Stuttgart. - Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt das Coronavakzin von Biontech zunächst für jüngere Kinder mit Vorerkrankungen. In anderen Ländern wird diese Altersgruppe bereits großflächig geimpft. Wir beantworten wichtige Fragen dazu.
Wie entwickeln sich die Infektionszahlen bei Kindern? Laut dem jüngsten verfügbaren Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei Fünf- bis Neunjährigen zuletzt bei 951. Bei Zehn- bis 14-Jährigen wurden innerhalb einer Woche sogar mehr als 1000 Neuinfektionen unter 100 000 Kindern registriert. Damit ist die Inzidenz in dieser Altersgruppe mehr als doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung, für die das RKI einen Wert von 463 angibt. Die Unterschiede dürften zu einem guten Teil auf die bislang fehlenden Impfmöglichkeiten für jüngere Kinder zurückzuführen sein. Eine Rolle spielt dabei aber sicher auch, dass Schüler häufiger getestet werden.
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Wie könnte sich die Impfung Fünf- bis Elfjähriger auf die weitere Entwicklung der Pandemie auswirken? Infizierte Kinder können das Virus weitergeben und so etwa auch Eltern oder Großeltern anstecken. US-Forscher haben in Modellrechnungen untersucht, wie stark die Impfung von Kindern zur Eindämmung der Seuche beitragen kann. Sie kommen zu dem Schluss, dass die Impfung von fünf- bis elfjährigen Kindern insgesamt zwar zu niedrigeren Infektionszahlen beitragen kann, dass dies jedoch im Hinblick auf die Gesamtbevölkerung „wohl keinen großen Unterschied macht“. Allerdings gilt das nur für die bislang dominierende Delta-Variante. Eine neue, ansteckendere Variante wie Omikron könne nach Einschätzung der Forscher sehr wohl dazu führen, dass die Impfung von Kindern einen signifikanten Vorteil bei der Bekämpfung der Pandemie bringe.
Wie gut wirken die Coronavakzine bei Kindern? In den Zulassungsstudien von Biontech und Pfizer für Fünf- bis Elfjährige erkrankten von 1517 geimpften Kindern drei an Covid-19. Unter den 751 Kindern, die nur ein Placebo erhalten hatten, wurden 16 Fälle gezählt. Daraus ergibt sich eine Wirksamkeit von knapp 91 Prozent. Bei Jugendlichen im Alter von zwölf bis 15 Jahren gab es unter den Geimpften keinen einzigen Coronafall, was einer Wirksamkeit von 100 Prozent entspricht. Daten aus dem praktischen Einsatz in Israel belegen eine Wirksamkeit des Vakzins von rund 90 Prozent bei Zwölf- bis 18-Jährigen. Der US-Hersteller Moderna ermittelte für sein Vakzin bei Kindern eine vergleichbare Schutzwirkung. Allerdings spielte zum Zeitpunkt der genannten Studien die Omikron-Variante des Coronavirus noch keine Rolle. Hier ist mit einer geringeren Wirksamkeit zu rechnen. Bis an Omikron angepasste Vakzine verfügbar sind, raten Experten zur Impfung mit den vorhandenen Präparaten. Das sei immer noch besser als gar keine Impfung.
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Welche Erfahrungen mit Nebenwirkungen liegen bei der Impfung von Kindern vor? Nach bisherigen Beobachtungen ist die Verträglichkeit der Vakzine für Kinder gut. Die Nebenwirkungen unterscheiden sich dabei nicht von denen bei Erwachsenen: Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Kopfweh, Muskel- und Gelenkschmerzen, Fieber, geschwollene Lymphknoten, weniger Appetit und Übelkeit. Diese Symptome treten typischerweise innerhalb von zwei Tagen nach der Impfung auf und halten ein bis drei Tage an. Nach der zweiten Dosis sind die Nebenwirkungen meist ausgeprägter. Wie auch Erwachsene sollen Kinder 15 bis 40 Minuten nach der Impfung auf eventuelle allergische Reaktionen hin überwacht werden.
Was weiß man über schwerwiegende Impfkomplikationen bei Kindern? Bei den Zulassungsstudien mit Kindern und Jugendlichen traten keine gravierenden Komplikationen auf. Die Probandenzahlen waren jedoch zu klein, um mögliche seltene Nebenwirkungen sicher erkennen zu können. Allerdings gibt es mittlerweile schon etliche Daten aus der praktischen Anwendung. Allein in den USA haben schon fast fünf Millionen Kinder unter zwölf Jahren mindestens eine Dosis erhalten. Auch in anderen Ländern werden Kinder unter zwölf bereits geimpft – etwa in Israel, Chile, China, Kuba und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Meldungen über massive medizinische Probleme gibt es bislang nicht. Bei zwölf- bis 17-jährigen Jungs waren Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen bei Geimpften öfter aufgetreten als bei Ungeimpften. Einer Studie zufolge sind diese Komplikationen mit 54 Fällen pro eine Million Impfdosen in dieser Altersgruppe aber sehr selten. Typischerweise treten sie innerhalb von wenigen Tagen nach der Impfung auf und lassen sich gut behandeln.
Wie gefährlich ist Corona für Kinder? In den allermeisten Fällen stecken Kinder eine Corona-Infektion gut weg. Todesfälle bei infizierten Kindern ohne Vorerkrankung sind extrem selten. Das Entzündungssyndrom PIMS spielt ebenfalls kaum eine Rolle. Andererseits ist Long Covid auch bei Kindern ein Thema. Zu den Symptomen zählen Müdigkeit, Kopfweh, Husten, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, aber auch Herzerkrankungen. Laut einer israelischen Studie ist für Kinder und Jugendliche die Gefahr, infolge einer Corona-Infektion an einer Herzmuskelentzündung zu erkranken, viermal höher als das entsprechende Risiko bei der Impfung mit einem mRNA-Impfstoff.