Rücklagen können aufgelöst werden
Nun ist laut der Stadt dennoch die Finanzierung des laufenden Betriebs „bei gleichbleibenden Studierendenzahlen gesichert.“ Nach dem Nein in den Etatberatungen legt die Stadt den im Oktober 2023 eingereichten Wirtschaftsplan zugrunde. Darin wurde von einem Defizit von 75 000 Euro ausgegangen. Der Betrag war danach allerdings auf 126 000 Euro gestiegen (2025: 112 000 Euro). Nun heißt es seitens der Stadt, die prognostizierten negativen Abschlüsse könnten „mit den vorhandenen Rücklagen gedeckt werden“.
Diese belaufen sich auf rund 160 000 Euro und waren bisher vor allem für die Sanierung des Kunstschulgebäudes vorgesehen. Zudem steht im Raum, eine Rückforderung von 65 340 Euro zurückzunehmen. Dadurch wäre laut dem Beiratsvorsitzenden und Kulturbürgermeister Fabian Mayer (CDU) die unmittelbare Existenzbedrohung abgewendet.
Vorerst kein zusätzliches Geld
Diskutiert wurde auch die Frage, ob die FKS auf dem Hallschlag durch zusätzliche Mittel in ihrem Profil weiterentwickelt werden solle. Dabei geht es zum einen um je 10 000 Euro für dieses und nächstes Jahr im Bereich „Ausbau digitaler Lehrangebote“ sowie höhere laufende Kosten für die Öffentlichkeitsarbeit und das Marketing. Zum anderen wurden für den Ausbau des „Instituts für Ästhetik, Kunst und Religion – interkulturell“ im Veranlagungszeitraum 40 000 Euro beantragt. Dazu betont die Stadt, für Werbung seien schon vor zwei Jahren 45 000 Euro genehmigt worden. Die FKS müsse diesen Mehraufwand aus ihren Rücklagen begleichen.
Der Vorstand und der Beirat hatten sich zur Attraktivitätssteigerung darauf verständigt, eine Kooperation mit einer Stuttgarter Partnerhochschule einzugehen, sodass ein Bachelor-Abschluss an der FKS möglich würde, was unzweifelhaft Lehramtsanwärter anziehen könnte. Wegen neuer Bestimmungen des Wissenschaftsrats kann aber wohl erst 2025 ein Antrag gestellt werden. Eine Aufnahme des Studienbetriebs wäre dann erst im Wintersemester 2026 möglich – sofern dann noch städtisches Geld fließt.
Wer bezahlt die Sanierung?
Wer bezahlt nun aber die dringend notwendige Sanierung des den „Charme gründerzeitlicher Industrie-Architektur“ versprühenden städtischen Gemäuers? „Sicherheitsrelevante Maßmaßnahmen“ (Brandschutz) und substanzerhaltende Arbeiten (Dach) würden auf Kosten der Stadt durchgeführt – allerdings stockten diese zuletzt, sodass etwa die Cafeteria wegen Wassereintritts geschlossen wurde und sich die Studenten nun im Druckvorbereitungsraum ihren Kaffee kochen müssen. „Die Finanzierung weiterer nutzungsspezifischer Maßnahmen“ müsse noch geklärt werden, heißt es seitens der Stadt, die für die mängelbehaftete Immobilie 100 000 Euro Miete pro Jahr in Rechnung stellt. Die Sprecher der Studierenden, Kevin Conda (30), der selbst schon Kurse anbietet, sowie Theresa Starkl (23) und Jona Link (20), für den es sich auszahlt, dass er auch mit Realschulabschluss an der FKS studieren kann, schätzen ihre Lehranstalt. „Die Schule hat Potenzial“, sind sie sich einig. Was nicht heißt, dass sie sich in der Öffentlichkeit und bei Sponsoren – etwa durch weitere Kunstauktionen – nicht noch besser verkaufen könnte. Gegen mehr Kommilitonen hätten sie auch nichts einzuwenden. Das Gebäude bietet 2000 Quadratmeter Fläche.
Studierende lieben ihre Schule
Neben der privaten, stressfreien Atmosphäre, die enge persönliche Bindung und intensive Betreuung (inklusive fünf Privatvorlesungen nach dem Vordiplom) sind es die großen Ateliers, in denen man sich rund um die Uhr künstlerisch entfalten kann, die die Schule auszeichnen. Es stehen Werkstätten für Bildhauerei, Radierung, Hochdruck und Lithografie, Zeichensäle, Fotostudio und Medienwerkstatt zur Verfügung. Pro Semester sind allerdings 1500 Euro Gebühren fällig.
Schließung wäre „Katastrophe“
Wie geht es weiter? Sollten die Studierendenzahlen mittelfristig sinken und der Betrieb über 2025 hinaus defizitär sein, können die FKS zu den nächsten Etatberatungen ihren finanziellen Bedarf darlegen und erneut eine Zuschusserhöhung beantragen, betont die Stadtverwaltung.
Die von Adolf Hölzel gegründete Freie Kunstschule Stuttgart
Berühmtheit
Die Freie Kunstschule wurde 1927 von Adolf Hölzel, dem Wegbereiter der Abstraktion, und dessen Schüler August Ludwig Schmitt, gegründet. Sie ist die älteste nicht-staatliche Akademie für Kunst und Design in Deutschland. Persönlichkeiten wie Ben Willikens, Jan-Peter Tripp und Peter Lenk sind daraus hervorgegangen.
Diplom
Die Schule verspricht „eine zeitgemäße Ausbildung in den maßgeblichen Techniken künstlerischen Schaffens“. Angeboten werden Diplom-Studiengänge in Freier Malerei und Freier Grafik. Nachgefragt wird auch das zweisemestrige Basisstudium zur Vorbereitung aufwendig gestalteter Kunstmappen für ein Studium an staatlichen Akademien und Hochschulen wie Dresden, Leipzig und Düsseldorf.
Freizeitvergnügen
Das Studienangebot richtet sich auch an ältere Menschen mit kreativer Ader. Sie wählen nach ihren Wünschen aus dem Lehrangebot aus. Sie gehen ihren künstlerischen Weg unter der Anleitung von Pädagogen – ohne Prüfungen und Zeitvorgaben. Die FKS bietet zudem Tages- und Wochenendkurse für Zeichnung, Malerei, Grafik, Fotografie, Bildhauerei und Digital Imaging an. Berufstätigen bietet sich die Möglichkeit der Ausbildung in bildnerischen Techniken. Grundlage der angebotenen Abendvorträge bildet die interdisziplinäre Forschung auf den Gebieten der ästhetischen Theorie, der Kunst- und der Kulturgeschichte.