Aufruhr um Englisch-Abi Susanne Eisenmann: „Kein Grund zur Sorge“

Von Nils Mayer 

Mehr als 29.000 Personen protestieren, weil das Englisch-Abi in Baden-Württemberg angeblich unfair gewesen sei. Jetzt hat das Kultusministerium die Aufgaben mithilfe von Experten noch einmal geprüft.

Kultusministerin Eisenmann  rät zu Ruhe und Gelassenheit. Foto: dpa
Kultusministerin Eisenmann rät zu Ruhe und Gelassenheit. Foto: dpa

Stuttgart - Das baden-württembergische Kultusministerium hat die Beschwerden über die angeblich zu schwere Abiturprüfung im Fach Englisch zurückgewiesen. Das Niveau der kritisierten Aufgaben sei angemessen gewesen, teilte das Ressort von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Montag mit. Dies habe eine Überprüfung der Aufgaben durch die Abiturkommission des Landes und durch drei externe Fachberater am Montag ergeben.

„Ich rate zu Ruhe und Gelassenheit“, sagte Eisenmann. Es bestehe kein Grund zur Sorge. Aus Untersuchungen und Vergleichsstudien wisse man, dass Gymnasiasten aus dem Südwesten gerade im sprachlichen Bereich immer gute Ergebnisse erzielt haben.

Schüler aus Baden-Württemberg hatten am vergangenen Freitag eine Online-Petition unter dem Titel „Englisch Abitur 2018 Baden-Württemberg unfair!“ gestartet. Bis Montag (Stand 17 Uhr) haben mehr als 29 500 Personen – freilich nicht alles Abiturienten – die Eingabe im Internet unterschrieben. Die Prüfung im Fach Englisch sei „enorm schwierig“ gewesen, beklagen die Petenten. Sie fühlen sich durch die Textgattung, das anspruchsvolle Niveau der Aufgabe sowie missverständliche Formulierungen in der Aufgabenstellung benachteiligt. Sie kommen zum Schluss, „dass das diesjährige Abitur nicht vergleichbar mit denen der letzten Jahre ist“.

Anders als in den vergangenen Jahre habe es sich bei dem Textausschnitt nicht um einen logischen Sachtext gehandelt, sondern um eine lyrische, metaphorische Beschreibung der Freiheitsstatue mit Vokabular, das im heutigen Sprachgebrauch nicht mehr verwendet werde, heißt es. Deshalb fordern die Unterzeichner der Eingabe Eisenmann auf, den Erwartungshorizont anzupassen und den hohen Schwierigkeitsgrad bei der Bewertung zu berücksichtigen. Die Kultusministerin sagte, sie habe „vollstes Vertrauen in die Lehrkräfte, dass sie ihren Ermessenspielraum bei der Korrektur verantwortungsvoll und ausgewogen ausschöpfen werden“.

Laut ihrem Ressort stammt der in der Prüfung vorgelegte Textausschnitt („Call It Sleep“ von Henry Roth) aus dem Aufgabenpool des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), aus dem alle 16 Bundesländer Prüfungsaufgaben für das Abitur entnehmen. Das IQB hatte die Textvorlage als gut geeignet und als adäquat für die Abiturprüfung auf dem erhöhten Niveau eingestuft. Interessant: Mecklenburg-Vorpommern hat den gleichen Text wie Baden-Württemberg gewählt. Im Nordosten gab es keine Klagen von Schülern über das Niveau der Aufgaben.

Der Professor für Amerikanistik an der Universität Stuttgart, Marc Priewe, wollte sich auf Anfrage unserer Zeitung kein Urteil zur Abiturprüfung erlauben. Er kenne nur einen Ausschnitt der Aufgaben – und weder die Vorbereitungen noch die Bildungspläne im Detail. Priewe sagte aber: „Was wir hier an der Universität sehen, ist, dass viele Abiturienten, die zu uns kommen, keine ausgeprägte Fähigkeit zur Literaturanalyse mehr mitbringen.“

Unter Lehrern im Südwesten gehen die Meinungen zum Englisch-Abi derweil auseinander. Einige unterstützen die Petition, weil sie die Prüfung in diesem Jahr als vergleichsweise schwer einschätzen. Andere halten den Wirbel für übertrieben – Tenor: die Schüler würden im Schnitt immer schlechter, beschwerten sich aber deutlich mehr als früher.