Nach Tod von George Floyd Internationale Presse kritisiert das Verhalten von Donald Trump

Von red/dpa 

In den USA kommt es seit dem Tod des Afroamerikaners George Floyd zu massiven Protesten und Gewaltausbrüchen. US-Präsident Donald Trump wirkt dem durch sein Verhalten nicht entgegen, meint ein Großteil der internationalen Presse.

Donald Trump bekommt derzeit viel Gegenwind. Foto: dpa/Alex Brandon
Donald Trump bekommt derzeit viel Gegenwind. Foto: dpa/Alex Brandon

Berlin - Die Ausschreitungen in den USA nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd sind in den Kommentarspalten der internationalen Presse großes Thema. Viele Zeitungen setzen sich kritisch mit dem Verhalten von US-Präsident Donald Trump auseinander.

Die britische Wirtschaftszeitung „Financial Times“ schrieb am Montag dazu: „Trump ist nicht schuld an den Straßenunruhen oder an den Ereignissen, die dazu geführt haben. Die amerikanische Politik war schon vor seiner Zeit leicht entflammbar. Die Probleme, um die es hier geht - Rasse und das Verhalten der Polizei - werden ihn überdauern. Jedoch beeinflusst ein Präsident die nationale Stimmungslage mit seiner Rhetorik viel stärker als andere. Das gilt erst recht in angespannten Situationen. Und Trumps jüngste Interventionen waren aufwieglerisch.“

Keine Veränderung bei Trump

Die spanische Zeitung „El País“ sieht den US-Präsidenten eigentlich in der Pflicht. „Bisher hat Trump aber nichts anderes getan, als seine altbekannte Strategie zu verfolgen und einen Feind zu suchen, um sich schnell aus allen Problemen herauszureden. Es ist dringend nötig, dass die Ordnung wiederhergestellt wird und dass die Übergriffe gegen Schwarze unterbunden und bestraft werden.“

Die Wirtschaftszeitung „Hospodarske noviny“ aus Tschechien meint, der Rassismus in den USA habe erstmals seit Jahrzehnten einen „stillen Fürsprecher auf dem höchsten Posten des Landes“. „Für die übrigen Demokratien im Ausland sind die USA zu einem unberechenbaren Partner geworden. Die egoistischen Launen eines einzelnen Mannes gefährden Beziehungen und Bündnisse, die über viele Jahre aufgebaut worden waren. Es entsteht ein Bild der USA unter Trump als eines Landes, das immer mehr Probleme mit sich selbst hat - und immer weniger Kraft, Bereitschaft und Willen, sich um den Rest der Welt zu kümmern.“

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Die britische Zeitung „The Times“ beschäftigte sich auch mit Trumps Kontrahenten Joe Biden: „Biden wird sich davor hüten, mit gewalttätigen Ausschreitungen in Verbindung gebracht zu werden, was seiner Kandidatur bei Trumps eher moderaten Unterstützern schaden könnte. Doch ein langer, schwieriger Sommer hat gerade erst begonnen. Und letzten Endes ist es der Präsident, der die richtigen Worte finden muss, um die Gemüter zu beruhigen. Das aber müsste er zunächst mal auch wollen.“

Die italienische Zeitung „La Stampa“ urteilte schon am Sonntag: „Trump beobachtet die Unruhen aus den Fenstern und gießt Öl in das große amerikanische Feuer. Er lässt die Hunde los, die für die schwarze Gemeinschaft schreckliche Gespenster heraufbeschwören.“

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Die britische Sonntagszeitung „The Observer“ kommentierte: „Trump war hauptsächlich daran interessiert, seiner zumeist weißen Anhängerschaft als starker Mann zu erscheinen. Die Wählerstimmen der Schwarzen kann er im November vergessen. Die Proteste werden irgendwann nachlassen. Doch Ungerechtigkeit, Borniertheit und gesellschaftliche Malaise werden erst verschwinden, wenn alle Amerikaner das wollen.“

Und die „Neue Zürcher Zeitung am Sonntag“ ist der Meinung: „In einer solchen Situation hätten die USA eine Integrationsfigur nötig, die das Land beruhigt, eint und gemeinsam mit anderen politischen Akteuren voranbringt. Die Krise scheint bei Trump aber nur das Schlechteste hervorzubringen. Er tut, was er am besten kann: das Land polarisieren, die Menschen gegeneinander aufhetzen und sich neuerdings darüber aufregen, dass Twitter nicht mehr alle seine Lügen und Diffamierungen kommentarlos verbreitet.“