Interview mit Elke Koch vom Staaatsarchiv Ludwigsburg „Gift ist die Waffe der Frau“

Von Patricia Elsner 

Etwas gruselig ist der Programmpunkt des Staatsarchivs zum Weltfrauentag: Die Historikerin Elke Koch hat Akten von Mörderinnen aus dem Kreis Ludwigsburg zusammengetragen.

Bei einer Führung im Staatsarchiv beleuchtet die Historikerin Elke Koch Frauen von einer ganz anderen Seite. Foto: privat
Bei einer Führung im Staatsarchiv beleuchtet die Historikerin Elke Koch Frauen von einer ganz anderen Seite. Foto: privat

Ludwigsburg - Karrierefrau, Mutter, Model oder Mörderin: Frauen können heutzutage fast alles sein und alles werden. Der Internationale Weltfrauentag am 8. März soll an den Kampf der Frauen um Gleichberechtigung erinnern. Bis zum 18. März finden im Landkreis Ludwigsburg Veranstaltungen statt, bei denen Frauen im Mittelpunkt stehen.

Frau Koch, was ist das für eine Führung, die Sie am 12. März im Staatsarchiv anbieten?
Das Thema ist „Frauen im Recht und im Unrecht“. Während der eineinhalbstündigen Führung stelle ich Frauen aus der Region Stuttgart vor, die zur Mörderin geworden sind. Wir schauen uns Akten aus Polizeiermittlungen und Gerichtsverfahren an und fragen uns, ob es ein solches Frauenschicksal heute noch geben könnte.
Welche Frauen haben im Kreis Ludwigsburg gemordet?
Da gibt es zum Beispiel Christiane Ruthardt (1804 bis 1845), die in Ludwigsburg aufgewachsen war. Die schaurige Mordgeschichte liest sich wie einen Krimi. Ihre ­Akte schildert, wie sie ihren Mann umgebracht hat. Gleichzeitig erzählt sie auch viel über ihre Lebensumstände, die Ermittlungen, das Urteil, die schreckliche Geschichte über ihre Hinrichtung und den Umgang mit ihrer Leiche.
Morden Frauen denn anders?
Christiane Ruthardt war eine Mörderin wie aus dem Groschenheft: Sie brachte ihren Mann um und nahm dafür Gift, die Waffe der Frau. Ich habe aber auch andere Beispiele in meiner Sammlung. So schlimme wie Kindsmörderinnen, die aus Angst vor der Schande eines unehelichen Kindes ihr Neugeborenes umbrachten. Oder die Frauen, mit denen sich Polizei und Justiz vor 40 Jahren extrem schwertaten: die Terroristinnen der RAF, die zur Waffe griffen.
Wie sieht das heute aus?
Als Archivarin bin ich dafür verantwortlich, dass auch Akten der aktuell interessanten Fälle ins Archiv kommen. Immer noch ist körperliche Gewalt eher männerdominiert, es gibt aber Tendenzen, dass vor allem junge Frauen vermehrt zu solchen Gewalttaten übergehen. Gerade bei Beziehungstaten spielen gekränkte Ehre und Eifersucht erschreckend oft eine tödliche Rolle. Aber immerhin muss heute keine Frau mehr ihren Mann vergiften, wenn sie ihn loswerden will: Sie kann sich auch einfach scheiden lassen.

Frauen im Recht und Unrecht:
Die Führung mit Elke Koch beginnt um 18.30 Uhr im Staatsarchiv Ludwigsburg, Arsenalplatz 3. Die Führung ist kostenlos. Um eine Anmeldung unter 0 71 41 / 6 48 54 63 10 wird gebeten.




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