Nach dem Trainingslager in Marbella Zufriedenheit beim VfB Stuttgart – das sind die Gründe

Mit guter Stimmung kehrt der VfB Stuttgart (mit Hamadi Al Ghaddioui, links, und Nicolas Gonzalez) von seinem Trainingslager in Marbella zurück. Foto: Baumann

Mit großer Zuversicht kehrt der VfB von seinem Trainingslager in Spanien zurück. Allerdings weiß nicht nur Mario Gomez: Die entscheidenden Fragen werden erst in den Pflichtspielen beantwortet.

Sport: Carlos Ubina (cu)

Marbella - Mal angenommen, Mario Gomez behält Recht. Und nur so zu Ende gedacht, wovon der erfahrene Stürmer überzeugt ist. Dann gibt es keinen Grund zu zweifeln, und der VfB Stuttgart steigt im Mai wieder in die Fußball-Bundesliga auf. Ohne jede Spur von Überheblichkeit, aber mit dem Selbstvertrauen eines 34-Jährigen, der schon viel erlebt hat, sagt Gomez: „Wenn wir spielen, was wir können, dann schaffen wir es.“

 

Das Problem ist nur, dass es dem VfB in den vergangenen Jahren so gut wie nie gelungen ist, das Potenzial, das in der jeweiligen Mannschaft zu stecken schien, dauerhaft auf den Platz zu bekommen. Das weiß auch Mario Gomez, der seit seiner Rückkehr zum VfB im Januar 2018 in Pellegrino Matarazzo bereits den sechsten Trainer erlebt. Für den Routinier sind die ständigen Wechsel im Herbst seiner Karriere keine große Sache mehr. Er hat gelernt, das Alte schnell hinter sich zu lassen und sich auf das Neue einzulassen.

In Marbella hat sich gezeigt, wie der neue Trainer Pellegrino Matarazzo tickt

In Marbella hat nun nicht nur Mario Gomez eine Vorstellung davon bekommen, wie Pellegrino Matarazzo tickt und was er fußballerisch verlangt: ein schnelleres und flexibleres Spiel als bisher. Daran wurde im Trainingslager gearbeitet. Dreier- und Viererkette in der Abwehr, ein oder zwei Sechser im Mittelfeld, variables Flügelspiel mit einem Stoßstürmer im Angriff.

„Wir hatten ein sehr gutes Trainingslager“, sagt Matarazzo. Hervorragende Bedingungen, eifrige Spieler, ein akribisches Trainerteam. Am Sonntagmorgen wurde das Sportprogramm mit einem Lauf an der Strandpromenade von San Pedro de Alcantara offiziell beendet. Danach ging es zum Flughafen nach Malaga. „Es wurde auch abseits des Platzes sehr viel Inhalt vermittelt“, sagt Sven Mislintat. In Einzelgesprächen, Mannschaftssitzungen, Videoanalysen. Und sowohl der Sportdirektor als auch der Chefcoach ziehen das Fazit, dass sich der VfB „auf einem guten Weg“ befindet.

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Es wäre auch verwunderlich gewesen, wenn die Verantwortlichen nach zehn Tagen unter spanischer Sonne zu einem anderen Schluss gekommen wären. Denn selten stellt sich ein Fußballlehrer mitten in der Vorbereitungsphase hin und erklärt, dass sein Team nicht voll mitzieht und er nur Defizite erkennt. Für Pellegrino Matarazzo hat sich während des Aufenthalts in Andalusien „ein weißes Blatt Papier gefüllt“. Gut informiert, aber unvoreingenommen wollte der 42-Jährige seine Aufgabe angehen.

Jetzt herrscht rund um den VfB erst einmal ein Klima der Zufriedenheit. Gomez sagt: „Wenn wir Konstanz in unsere Leistungen bringen, werden wir aufsteigen.“ Dafür braucht es jedoch eine bessere Balance zwischen Defensive und Offensive. Denn an Zahlen festgemacht, haben die Stuttgarter in 18 Zweitligaspielen bisher 30 Treffer erzielt und 24 Gegentore hinnehmen müssen.

Zu wenige Treffer, zu viele Gegentore – das soll sich ändern

Gemessen an den eigenen Ansprüchen ist das eine zu wenig und das andere zu viel. Weshalb Pellegrino Matarazzo an beiden Punkten ansetzt. Er will nach vorne spielen lassen, ohne dem Gegner Raum für Konter zu geben. Dafür benötigt die VfB-Elf eine enge Abstimmung auf dem Rasen, gut verzahnte Mannschaftsteile und reichlich Kommunikation auf dem Feld. „Dabei geht es zum einen um Emotionalität und zum anderen, was zum Mitspieler gesagt wird“, sagt der Trainer. Er fordert untereinander ein sehr intensives Coaching.

Die Spieler sollen sich gegenseitig pushen, aber eben auch in die richtigen Positionen schieben. Matarazzos komplexer und detailverliebter Ansatz wird jedoch nur funktionieren, wenn er gemeinsam mit dem Überbleibsel aus einer Zeit praktiziert wird, in der in der Abwehr noch gegrätscht und nicht verschoben wurde: dem Mannschaftsgeist. Niemand hat ihn auf der Hotelanlage La Quinta gesehen, aber trotz des großen Konkurrenzkampfes im Kader soll der Teamspirit helfen, den VfB wieder nach oben tragen.

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„Die Mannschaft war auch vorher schon intakt“, sagt Mislintat. Nur: jetzt muss Matarazzo sie in kurzer Zeit neu formieren. Mit Fabian Bredlow oder Gregor Kobel im Tor? Mit Mario Gomez oder Hamadi Al Ghaddioui als Mittelstürmer? Mit welchen Flügelspielern und welchen zentralen Figuren im Mittelfeld? Spannende Fragen gibt es vor dem ersten Pflichtspiel am 29. Januar gegen den 1. FC Heidenheim genug. Klare Antworten aber noch nicht. Wobei Gomez eines jetzt schon weiß: „Allein das Bewusstsein, dass wir die Besten sind, hilft uns nicht weiter.“

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