Nach Insolvenz von Fellbacher Betrieb Esslinger Bäckerei Dieringer übernimmt Teile von Brotfreunde Grau

Florian Dieringer will den Familienbetrieb mit einer neuen Produktion in Fellbach moderner aufstellen. Die Esslinger Filialen, wie die in der Ritterstraße, bleiben bestehen. Foto: Roberto Bulgrin

Der Esslinger Bäckerei- und Konditoreibetrieb Dieringer übernimmt die Produktionsräume und zwei Filialen des Fellbacher Unternehmens Brotfreunde Grau, das kürzlich Insolvenz angemeldet hat. Der Umzug ist bereits kommende Woche.

Reporterin: Greta Gramberg (gg)

Das sogenannte Flo-Brot der Esslinger Bäckerei Dieringer, einer der Verkaufsschlager des Hauses, wird in den kommenden Wochen wohl auch im Stuttgarter Westen zu kaufen sein. An der Ecke Bebel- und Schwabstraße hat vor kurzem die Filiale der Brotfreunde Grau geschlossen, nachdem der Betrieb in finanzielle Schieflage geraten war. Dieringer übernimmt nun das Ladengeschäft, ebenso wie ein weiteres in Fellbach. Die Produktion zieht von Esslingen in die ehemalige Grau-Backstube nach Fellbach. „Uns ist aber wichtig, dass wir nicht von Esslingen weggehen“, betont Florian Dieringer. Man bleibe der Esslinger Bäcker, die Familie wohne weiter in Esslingen, so der 36-Jährige.

 

Der Betrieb sucht eigenen Angaben zufolge bereits seit zehn Jahren nach geeigneten Flächen für eine moderne Produktion, aktiv seit sechs. Eigentlich wäre man gerne im Raum Esslingen geblieben. Doch hier etwas Passendes und Bezahlbares zu finden, habe sich als aussichtslos herausgestellt. Als sie davon gehört hätten, dass die Bäckerei Grau Insolvenz angemeldet hat, seien sie auf den Immobilienbesitzer und den Insolvenzverwalter zugegangen, so Florian Dieringer. „Zu Frau Grau selbst hatten wir keinen Kontakt“, sagt seine Mutter Petra Dieringer.

Die Produktion der Bäckerei Grau ist nach Angaben des Insolvenzverwalters Markus Eibofner bereits in die Räume einer leer stehenden Backstube in Böblingen gezogen, als Interimslösung. Dass mit Dieringer ein Nachmieter in Fellbach gefunden wurde, sei günstig für den Veränderungsbedarf bei Grau hin zu kleineren Strukturen, so Eibofner. Das Insolvenzverfahren sei auf einem guten Weg. „Wir versuchen, den Betrieb auf neue und gesunde Beine zu stellen.“ Grau betreibt noch vier Filialen, alle verbliebenen Mitarbeiter werden weiterbeschäftigt.

Der Umzug der Produktion hat den Ausschlag gegeben

In Fellbach finden die Dieringers weit modernere Bedingungen für die Produktion vor, wie sie berichten. Bislang befindet sich die Backstube in den angemieteten Räumen der früheren Bäckerei Oelschläger in der Pliensauvorstadt im zweiten Stock. Die Konditorei ist in der Innenstadt am Rossmarkt angesiedelt. Die momentane Betriebsfläche betrage insgesamt 250 Quadratmeter. Künftig seien es 800 Quadratmeter und der Zugang ebenerdig.

Bislang sei man aufgrund der beengten Verhältnisse beschränkt, was längere Teigruhe angehe, die für eine bessere Bekömmlichkeit beim Brot sorgt. Das sei am neuen Standort einfacher. Zudem seien die Arbeitsplätze moderner, unter anderem mit Blick auf die Ergonomie. Der Umzug der Produktion war für Dieringer Hauptargument für die Teilübernahme der Grau-Flächen. „Wir sind nicht auf Wachstumskurs. Uns war wichtig, die Produktion zu ändern und zu modernisieren. Damit wir den Job des Bäckers und Konditors wieder attraktiver machen“, so Florian Dieringer. Bislang betreibt seine Familie acht Filialen, mit den zwei Grau-Geschäften werden es zehn. Die Fahrtzeit aus der neuen Produktion nach Esslingen sei länger. Aber man könne größere Lieferfahrzeuge nutzen, als es aufgrund der kleineren Einfahrt möglich war. Zudem stellt Dieringer den Backstubenmitarbeitern sechs kleine E-Fahrzeuge, um zur Arbeit zu kommen.

Zwei Mitarbeitende wechseln zu Dieringer

Dem Geschäft von Ines Grau, ein seit 1939 bestehender Betrieb mit einst 13 Filialen, drohte die Zahlungsunfähigkeit, Ende Juli wurde der Insolvenzantrag gestellt. Die Chefin nannte damals als Hauptproblem, dass ihr Personal fehle, beispielsweise in der Küche für den Mittagstisch, aber auch in der Backstube und der Konditorei, weshalb das Geschäft mit Großbestellungen oder Hochzeitstorten reduziert werden musste. Zudem stelle sie ein verändertes Kaufverhalten fest. Statt sich weiter handwerklich gut gemachte Qualität zu gönnen, griffen auch Normalverdiener aus Kostengründen lieber zu Billiggebäck aus dem Discounter, hieß es damals.

Diese Probleme sieht Dieringer nicht so stark, für ihn sei die Billigware keine Konkurrenz, die Kunden der Discounter eine andere Klientel. Allerdings liege das auch an den Standorten seiner Filialen in einkommensstarken Gebieten. Er mache die Erfahrung, dass die Leute sich etwas gönnen wollten. Großaufträge spielen für Dieringer eigenen Aussagen nach keine große Rolle.

Zwar sucht auch Dieringer Personal, allerdings sei der Mangel nicht so groß, dass Umsatzeinbußen zu verzeichnen seien. Eine Reduzierung der Öffnungszeiten oder Schließungen am Sonntag, wie sie bei anderen Bäckern mittlerweile eingeführt wurden, seien nicht geplant. Es gebe sogar viele Mitarbeitende, die wegen der Zuschläge am Sonntag arbeiten wollten. Mitarbeitende von Grau übernimmt Dieringer übrigens bislang nur zwei im Verkauf. Das liege unter anderem daran, dass viele in ihrem alten Betrieb blieben. Dieringer kauft das Inventar von Grau – über die Verkaufssumme schweigt sich die Familie aus. In der neuen Backstube sei man zur Miete. Bereits in der kommenden Woche am Montag soll der Umzug der Produktion vonstatten gehen. Die Öffnung der zwei weiteren Filialen erfolge etwas später.

Das Unternehmen Dieringer

Familie
 Otto Dieringer hat 1961 ein Bäckereigeschäft in Metzingen eröffnet. 1970 zog er nach Esslingen und öffnete einen Betrieb in der Olgastraße. Um die Jahrtausendwende übernahm sein Sohn Thomas Dieringer (62). Gemeinsam mit Ehefrau Petra (61) möchte er sich langsam zurückziehen. Denn seit 2009 ist mit Florian Dieringer (36) die dritte Generation im Betrieb. Während er vor allem für Produktion, Einkauf und Verwaltung verantwortlich ist, kümmert sich Schwester Lisa Dieringer (37) um Verkauf und Marketing.

Zahlen
 Heute zählt der Bäckereibetrieb etwa 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die derzeit noch acht Filialen in Esslingen und Aichwald firmieren unter den Namen Dieringer und „Flo Backkultur und Kaffeeglück“, einer Marke, die der Juniorchef geprägt hat.

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