Nachhaltige Mobilität in Leonberg Bügel gegen wildes Parken
Die Stadt hat auf dem historischen Marktplatz vor dem ehemaligen Tabakladen Abstellmöglichkeiten für Fahrräder geschaffen. Diese sorgen für einige Diskussionen in der Bevölkerung.
Die Stadt hat auf dem historischen Marktplatz vor dem ehemaligen Tabakladen Abstellmöglichkeiten für Fahrräder geschaffen. Diese sorgen für einige Diskussionen in der Bevölkerung.
Seit einigen Wochen sind sie fest im Boden verankert: vier größere und zwei kleinere Fahrradbügel auf dem Leonberger Marktplatz. Platziert sind sie vor dem ehemaligen Tabakladen an der Einmündung zur Klosterstraße. Diese sind, so die Erklärung der Stadtverwaltung auf Anfrage unserer Zeitung, eine neue Möglichkeit, Fahrräder, Pedelecs, Lastenfahrräder und Fahrräder mit Kinderanhängern sicher, stabil, bequem und zentral abzustellen. „Wir wollen die nachhaltige Mobilität fördern, auch steigert solch eine Anlage die Aufenthaltsqualität in der Altstadt und somit auch ihre Attraktivität“, heißt es aus dem von Stephan Kerner geleiteten Referat für innovative Mobilität. „Aktuell fehlt noch ein attraktiver Blumenkübel als untere Begrenzung. Der Kübel ist bestellt und wird bepflanzt, sobald er da ist“, sagt Leila Fendrich, die stellvertretende Pressesprecherin der Stadt Leonberg.
Vielleicht mag es an der frühen Jahreszeit liegen, dass diese Anlehnbügel von den Bürgern bislang nicht so angenommen werden, wie von städtischer Seite erhofft. Rund um den Marktplatz, und auch in den sozialen Netzwerken, sorgen sie allerdings für Gesprächsstoff. „Keiner versteht, warum sie gerade an diesem Standort montiert wurden, wo sie keiner nutzt“, sagt beispielsweise Andreas Nickl, der Geschäftsführer des Biomarktes Mutter Natur. Er habe die Erfahrung gemacht, dass die Menschen ihr Zweirad direkt dort abstellen, wo sie es im Auge haben. „Das ist wohl die Psychologie des Menschen, viele fahren ein teures E-Bike und haben Angst, dass es abhanden kommt.“ Radständer direkt vor seinem Geschäft oder direkt vor der Gastronomie würden, davon ist Nickl überzeugt, besser angenommen werden. „Viele ärgern sich auch, dass eine Parkmöglichkeit für Autos auf dem Marktplatz wegfällt“, weiß der Geschäftsmann aus Gesprächen mit seiner Kundschaft. Doch so leicht sei es gar nicht gewesen, einen geeigneten Standort zu finden, heißt es aus dem Rathaus. „Am Marktplatz sind die verfügbaren Flächen eingeschränkt, unter anderem aufgrund von Außengastronomie, Rettungswegen, Märkten und Veranstaltungen. Die Flächenprüfung hat in Absprache mit der Citymanagerin den Standort vor dem ehemaligen Tabaklädle ergeben“, sagt Leila Fendrich.
Stellt sich die Frage, ob diese Bügel überhaupt notwendig sind. Aus den Reihen der Gastronomiebetriebe rund um den Marktplatz sei im Sommer 2022, so Fendrich, der Wunsch an die Citymanagerin Nadja Reichert herangetragen worden, Abstellmöglichkeiten für Fahrräder in unmittelbarer Nähe des Marktplatzes zu schaffen, um das Parken von Zweirädern auf dem Marktplatz zu ordnen. Bis dahin gab es zwei Anlehnbügel vor der Apotheke. Viele stellten ihr Rad am Brunnen oder direkt vor den Häusern ab. „Die Schaffung einer Rad-Abstellanlage auf dem Marktplatz ist im Maßnahmenkatalog des Radverkehrskonzeptes der Stadt von 2013 festgelegt“, erklärt Leila Fendrich. Zehn Jahre später, im Mai 2023, wurde es im Planungsausschuss im Rahmen des Tätigkeitsberichts des Radverkehrskoordinators angesprochen. „Eine Zustimmung des Gemeinderats ist erst ab einem bestimmten Betrag nötig, es reicht in diesem Fall die Zustimmung des Oberbürgermeisters“, so Fendrich. Bislang habe das Projekt rund 7900 Euro gekostet. Noch nicht in der Summe enthalten seien das Anbringen von Verkehrszeichen durch den Baubetriebshof und sowie Markierungsarbeiten. „Im städtischen Haushalt hat das Referat für innovative Mobilität 20 000 Euro für den Ausbau von Radabstellanlagen veranschlagt“, so Fendrich.
Petra Goldberg, die zweite Vorsitzende der Leonberger Werbegemeinschaft Faszination Altstadt, kennt die Diskussionen um die Standortsuche. „Wir waren mit keiner der Möglichkeiten richtig glücklich. Ich hätte ihn Anfang der Schlossstraße platziert.“ Dort, wo er jetzt verankert sei, würden die Autos davor parken und für mehr Chaos sorgen. Die Inhaberin des Juweliergeschäftes in der Graf-Ulrich-Straße könne allerdings die Klagen, dass ein Parkplatz weggefallen sei, nicht nachvollziehen. „Das Problem ist, dass die Leute, warum auch immer, das Parkhaus unter der Altstadt nicht nutzen“, sagt Goldberg. Doch stehen 283 Plätze zur Verfügung. „Ich selbst parke dort, wenn ich nicht zu Fuß unterwegs bin, mein Auto sehr bequem“, sagt Goldberg.
Oliver Reuter, der Geschäftsführer des Mode-Unternehmens Only Women, stört sich weniger an den neuen Rad-Abstellplätzen vor seinem Geschäft „Marktplatz 11“. Er sieht ganz andere Baustellen in der historischen Altstadt. „Das Problem, das immer größer wird, sind die zahlreichen Leerstände“, sagt Reuter. Es gebe viele Anläufe auch seitens der Verwaltung, die Altstadt zu beleben. Das sei ein Tropfen auf den heißen Stein. „Viele Eigentümer von Immobilien wollen leider nicht investieren, doch wer ein Haus in der Altstadt hat, hat auch die Verantwortung, etwas für das Gemeinwohl zu tun“, meint Reuter. Ansonsten würden die Innenstädte verwaisen.