.
„Ich bin sehr sicher, dass wir in der Rückrunde wieder angreifen werden“, gab sich Matarazzo trotzig – und wollte darüber hinaus keine Parolen ausgeben. Stattdessen schloss er sich seinen Vorrednern an diesem Abend an. Die betonten unisono, der VfB müsse „bei sich bleiben“. „Wir sind eine Gruppe, die funktioniert und versteht, um was es geht“, meinte Matarazzo, „wir haben immer wieder gezeigt, dass wir uns rauskämpfen können.“ Genau das ist die Aufgabe in den kommenden Wochen und Monaten.