Nach dem Terror Der Mann aus Mali wird zum Helden

Korrespondenten: Axel Veiel (axv)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Als der Terrorist Coulibaly am Freitag wild um sich schießend ins Geschäft gestürmt war, saß der Lagerarbeiter im Untergeschoss und betete. Ein Kollege und fünf Kunden stürmten zu ihm die Treppe hinab, berichteten von vier Toten, darunter Bathilys jüdischer Freund Yohan Cohen. Bathily  öffnete die Tür zu einem Kühlraum, schaltete Licht und Kühlung aus, versteckte sich mit den Fliehenden im Innern. Vergeblich versuchte er dort, die Schicksalsgefährten dafür zu gewinnen, mit dem Lastenaufzug die Flucht ins Freie zu riskieren. Am Ende floh der Lagerarbeiter allein. Von den Sicherheitskräften der Mittäterschaft verdächtigt, verbrachte er über eine Stunde in Handschellen, bis er dann zur rettenden Tat schreiten konnte.

Bathily zeichnete für die Polizei einen Lageplan des Geschäfts, auf dessen Grundlage der Einsatzleiter die Erstürmung des Supermarkts befahl. Der Rap-begeisterte Angestellte, der als Berufsschüler von den Einwanderungsbehörden fast nach Mali abgeschoben worden wäre, gilt seitdem als Held. Im Internet mehren sich die Aufrufe, ihm eine Verdienstmedaille zuzusprechen.

Neben der sich in Frankreich wie ein Lauffeuer verbreitenden Geschichte des Retters Bathily macht am Montag noch eine ganz andere Nachricht Mut: Der Front National (FN) hat zu Wochenbeginn nicht viel zu melden. Nachdem sich am Vortag halb Frankreich und die halbe Welt verbrüdert haben, sehen sich die Rechtspopulisten ins Abseits gedrängt. Dem Versuch der FN-Chefin Marine Le Pen, eigene Kundgebungen zu organisieren und Macht zu demonstrieren, war wenig Erfolg beschieden. Im südfranzösischen Beaucaire kamen zu einer Veranstaltung Le Pens gerade einmal 1000 Menschen. Gewiss, die FN-Vorsitzende ist hart im Nehmen. Sie wird versuchen, die Initiative zurückzugewinnen. An diesem Dienstagmorgen bereits bittet sie zur Pressekonferenz ins EU-Parlament. Nicht nur in Frankreich, in ganz Europa will sie sich wieder Gehör verschaffen. Doch der Aufruf, Brücken zu kappen zur EU, zu Einwanderern, zu Muslimen, dürfte nach dem kollektiven Bekenntnis zu Toleranz und Freiheit noch befremdlicher klingen als ohnehin schon.




Unsere Empfehlung für Sie