Demnach verdoppelten sich 2019 die Investitionen privater Sparer in nachhaltige Fonds und Mandate. Ein Mandat bezieht sich auf ein Portfolio, das von einem Vermögensverwalter gemanagt wird. Bezogen auf den deutschen Gesamtmarkt fristen nachhaltige Geldanlagen trotz der hohen Wachstumsraten noch ein Nischendasein: Ihr Anteil erreichte Ende des vergangenen Jahres rund fünf Prozent.
Nachfrage trotzt der Krise
Der Aufwärtstrend scheint sich aber auch in der Corona-Krise fortzusetzen. Volksbanken und Sparkassen verzeichneten im ersten Halbjahr ein wachsendes Interesse an Nachhaltigkeitsfonds: Ihr Anteil an den Investitionen von Privatkunden stieg bei Union Investment, der Fondsgesellschaft der Genossenschaftsbanken, bis Ende Juni von vier auf sechs Prozent. Bei der Fondsgesellschaft der Sparkassen, der Dekabank, erhöhte sich der Anteil der Nachhaltigkeitsfonds im Privatkundengeschäft im ersten Halbjahr auf fünf Prozent.
Bei der Hypovereinsbank (HVB), die für Privatkunden zu Jahresbeginn eine Vermögensverwaltung für Beträge ab 25 000 Euro einführte, flossen in diesem neuen Segment sogar 60 Prozent der Mittel in nachhaltige Fonds. Das liege auch daran, dass die Berater ihre Kunden stets nach deren Interesse an nachhaltigen Lösungen fragten, sagte ein HVB-Sprecher. In der klassischen Vermögensverwaltung für institutionelle und reiche Kunden werde dieser Ansatz schon seit 2004 verfolgt, hier liege der Anteil der nachhaltig investierten Mittel bei 50 Prozent.
Allianz Global Investors, der Vermögensverwaltungszweig der Allianz-Gruppe, beziffert den Anteil der nachhaltig angelegten Gelder auf 30 Prozent – über alle Kundengruppen hinweg. Die Vermögensverwaltungstochter der Deutschen Bank, die DWS, spricht dagegen von neun Prozent.
Keine einheitliche Definition
Die Zahlen der verschiedenen Anbieter lassen sich nicht direkt miteinander vergleichen, weil es für nachhaltige Geldanlagen keine einheitliche Definition gibt. Ein Umstand, der die Suche nach geeigneten Produkten erschwert. „Für private Anleger ist es sehr schwer, sich Durchblick zu verschaffen“, sagt Professor Andreas Ziegler, der an der Universität Kassel zum Thema nachhaltige Geldanlagen forscht.
Die Bezeichnung „nachhaltig“ kann sich auf ökologische, soziale oder allgemein auf ethische Kriterien beziehen – also etwa den Ausschluss von Investitionen in Waffenhersteller oder Tabakfabrikanten. Doch selbst innerhalb der einzelnen Kategorien bestehen erhebliche Unterschiede. So bedeutet das Attribut „Öko“ nicht zwingend, dass ein so betitelter Fonds in Investitionen in Kernenergie verzichtet – schließlich gilt diese in Deutschland hochumstrittene Technologie in vielen anderen Ländern wegen ihres geringen Ausstoßes an Treibhausgasen als zukunftsfähig.
Wo es Orientierungshilfe gibt
Für eine gewisse Orientierung auf dem deutschsprachigen Markt sorgt das Siegel des Forums Nachhaltige Geldanlage (FNG-Siegel), in dem sich Banken, Vermögensverwalter und Versicherungen zusammengeschlossen haben. Das Siegel wird auf Basis transparenter Mindeststandards vergeben. Vollkommen ausgeschlossen sind Investitionen in Kernenergie oder fossile Brennstoffe zwar auch hier nicht, aber sie unterliegen engen Grenzen. Ein Beispiel: Aktienfonds, die mit dem FNG-Siegel gekennzeichnet sind, dürfen nur in Unternehmen investieren, die maximal fünf Prozent ihrer Umsätze mit der Nutzung der Atomkraft erzielen.
Weitaus strenger ist die Nichtregierungsorganisation Facing Finance, die beispielsweise auch Beteiligungen am Konsumgüterkonzern Unilever bemängelt. Der Hersteller von Tütensuppen und Pflegeprodukten produziere sehr viel Plastikmüll, heißt es in der kommentierten Fonds-Datenbank von Fair Finance. Auch zahlreiche andere Großkonzerne werden von der Organisation kritisch beurteilt. Aber natürlich kann jeder Nutzer für sich entscheiden, ob er die aufgeführten Kritikpunkte tatsächlich als Ausschlusskriterium betrachtet – oder eben nicht.
Themenfonds bergen ein erhöhtes Risiko
Wer keinerlei Kompromisse eingehen will, für den bieten sich Themenfonds an, die beispielsweise ausschließlich in Anbieter erneuerbarer Energien und anderer Umwelttechnologien investieren. Dort sind allerdings die Risiken größer als bei Fonds, die einen breiten Branchenmix abbilden. „Wenn ein einzelnes Unternehmen oder gar die ganze Branche in Schwierigkeiten gerät, kann dies immense Auswirkungen auf die Rendite haben“, sagt Professor Ziegler mit Blick auf Themenfonds. Anleger, die den Absturz der deutschen Solarzellen-Hersteller miterlebt haben, können ein Lied davon singen.
Noch riskanter sind Beteiligungen an einzelnen Unternehmen und Projekten oder an geschlossenen Fonds. Einen Überblick über „riskante Umweltinvestments“ bietet die Verbraucherzentrale Bremen auf der Website Geld-bewegt.de.
Allgemeine Aussagen zum Erfolg grüner Geldanlagen seien schwierig, sagt Nachhaltigkeitsexperte Andreas Ziegler. Zwar gibt es hierzu zahlreiche Studien, „aber das Ergebnis hängt sehr stark davon ab, wie Nachhaltigkeit definiert wird, welcher Anlagezeitraum untersucht wird und welche Region“. Soweit die allgemeinen Regeln zur Risikominderung berücksichtigt würden – insbesondere eine breite Streuung über verschiedene Anlageklassen – schnitten nachhaltige Geldanlagen aber jedenfalls nicht schlechter ab als konventionelle. Angesichts der politischen Bemühungen zur Begrenzung von Treibhausgasen sei zudem wahrscheinlich, „dass die Risiken von Anlagen etwa in Kohle und andere fossile Brennstoffe steigen“.
Nachhaltige Versicherungen und Bankprodukte
Sparer, denen Aktien oder Anleihen von Unternehmen generell zu riskant sind, können stattdessen nachhaltige Versicherungen oder Bankkonten wählen. Mehrere Versicherungskonzerne bieten Rentenpolicen oder auch Riester-Verträge mit dem Versprechen an, die Beiträge der Kunden nach sozialen und ökologischen Kriterien anzulegen – die Einzelheiten variieren je nach Produkt.
Bei Giro- und Sparkonten, Festgeld oder Banksparplänen geht es hingegen um die Geschäftspolitik der gesamten Bank. Die Verbraucherzentrale Bremen listet 14 Institute auf, die wegen der Auswahl ihrer Kreditnehmer und Investments als nachhaltig gelten – darunter die GLS Bank, Ethikbank, Triodos Bank, Umweltbank und kirchliche Institute. Informationen zu den Nachhaltigkeitsbestrebungen konventioneller Banken finden sich oft auf deren Websites, eine kritische Würdigung unter Fairfinanceguide.de