Nach dem Brand im Siebenmühlental So geht es für die Eselsmühle weiter

Das von dem Brand im Juli betroffene Gebäude muss abgerissen werden. Foto: Horst Rudel

Im Sommer hat es auf dem Gelände im idyllischen Siebenmühlental bei Musberg gebrannt. Für den Besitzer Meinrad Bauer und seine Familie war schnell klar: Alles wird wieder aufgebaut. Das sind die Pläne und der Zeitplan für das neue Gebäude.

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Für Meinrad Bauer und seine Familie ist das vergangene Jahr kein gutes gewesen. Er ist der Besitzer der Eselsmühle bei Musberg im Siebenmühlental und musste am Morgen des 17. Juli mit ansehen, wie meterhohe Flammen aus dem Restaurant- und Hofladengebäude schlugen. Das kleine Geschäft und die Mühlenstube wurden stark in Mitleidenschaft gezogen, ebenso die Dachwohnung darüber. Doch immerhin: Mensch und Tier blieben unverletzt. Der Brand war durch einen technischen Kurzschluss ausgelöst worden.

 

Unmittelbar, nachdem sich der letzte Rauch verzogen hatte, stand für Meinrad Bauer und seine Frau Natalie Barthels fest: „Wir werden alles wieder aufbauen.“ Sicher ist, dass das Gebäude nicht mehr zu retten ist. Weil es ein recht junges Gebäude ist, das erst nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurde, darf es abgerissen werden. Noch vor Weihnachten hat die Familie beim Baurechtsamt der Stadt Leinfelden-Echterdingen Entwürfe für einen Neubau eingereicht. „Die Rückmeldungen sind positiv. Die Stadt will schnell danach schauen und uns unterstützen“, sagt Meinrad Bauer.

So könnte der Neubau aussehen

Doch bei dem Wiederaufbau des historischen Kleinods im idyllischen Siebenmühlental haben auch das Denkmalamt und die Untere Naturschutzbehörde mitzureden. Das Denkmalamt habe bereits Zustimmung signalisiert, weil das Gebäude nicht erhaltenswert sei. Die Naturschutzbehörde werde nun wohl das sprichwörtliche Zünglein an der Waage sein, sagt der Mühlenbesitzer. Der Neubau soll wieder einen massiven Sockel bekommen. Darüber ist ein einfaches Fachwerk geplant, aufgelockert durch Glaselemente. Die Eingänge werden wieder dort sein, wo sie früher zu finden waren, auch eine Außentreppe soll es wieder geben. Der Museumsbereich zum Garten hin wird fest in das Gebäude integriert. Der Charme des Ensembles soll erhalten bleiben.

Die Zustimmung aller beteiligten Behörden vorausgesetzt, wollen die Mühlenbesitzer im Herbst mit dem Rohbau beginnen. Während der Sommermonate sei es ungeschickt. „Da haben wir viele Hochzeitsgesellschaften. Die würden sich sicher und zu Recht über die Baustelle beschweren“, sagt Bauer. Stattdessen wolle man diese Zeit nutzen, um alles gut vorzubereiten. So könnte der Rohbau bereits im Frühjahr 2025 fertig sein, hofft der Mühlenbesitzer. Dann würde noch der Innenausbau folgen.

Der Betrieb ging nach dem Brand fast ohne Einschränkungen weiter

Derweil geht der Betrieb weiter. Betroffen von dem Brand war nur ein Gebäude. Der umgebaute Stall und die umgebaute Scheune blieben unversehrt. Dort befindet sich nun das Restaurant – zumindest an den Tagen, an denen die Räume nicht für eine Veranstaltung gebucht sind. Verschont blieb auch das eigentliche Mühlengebäude. Dort und in dem ehemaligen Büro ist nun der Hofladen untergebracht. Im sogenannten Kellerhäusle, dem ältesten Gebäude auf dem Gelände der Eselsmühle, ist seit dem Brand der Mühlenbesen zu finden. Er hat immer geöffnet, wenn das Wetter es zulässt. Jetzt im Winter gibt es zum Beispiel Suppe und Glühwein. Die Bäckerei und der gesamte Bäckereibetrieb waren durch den Brand zu keiner Zeit beeinträchtigt.

Die Gäste sowie die Kundinnen und Kunden haben der Eselsmühle in den vergangenen Monaten die Treue gehalten. „Darüber sind wir sehr froh“, sagt Meinrad Bauer. Im Gastrobereich seien die Umsätze zwar gesunken. Er hoffe aber, dass das wieder aufzuholen sei, wenn das neue Gebäude erst einmal stehe. Tief bewegt habe ihn die Spendenbereitschaft vieler Eselsmühlenbesucher. „Wir hatten sogar eine Großspende“, erzählt er. Doch es gehe gar nicht so sehr ums Geld, allein die Geste zähle. Und so erinnert sich der Mühlenbesitzer besonders gern an den Moment, als er von Kindern einen Umschlag mit 100 Euro überreicht bekam. Sie hatten spontan einen Flohmarkt veranstaltet, alte Spielsachen verkauft und den Erlös der Eselsmühle geschenkt.

Mehr als 600 Jahre Geschichte

Geschichte
Schon vor mehr als 600 Jahren versorgten die Müller der Eselsmühle die Bevölkerung der Umgebung mit Lebensmitteln, heißt es auf der Internetseite der Eselsmühle. 1937 erwarb Rudolf Gmelin die Mühle und erweiterte sie nach und nach um die Holzofenbäckerei und Gastronomie. Das erste Holzofenbrot aus der Eselsmühle wurde 1940 angeboten.

Gebäude
Das bei dem Brand im Sommer stark beschädigte Gebäude wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut. Ursprünglich sollte es eine Art Kinderheim werden für ärmere Mädchen und Jungen aus der Stadt, die dort zum Beispiel ein vollwertiges Essen bekommen sollten. Doch dank des Wirtschaftswunders wurde das Gebäude dafür nie genutzt. Stattdessen war es von Anfang an eine Gastronomie und ein Ort für kleine Kulturveranstaltungen. Die Wohnung im Dachgeschoss bewohnte die Eigentümerfamilie früher selbst.

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