Die Polizei hat schon in den Vorbereitungen gesteckt, um am Samstag bei einer neuen Veranstaltung des Verbands der eritreischen Vereine in Stuttgart für höchste Sicherheit zu sorgen. Krawalle wie bei einem Seminar des Verbands am vergangenen Wochenende sollten notfalls mit einem massiven Einsatz unterbunden werden. Nun wird es wohl ruhig bleiben: Angesichts der Prognose, dass weitere gewalttätige Auseinandersetzungen zu befürchten wären, haben sich die Stadt Stuttgart und der Verband geeinigt, den Mietvertrag für die Halle auf dem Gelände zweier Schulen an der Hohensteinstraße aufzulösen. Das teilte ein Sprecher der Stadt am Mittwochabend mit.
Die Veranstalter wollen „Kooperationsbereitschaft zeigen“
Die Veranstalter gelten als regimetreu gegenüber den Machthabern in Eritrea. Regimekritiker der Diktatur, die als eine der härtesten in Afrika gilt, üben schon länger Kritik, dass Verbände wie der Stuttgarter, der die Veranstaltungen offenbar zusammen mit dem Zentralrat der Eritreer durchführt, abhalten darf. In Gießen (Hessen) kam es im Sommer bei einem Festival zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Das Seminar am vergangenen Wochenende in einer städtischen Halle auf dem Gelände des Römerkastells im Stadtteil Hallschlag war die erste Veranstaltung des Stuttgarter Verbands seit dem Krawall in Gießen. Eine bewaffnete Gruppe stürmte auf das Gelände. Zunächst waren nur 20 Einsatzkräfte der Polizei im Einsatz, es wurden dann aber bis zu 400 zusammengezogen, um die Lage zu beruhigen.
Die Entscheidung, die Veranstaltung abzusagen, sei nach ausführlichen Gesprächen des Ordnungsbürgermeisters Clemens Maier (Freie Wähler) mit Vertretern des Verbands gefallen. Der Verband habe erklärt, er wolle mit der Absage „den Sorgen der Bürgerschaft und der gesamten Öffentlichkeit Rechnung tragen sowie seine Kooperationsbereitschaft zeigen“, meldet die Stadt.
Polizeivizepräsident dankt der Stadt
Polizeivizepräsident Carsten Höfler dankte der Stadt für die Entscheidung – und warnt Gewalttäter vor einer Anreise nach Stuttgart. Die Auflösung des Mietvertrags sei „ein starkes Signal in Richtung einer künftigen gewaltfreien politischen Auseinandersetzung zwischen den beiden eritreischstämmigen Konfliktparteien.“
Man könne nur hoffen, dass diese Maßnahme Wirkung zeige und all diejenigen erreiche, die geplant hatten am Wochenende erneut nach Stuttgart zu reisen. „Nichtsdestotrotz werden wir am Wochenende besonders aufmerksam sein und Einsatzkräfte sowohl im Einsatz als und auch in Bereitschaft haben, um konsequent und niederschwellig bei der Anreise möglicher Störer reagieren zu können“, so Höfler. Szenen wie am vergangenen Samstag dürften sich in Stuttgart nicht wiederholen. Dies zu unterbinden sei eine gemeinsame Aufgabe aller Sicherheitsbehörden.