Nach dem Fall Joshua Kimmich Corona als Karrierekiller

Joshua Kimmich wird frühestens im Januar wieder in der Bundesliga auflaufen. Foto: imago images/Sven Simon/Frank Hoermann / SVEN SIMON via www.imago-images.de

Nach seiner Infektion wird Joshua Kimmich frühestens im Januar wieder spielen können. Andere Sportler trifft es beim Comeback härter, denn die Mediziner sprechen von einem „Blumenstrauß der Symptome“.

Sport: Heiko Hinrichsen (hh)

Stuttgart - Er wollte seinen gestählten Hochleistungskörper vor möglichen Langzeitfolgen einer Corona-Impfung schützen, die es allerdings in diesem Zusammenhang niemals gibt. Vor zwei Wochen nun hatte sich der gleichsam ungeimpfte wie schlecht informierte Bayern-Mittelfeldspieler Joshua Kimmich letztlich mit dem Virus angesteckt. An diesem Mittwoch endete daher seine Quarantäne – doch dem Nationalspieler steht ganz offensichtlich ein längerer Weg zurück in den Fußballeralltag bevor, als es gerade einem ehrgeizigen Weltklassespieler wie Kimmich lieb sein dürfte.

 

„Mir geht es gut. Ich kann aber noch nicht voll trainieren“, so lautete das erste schriftliche Statement des 26-Jährigen, der Ende Oktober vor laufenden TV-Kameras bekannt hatte, mit einer Impfung lieber noch abwarten zu wollen. Tatsächlich aber gestaltet sich die Rückkehr für Kimmich auf sein altes Topniveau nun deutlich schwieriger als gewünscht. So hat der FC Bayern als Kimmichs Arbeitgeber bereits verkündet, der Mittelfeldstratege des Rekordmeisters werde in diesem Jahr kein Spiel mehr bestreiten.

Klare Spielregeln für ein Comeback

Formal folgen die Münchner damit dem sogenannten Return-to-Sport-Positionspapier, an dessen Entwicklung unter anderem Tim Meyer, der Arzt der deutschen Fußball-Nationalelf, mitgewirkt hat. Grob umrissen folgt es dieser Spielregel: Je größer die Befunde eines Corona-infizierten Spielers, desto länger ist die Pause bis zum Comeback. Einige Profis können daher bereits unmittelbar nach der Quarantäne mit dem Training anfangen.

Bei Kimmich liegt der Fall anders: So sind bei ihm sogenannte Infiltrationen der Lunge festgestellt worden. Das sind unter anderem kleine Wassereinlagerungen in den feinsten Verästelungen der Atemorgane. Eine Pause von vier Wochen ist daher für Kimmich nach den bindenden Vorgaben des Positionspapiers ohnehin Pflicht. Ob er daraufhin wie gewünscht zum Rückrundenauftakt am 7. Januar gegen Gladbach grünes Licht erhält, ist damit aber noch nicht entschieden.

Alles ist möglich

„Wir kennen Coronafälle, die sich schnell zurückbilden, und wir kennen Fälle, die wirklich lange brauchen, bis sie sich zurückbilden, selbst bei initial leichten Verläufen“, sagt etwa der erfahrene Intensivmediziner Christian Karagiannidis aus Köln.

Auch der Musberger Ringer Frank Stäbler rät zur Vorsicht. „Joshua Kimmich hat jetzt etwas, was er noch nie hatte – und das sehr schwierig einzuschätzen ist, weil medizinische Langzeitstudien fehlen“, sagt der 32-Jährige bei T-Online. Stäbler hatte sich im Herbst 2020, als es noch keine Impfstoffe gab, selbst mit Corona infiziert – und sah als dreifacher Weltmeister im Ringen seine Teilnahme an Olympia in Tokio gefährdet, nachdem er in den ersten Trainingseinheiten nach der Infektion einen dramatischen Leistungseinbruch verspürte. An normales Training war wochenlang nicht zu denken.

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„Joshua bewegt sich in der absoluten Weltspitze. Da will man immer der Beste sein und gucken, wo das Limit liegt. Aber in diesem Fall gilt nicht: Viel hilft viel. Man braucht einfach eine Menge Geduld“, erzählt Stäbler: „Ich habe mir gesagt: ‚Du hast etwas, was du noch nie hattest, deshalb musst du etwas tun, was du noch nie getan hast.‘“ Also engagierte Stäbler einen Atemtrainer, um die Lunge zu stärken und „die unsichtbare Kraft des Atems“ kennenzulernen. So fand der Ringer langsam zu alter Leistungsstärke zurück – und krönte seine Karriere, die er international inzwischen beendet hat, in Japan mit Olympiabronze.

Andere haben aber viel länger zu kämpfen, wie etwa der Freiburger Fußballprofi Jonathan Schmid, der als Ungeimpfter im August schwer an Corona erkrankte – und der erst in dieser Woche wieder ins Teamtraining einstieg. „Wir werden aufpassen, dass wir Jonny angemessen heranführen, da er körperlich doch ziemlich in Mitleidenschaft gezogen wurde“, sagt Trainer Christian Streich.

Unterschiedliche Symptome sind möglich

„Wir müssen das Thema sehr ernst nehmen. Long Covid wird Karrieren von Athleten beenden – wann und wie oft, wird man sehen“, sagt der Sportmediziner Wilhelm Bloch von der Deutschen Sporthochschule in Köln. Zwischen zehn und 15 Prozent der mit Corona Infizierten würden ein Long-Covid-Syndrom entwickeln – auch bei milden Verläufen, erklärt Bloch: „Einige kommen an einen Punkt und sagen: ‚Ich schaffe es nicht mehr.‘ Es tritt ein Blumenstrauß von Symptomen auf, etwa 200. Die häufigsten sind chronische Müdigkeit, Kurzatmigkeit, Kopfschmerzen und Störungen des Herzschlags.“

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