Nachruf auf Chester Bennington Und wieder muss die Rockwelt trauern

Der Linkin-Park-Sänger Chester Bennington ist im Alter von 41 Jahren gestorben. Foto: dpa
Der Linkin-Park-Sänger Chester Bennington ist im Alter von 41 Jahren gestorben. Foto: dpa

Bei der Trauerfeier für seinen engen Freund Chris Cornell hatte Chester Bennington noch gesungen, nun ist er – wie der Soundgarden-Sänger – auch freiwillig aus dem Leben geschieden. Ein Nachruf auf den Linkin-Park-Frontmann.

Kultur: Jan Ulrich Welke (juw)

Los Angeles/Stuttgart - Gerade zwei Monate ist es her, dass sich Chris Cornell, der Sänger und Gitarrist der amerikanischen Bands Soundgarden und Audioslave, mitten auf einer Tournee das Leben nahm. Und nun hat sich, am Tag, an dem Cornell fünfzig Jahre alt geworden wäre, der Mann umgebracht, der bei der Trauerfeier seines engen Freundes noch gesungen hat. Chester Bennington, der Sänger der US-Band Linkin Park, wurde am Morgen des 20. Juli tot in seinem Haus in Palos Verdes Estates vor den Toren Los Angeles’ aufgefunden, offenkundig hat er sich erhängt – eine Woche, bevor seine Band zu einer Welttournee aufbrechen wollte. Die traurigen Parallelen sind offenkundig, auch wenn sie leider in der Historie der Popwelt kein Einzelfall sind (angefangen bei Jimi Hendrix und Janis Joplin, die 1970 im Abstand weniger Tage starben), und sie werfen – auch das betrüblicherweise nicht zum ersten Mal – ein bedenkenswertes Licht auf die Schattenseiten des stets von seinen funkelnden Stars lebenden Musikgeschäfts.

Noch keinen Monat ist es wiederum her, dass Chester Bennington mit seiner Band hierzulande zu erleben war: Linkin Park war einer der Headliner beim Southside-Festival in Neuhausen ob Eck Ende Juni. Ähnlich vielen Menschen wird auch noch der Auftritt der kalifornischen Rockband auf dem Cannstatter Wasen vor acht Jahren in Erinnerung sein. 35 000 Besucher kamen und hörten schon im ersten Satz, wie Chester Bennington zum Opener „Given up“ die Zeilen „What the fuck is wrong with me?“ ins Mikrofon schrie. Im Nachhinein könnte auch das bedenklich stimmen, ebenso wie das Interview, das er uns kurz davor gab und in dem er sehr fahrig und abwesend wirkte, aber vielleicht sollte man sich in der Retrospektive auch vor zu vorschnellen Urteilen hüten.

Mit den Urteilen hatte Chester Bennington nämlich ohnehin gewiss zu kämpfen. „Fastfood-Metal“ hat die Kritik dem früheren Schnellrestaurantskellner und seiner Band unterstellt, sie seien die „Boygroup des Nu Metal“, ihre Songs seien „kinderzimmertaugliche, bis ins Detail glattgebügelte Wegwerfartikel“. Harte Urteile, ein wenig unfair vielleicht sogar – zumindest in den Verkaufszahlen spiegelten sie sich auch nicht wieder. Fast dreißig Millionen Exemplare verkauften Linkin Park von ihrem Debütalbum „Hybrid Theory“, auf dem sich ihr größter Hit „Crawling“ befindet; bald zwanzig Millionen auch von ihrem zweiten Album „Meteora“ mit dem zweiten großen Hit „Numb“.

Bennington gelang 1999 der Durchbruch

Nach einer sehr schweren Jugend, in der der in Phoenix geborene Sohn einer Krankenschwester und eines Polizisten nach eigenen Angaben auch sexuell missbraucht worden ist und schon früh zu Alkohol und Drogen griff, verfolgten ihn die Probleme zunächst weiter. Drogensucht, Gelegenheitsjobs, Geldsorgen und anfangs wenig Erfolg in seinem Traumberuf Rockmusiker prägten seine späten Jugend- und frühen Erwachsenenjahre. Erst 1999 gelang ihm als Sänger der Durchbruch, bei der Band Xero, die sich kurz darauf in Hybrid Theory und kurz darauf abermals in Linkin Park umbenannte und beim Plattenriesen Warner unter Vertrag kam, wo dann auch das Debütalbum erschien.

Benningtons musikalische Vorbilder und Vorlieben waren vielschichtig, er selbst lebte dies unter anderem in seinem Soloseitenprojekt Dead by Sunrise und bis 2015 bei der sehr geschätzten Band Stone Temple Pilots aus, die er viele Jahre bewunderte, ehe er dort selbst Sänger wurde. Sein dortiger Vorgänger bei den Stone Temple Pilots – Scott Weiland, der dann die All-Star-Band Velvet Revolver gründete – starb wiederum kurz nach Benningtons Ausstieg bei den Stone Temple Pilots, mit 48 Jahren, aber das ist eine andere traurige Geschichte.

Chester Bennington wiederum wurde gerade einmal 41 Jahre alt. Viele Jahre lang wurde er von depressiven Gedanken geplagt, schließlich hat er dieses zerrissene Leben offenbar nicht mehr ertragen. Seine Band steht so ratlos und erschüttert da wie seine unzähligen Fans.

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 und unter https://ts-im-internet.de/ erreichbar. Eine Liste mit Hilfsangeboten findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention: https://www.suizidprophylaxe.de/




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