Nach Tod von Sammler Frans Bevers Was passiert mit dem Märklin-Schatz?

Anfang 2023 wurde der „Letter of Intent“ über eine Rückkehr der Märklin-Exponate nach Göppingen unterzeichnet. Das Foto zeigt (v. li.) Alex Maier, Winfried Hermann, Peter Gilis, Frans Bevers, Edgar Wolff und Hariolf Teufel. Foto: privat

Die von Frans Bevers zusammengetragenen Exponate gelten als weltweit größte Märklin-Sammlung. Nach dem Tod des belgischen Unternehmers ist die Ungewissheit groß: Kommt die wertvollste Märklin-Sammlung nach Göppingen?

Wenn Märklin-Geschäftsführer Wolfrad Bächle von der Sammlung des belgischen Unternehmers Frans Bevers erzählt, ist die Begeisterung mit den Händen zu greifen. „Es ist faszinierend. Ich habe noch nie etwas Vergleichbares gesehen“, sagt er. Und: „Es ist großartig, was Frans Bevers da geschaffen hat.“ Zu der wohl größten Märklin-Sammlung der Welt gehören alle Produkte, das das Göppinger Traditionsunternehmen im Laufe seiner 165-jährigen Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart hergestellt hat: Blechspielzeuge, Dampfmaschinen, Puppenküchen, Flugzeuge, Boote, komplette Bahnhofsanlagen sowie natürlich Lokomotiven und Waggons aller Spurweiten und sämtlicher Epochen.

 

Umso größer ist Bächles Bestürzung und Trauer über den völlig unerwarteten Tod Bevers: „Das ist eine jähe Zäsur. Frans Bevers ist ein großartiger und viel geliebter gesellschaftlicher Mensch gewesen.“ Der Belgier, dessen riesige Sammlung in seinem Privatmuseum einen Wert von 50 bis 80 Millionen Euro haben soll, starb im Alter von 78 Jahren, nachdem er wegen eines Sturzes ins Krankenhaus gebracht werden musste. Bächle war bei der großen Trauerfeier in Bevers‘ belgischem Heimatort dabei, genauso wie der Göppinger Oberbürgermeister Alex Maier, der im Gespräch mit unserer Zeitung sagte: „Wir sind sehr traurig. Frans Bevers war ein Märklianer mit viel Herzblut.“

Historische Absichtserklärung

Die Liebe des erfolgreichen Catering-Unternehmers zu Märklin war so groß, dass er einen festen Plan hatte, was mit seiner Sammlung geschehen soll. Schon viele Jahre lang pflegte er Kontakte zu Göppingen, bevor er im vergangenen Jahr mit Landesverkehrsminister Winfried Hermann als Vertreter der baden-württembergischen Landesregierung, OB Maier, Landrat Edgar Wolff und Kreissparkassen-Chef Hariolf Teufel eine historische Absichtserklärung unterzeichnete. Das Ziel: Der Märklin-Schatz soll nach Göppingen zurückkehren und der Öffentlichkeit – im Märklineum – gezeigt werden. Dazu wollte Bevers eine Stiftung gründen. Seitdem wurden notwendige Rechtsfragen erörtert, und es ging um Fragen der Finanzierung. Auch die Stadt Göppingen und der Landkreis hätten einen Teil der Kosten tragen sollen. Zudem stand eine Förderung durch das Land im Raum.

Nun ist Frans Bevers tot – und es ist noch nicht bekannt, welchen letzten Willen der Märklin-Sammler in seinem Testament verfügt hat. Göppingens Rathaus-Chef Alex Maier will sich derzeit genauso wenig mit der Zukunft der Sammlung beschäftigen wie Märklin-Geschäftsführer Wolfrad Bächle. Die beiden sind sich einig: Jetzt stehe die Trauer im Vordergrund.

Interesse an Sammlung ist ungebrochen

Das sieht auch Landrat Edgar Wolff so. „Die Betroffenheit ist groß“, sagt er. „Wir sind aber weiterhin bestrebt, die Sammlung nach Göppingen zu holen. Die Gespräche sind am Laufen.“ Jetzt müsse abgewartet werden, bis Klarheit über die Nachlassregelung herrsche. „Wir haben hier keine Kenntnis über die Situation“, macht Wolff deutlich. Der Gesprächsfaden nach Belgien werde aber nicht abreißen, weil Bevers einen Geschäftsführer eingesetzt habe, mit dem die Beteiligten aus Stadt und Landkreis Göppingen auch bisher in Kontakt standen. Tatsächlich war erst vor wenigen Wochen eine Delegation aus Göppingen zu Gesprächen nach Belgien gereist. Der Landrat lässt daher keinen Zweifel daran, dass das Interesse an der einzigartigen Märklin-Sammlung ungebrochen groß sei, auch wenn „komplexe Fragestellungen“ wie die der Finanzierung noch geklärt werden müssten.

Auch Hariolf Teufel, der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Göppingen, hat bestürzt auf den Tod von Frans Bevers reagiert: „Wir haben die Nachricht mit großem Bedauern aufgenommen. Herr Bevers war eine beeindruckende Persönlichkeit und ein leidenschaftlicher Märklin-Sammler.“ Gemeinsam mit Märklin-Geschäftsführer Wolfrad Bächle habe die Kreissparkasse mit Bevers immer wieder in Kontakt gestanden, „da wir alle das gemeinsame Interesse verfolgt haben, einem Teil seiner großartigen Sammlung in Göppingen eine Heimat zu geben und sie so der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“.

Frans Bevers – eine lebenslange Liebe zu Märklin

Unternehmer
 Sein Markenzeichen war der Cowboyhut: Frans Bevers soll seinen Erfolg als Catering-Unternehmer durch eine Grillplatte begründet haben, die er 1978 zu einem Motocross-Wettbewerb mitgebracht hatte, um die Besucher mit Speisen zu versorgen. Später war sein Name bei vielen Massenveranstaltungen in der Umgebung gesetzt.

Recherchen
  Frans Bevers ging quasi bis ans Ende der Welt, um besondere Produkte der Firma Märklin aufzuspüren. Überliefert sind nicht nur Bevers Recherchen zu Märklin-Schätzen in Südamerika. Bevers soll auch in die Vereinigten Staaten gereist sein, um bei einer Auktion genau jene Holzkisten zu erwerben, in denen ganz besondere „Krokodil“-Lokomotiven während der Schiffspassage nach New York verpackt waren.

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