Nach einem Brand in Stuttgart-Fasanenhof Seit 2017 wird um eine Million Euro gestritten

Das Foto entstand nach dem Brand 2017. Nach wie vor steht dort nur der Rumpf. Foto: Rüdiger Ott
Das Foto entstand nach dem Brand 2017. Nach wie vor steht dort nur der Rumpf. Foto: Rüdiger Ott

Vor knapp vier Jahren ist die Club-Gaststätte des Homöopathischen Vereins abgebrannt. Die Ursache ist unklar. Weil die Versicherung nicht den geforderten Betrag bezahlen will, ist nun eine Klage beim Landgericht eingereicht.

Filderzeitung: Judith A. Sägesser (ana)
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Möhringen/Fasanenhof - Vor knapp vier Jahren hatte es hoffnungsfroh geklungen, was Manfred Wörner berichtet hat. Heute ist der Vorsitzende des Homöopathischen Vereins in Stuttgart-Möhringen stinksauer, strotzt aber auch vor Kampfeslust. „Auf diesen Prozess freue ich mich, da raucht’s.“ Wörner spricht von einem Streit mit einer Stuttgarter Versicherung, es geht um eine Million Euro.

Im Mai 2017 ist das Vereinsheim am Zettachring auf dem Fasanenhof abgebrannt. Die Ursache ist bis heute nicht geklärt, von dem Gebäude, in dem das Lokal und Vereinsheim untergebracht waren, ist nur noch ein Gerippe übrig – bis heute. Und das hat eben mit dem Streit zu tun, der nun wohl zum Rechtsstreit wird. Denn zum 31. Dezember 2020 hat der Homöopathische Verein Klage beim Landgericht Stuttgart gegen die Versicherung eingereicht. In den zurückliegenden vier Jahren ist es nicht gelungen, sich zu einigen.

Und wenn man Manfred Wörner zuhört, dann ist in diesen vier Jahren offenbar so einige schmutzige Wäsche gewaschen worden. „Es ist eine Schweinerei sondersgleichen“, sagt der Vereinsvorsitzende. Er sieht sich und seine Vereinskameraden aber auf der sicheren Seite.

Direkt nach dem Brand war die Hoffnung groß

Hoffnungsvoll hatte sich Wörner, wie gesagt, auch direkt nach dem Brand geäußert. Kurz bevor das Vereinsheim zum Raub der Flammen wurde, habe der Club eine neue Versicherung abgeschlossen. Eine Neuwertversicherung. Und der Gutachter des Vereins hatte den Wiederaufbau des Gebäudes nach Neuwertmaßstäben mit einer Million Euro beziffert. Die Versicherung aber ist, so sagt es Wörner, lediglich bereit, die Hälfte davon zu übernehmen. Erste Angebote seien sogar deutlich darunter gewesen.

Die Versicherung habe dem Verein Betrugsabsichten unterstellt. Wörner sagt: Der Verein habe nichts dagegen, wenn die Versicherung den Bau federführend übernimmt, um maximale Transparenz bei den Kosten zu haben. „Wir wollen hier nichts verdienen“, sagt Manfred Wörner. „Wir wollen einfach unser Gebäude wieder aufbauen.“

Auf Anfrage unserer Zeitung bei der Versicherung nach deren Sichtweise, kam die Antwort: „Zu einem laufenden Verfahren dürfen wir keine Auskünfte geben.“ Weshalb ihr Name hier auch unerwähnt bleibt, er ist der Redaktion bekannt.

Dass der Homöopathische Verein nach wie vor auf Einigung wartet, erklärt sich Wörner so: „Die Versicherung versucht, uns auszuhungern.“ Aber das lasse der Verein nicht zu. Wörner ist seit sechs Jahren Vorsitzender, „an mir ist das jetzt hängen geblieben“, hinwerfen wollte er das Ehrenamt deshalb aber nie. „Das sehe ich jetzt sportlich.“ Und die rund 40 Mitglieder stünden alle hinter ihm, sagt er. Einstimmig. Trotzdem hat die Geschichte etwas von David gegen Goliath.

Die Zeit drängt allerdings

Das Problem: Die Zeit drängt: Sie müssten in den nächsten anderthalb Jahren bauen, weil sie andernfalls den Geldanspruch verwirken würden. Daher sei der Verein gerade dabei, die Finanzierung zu klären, auf eigene Faust. Was aber nicht bedeuten solle, dass man im Streit mit der Versicherung klein beigebe. Deshalb die Klage beim Landgericht, die nun allerdings erst ins Rollen kommen müsse. „Da vergehen sicher Jahre“, vermutet Wörner. Der Club, dessen Vereinsleben seit dem Brand mehr oder weniger brach liegt, habe gerade 14 000 Euro Gerichtskosten vorstrecken müssen, sagt Wörner. Hinzukämen laufende Kosten. Deshalb hat der Homöopathische Verein eine neue Einnahmequelle gesucht – und gefunden. Er vermietet nun auf dem Gelände am Zettachring zehn bis 15 Stellplätze für Wohnmobile und Wohnwagen. Es sei ein umzäuntes Areal mit Tor, ideal für Leute, die nicht wissen, wohin mit ihrem rollenden Hotel. Drei Stück stünden schon.

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