Nachhaltiges Weihnachten Zum Fest einen Baum mieten
Die Gärtnerei Häussermann in Möglingen (Kreis Ludwigsburg) liefert Weihnachtsbäume frei Haus. Nach dem 6. Januar werden die Bäume wieder eingepflanzt.
Die Gärtnerei Häussermann in Möglingen (Kreis Ludwigsburg) liefert Weihnachtsbäume frei Haus. Nach dem 6. Januar werden die Bäume wieder eingepflanzt.
Möglingen - Der Weihnachtsbaumverkauf läuft in diesen Tagen allerorts zur Hochform auf. Auf Parkplätzen von Einkaufscentern, vor Baumärkten, an Verkaufsständen auf dem freien Feld – überall wird das meterhohe Tannengrün an die Frau und an den Mann gebracht. Auch in der Baumschule Häussermann in Möglingen zeigen sich derzeit kleine, große, schmale, breite Tannen und Fichten von ihrer besten Seite. Allerdings sind die Bäume etwas ganz Besonderes, denn man kann sie nicht kaufen, sondern nur mieten. Nach den Festtagen landen sie weder in Kaminen, noch auf irgendwelchen Müllplätzen. Sie leben weiter.
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Sind Weihnachtsbäume noch zeitgemäß?
Vergangenes Jahr hat das Familienunternehmen, das sich auf Gehölze und winterharte Stauden spezialisiert hat, das Projekt Mietbäume gestartet. „Wir hatten immer Ende November zugemacht, weil Weihnachten nicht unsere Hauptsaison ist“, sagt Alexander Häussermann. „Als ich aber über Mietbäume gelesen habe, dachte ich, das wäre eine gute Möglichkeit, unsere Mitarbeiter auch im Dezember zu halten.“ Rund 100 Beschäftigte hat die Möglinger Landschaftsgärtnerei.
Zwischen 50 und 60 Bäume konnten vor einem Jahr für das Fest gemietet werden, erzählt der 34-Jährige. Innerhalb kürzester Zeit waren sie weg. Heuer wurde auf etwa 150 Stück aufgestockt. Und auch jetzt hat ungefähr die Hälfte der Bäume schon einen neuen Besitzer auf Zeit gefunden.
Die meisten Kunden entscheiden sich auch bei den Häussermanns für eine Nordmanntanne. Zur Auswahl stehen aber auch Korea-, Colorado-, Blau- und Umorikatannen – in Größen von 60 Zentimeter bis zu zwei Meter. Auf dem Hof hat man die Qual der Wahl. Lieber den Klassiker, oder doch mal was anderes? Etwa die Coloradotanne, mit ihren langen, gräulichen, weichen Nadeln? Oder die Koreatanne? Dicht gewachsen und von der Form an eine Pyramide erinnernd.
Alle zwei, bis drei Jahre werden die Bäume verpflanzt, damit sie ihre feinen Wurzeln behalten, die so wichtig sind für die Aufnahme von Nährstoffen und Mineralsalzen aus dem Boden. Nach dem Umpflanzen braucht der Baum ein Jahr zur Regeneration, bevor er weiter in die Höhe wächst. „Die Bäume, die wir in Töpfen vermieten, sind also deutlich älter als geschlagene Bäume“, erklärt Alexander Häussermann. Ein eineinhalb Meter großer Mietbaum hat an die zehn Jahre auf dem Buckel, ein herkömmlich geschlagener um die sechs Jahre.
In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit für immer mehr Menschen eine Rolle spielt, ist das Interesse an der Alternative zum Wegwerfartikel Weihnachtsbaum groß. Zu den Kunden der Häussermanns zählen Privatleute sowie Firmen. „Wir haben aber auch einige Kindergärten, die wir beliefern“, erzählt der 34-Jährige. Dort steht das Grün im Topf dann nicht drinnen, sondern draußen.
Wer sich für das Mieten entscheidet, bekommt seinen Baum nach Hause geliefert, direkt ins Wohnzimmer. „Den kann man sich nicht einfach über die Schulter legen“, sagt Alexander Häussermann und lacht. Der Test zeigt: Lehmwurzelballen, Topf und Baum sind schwer. Sehr schwer. An drei Terminen kurz vor Heiligabend wird das Grün ausgefahren, nach dem sechsten Januar wird es wieder abgeholt. Man halte die Mietdauer bewusst eng, denn die Wärme in den Innenräumen bedeute einen gewissen Stress für das Nadelgehölz. „Länger als zwei, drei Wochen sollten sie nicht drinnen stehen.“
Zu tun gibt es für die Mieter nicht viel. Einmal pro Woche kräftig gießen reicht, sagt der Profi. Ob die Bäume den Urlaub in der Fremde gut überstanden haben, wisse man erst, wenn sie danach wieder ausgepflanzt werden.
Saskia Blümel vom Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger ist skeptisch. Die Chance, dass der Baum wirklich wieder anwachse, sei sehr gering, da oft die Wurzeln verletzt würden. Alexander Häussermann hat eine andere Erfahrung gemacht. Seine Bilanz nach der ersten Weihnachts-Saison 2020: Zwischen 80 und 90 Prozent der Bäume haben das erneute Auspflanzen ins Erdreich gut überstanden. Bis die Tanne oder die Fichte dann wieder vermietet werden kann, müsse man aber zwei, drei Jahre warten.
Die Nachhaltigkeit hat seinen Preis. Zwischen 50 und 120 Euro kosten die Mietbäume – je nach Größe. Pauschal 20 Euro kommen für den Transport noch oben drauf. „Wobei man den Baum auch selbst holen und bringen kann“, sagt der 34-Jährige, der privat zum Weihnachtsfest auch auf Nachhaltigkeit setzt. Allerdings steht im Wohnzimmer von Alexander Häussermann weder eine Fichte, noch eine Tanne im Topf. „Wir schmücken einen Olivenbaum“, erzählt der Unternehmer und schmunzelt. „Jesus hat in seinem Leben sicher nie einen Tannenbaum gesehen. Ein Olivenbaum ist da authentischer“, findet er und überlegt, ob der Betrieb künftig nicht vielleicht auch Olivenbäume zum Vermieten anbieten könnte. „Ich glaube, das wäre eine coole Alternative für manchen Jüngeren.“
Der Weihnachtsbaum im Lauf der Zeit
Ursprung
Den Überlieferungen nach ist der erste geschmückte Weihnachtsbaum 1510 in Riga auf einem öffentlichen Platz aufgestellt worden.
Trend
Liebling der Deutschen ist die Nordmanntanne. Ihre Zweige haben ein saftiges Grün, die Nadeln stechen nicht und bleiben lange am Baum. Dank dieser Eigenschaften sind circa drei Viertel aller verkauften Bäume Nordmanntannen. Auf Platz zwei ist die Blaufichte mit 15 Prozent.
Zahlen
Zwischen 25 und 30 Millionen Weihnachtsbäume kaufen die Deutschen jedes Jahr. Die Bäume stammen zu 90 Prozent aus heimischer Produktion. Weihnachtsbäume im Topf zu mieten, ist in den USA, Großbritannien und der Schweiz schon länger üblich. In Deutschland hingegen machte im Jahr 2019 der Anteil der Mietbäume einer Schätzung des Bundesverbands der Weihnachtsbaumerzeuger nach knapp ein Prozent aus.