Nachhaltigkeit in Stuttgart-Vaihingen Eine Eisdiele schafft ihre Plastikbecher ab

Von Jacqueline Fritsch 

Sein Wegwerf-Geschirr hat Carmine Napolitano schon seit Jahren zu schaffen gemacht. Doch er hat keine bessere Lösung gefunden. Bisher. Seit dieser Saison kommen die Kugeln in besonderen Bechern daher.

Sieht aus wie ein Plastikbecher  – ist aber keiner. Das gilt auch für die Löffel, die es in der Vaihinger Eisdiele gibt. Foto: Jacqueline Fritsch
Sieht aus wie ein Plastikbecher – ist aber keiner. Das gilt auch für die Löffel, die es in der Vaihinger Eisdiele gibt. Foto: Jacqueline Fritsch

Vaihingen - Eigentlich sehen die bunten Becher aus, als wären sie aus ganz normalem Plastik. Legt man sie aber lange genug in heißes Wasser, lösen sie sich auf. Bis Carmine Napolitano diese nachhaltigen Becher in seiner Eisdiele anbieten konnte, hat es eine ganze Weile gedauert. „Ich habe sie vor vier Jahren auf einer Messe entdeckt“, sagt der Junior-Chef des Eiscafés Fantasia, „aber damals waren sie noch nicht lieferbar“. Mittlerweile serviert er seit nun vier Monaten seine Eisbecher in den biologisch abbaubaren Maisbechern.

Auch am Tisch gab es den Plastikbecher

Ein Moralapostel will Carmine Napolitano nicht sein. Doch Gedanken macht er sich schon lange, wie er die vielen kleinen Plastikbecher aus seiner Eisdiele verbannen kann. „Wenn wir mal Beschwerden von Kunden bekommen haben, dann wegen unserer Plastikbecher“, sagt er. In denen haben die Kunden nämlich bis vergangenes Jahr noch sowohl das Eis zum Mitnehmen als auch Eisbecher am Tisch serviert bekommen.

Immer wieder hat Carmine Napolitano nach Alternativen gesucht, der Markt habe aber einfach noch nichts Passendes hergegeben – bis zum Beginn der laufenden Saison. Seit dem Frühjahr verkauft Napolitano, der in Vaihingen aufgewachsen ist und heute in Feuerbach lebt, das Eis zum Mitnehmen in Pappbechern. „Weil die nicht beschichtet sind, bleiben sie nicht so lange in Form, aber zwei Kugeln sind ja schnell gegessen“, sagt er.

Er hätte gern auf Glas umgestellt – es gab aber ein Problem

Schwieriger war es, eine umweltfreundliche Lösung für zum Beispiel Spaghettieis oder Früchtebecher zu finden. „Wir hatten mal Waffelbecher, aber wenn das Eis da länger drin ist und Früchte oder Soßen dazukommen, wird das ganz weich“, sagt Napolitano. Andere Eiscafés servieren ihre Eisbecher in Glasschalen – das würde Napolitano auch gerne machen, aber: „Wir haben dafür einfach keinen Platz“, sagt er.

Hinter der Theke sei es eng, die Spülmaschine sei recht klein, und das Glas dürfe nicht direkt vor dem Befüllen gespült werden. „Wenn die Schale noch warm ist, schmilzt das Eis ja gleich wieder“, sagt Napolitano. Also bräuchte er Stauraum, den er schlichtweg nicht hat. „Wenn ich könnte, wäre ich der Erste, der seine Eisbecher im Glas anbietet“, sagt der Eisverkäufer, „daran wäre ja auch viel mehr verdient“. Einmal Glasschalen kaufen und sie immer wieder spülen, ist natürlich billiger, als regelmäßig hunderte Becher nachbestellen. Aber bei gut 30 Quadratmetern, auf denen Vorräte gelagert, Eis verkauft, Eisbecher hergerichtet, gespült und vier Tische bedient werden, sind platzsparend stapelbare Becher die einzige Möglichkeit. Und die sind eben neuerdings aus einem Biokunststoff aus Maisstärke und damit biologisch abbaubar. Genauso wie die Löffel. Die Herstellerfirma wirbt damit, dass sich die Produkte bei unterschiedlichen Temperaturen unterschiedlich schnell auflösen. Bei industrieller Kompostierung dauere es demnach bei 60 Grad rund 47 Tage, bis Becher und Löffel abgebaut sind.

Mit den Jahren kamen immer mehr Kunden

Carmine Napolitano weiß, dass er es auch mit der Umstellung auf die nachhaltigen Becher nicht allen recht machen kann. Aber er bemüht sich sichtlich. „Eiskaffee servieren wir immer im Glas, und Getränke kaufen wir auch schon immer nur in Glasflaschen, wir haben keine einzige PET-Flasche hier“, sagt er, „und wir scheuchen auch keinen weg, der sich mit seinem Eis in der Waffel bei uns hinsetzen will“. Seit fünf Jahren gibt es nun das Eiscafé Fantasia am Marktplatz. Am Anfang war es gar nicht geplant, dass sich Napolitano über das Material seiner Eisbecher Gedanken machen muss. „Ursprünglich wollten wir nur ein kleines To-Go-Fenster machen“, sagt er. Über die Jahre kamen immer mehr Kunden, sodass der Italiener seine Sitzgelegenheiten im Freien ausgebaut hat. Heute ist die Eisdiele nach der Schließung des Eiscafés Canaletto in der Schwabengalerie sogar die einzige klassische Eisdiele im Stadtbezirk. Napolitano, der eigentlich im Außendienst arbeitet und nur abends in seinem Eiscafé anzutreffen ist, bedeutet das viel.

Er hat eine besondere Bindung an den Vaihinger Marktplatz und seinen Laden. „Ich bin auf diesem Platz groß geworden und habe in der Eisdiele sogar meinen ersten Kuss bekommen“, erzählt er. Später sei er weggezogen und habe zufällig mitbekommen, dass die Eisdiele leer steht. Mit seinem Vater hat er sie vor fünf Jahren übernommen und ist damit wieder an den Ort seiner Kindheit und Jugend zurückgekehrt.

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