Nachts in Stuttgart Das sollten Männer tun, damit Frauen keine Angst haben

, aktualisiert am 18.01.2024 - 16:40 Uhr
Unangenehme Situation: nachts alleine auf dem Heimweg. Foto: imago/future images

Viele Frauen fühlen sich nachts alleine unsicher. Unser Redakteur fragt sich, was er tun kann, damit Frauen auf ihrem Heimweg keine Angst vor ihm haben. Kollegin Susan gibt ihm Tipps.

Digital Desk: Katrin Maier-Sohn (kms)

Diese Situation kennt jeder: Die Party ist zu Ende, der Nachtbus setzt einen an der Haltestelle ab und während man nach Hause läuft, werden es immer weniger Menschen um einen herum. Letztendlich bleiben eine Frau und ein Mann zurück. Der Mann läuft ein paar Meter hinter der Frau her und stellt sich die Frage: Und was jetzt? Überholen, zum Handy greifen, Straßenseite wechseln?

 

Online-Redakteur Sebastian Xanke hat Volontärin Susan Jörges genau das gefragt. Heraus kam dieses Gespräch:

Sebastian: Ich persönlich habe in so einer Situation oft das Gefühl, dass nur weil ich ein Mann bin, die Frau Angst hat. Mache ich mir da zu viele Gedanken oder ist das wirklich so?

Susan: Ich würde schon sagen, dass man in so einer Situation als Frau Angst bekommt. Auch in meinem Freundeskreis erzählen hin und wieder Freundinnen, dass es ihnen unangenehm ist, abends alleine nachhause zu gehen. Gerade wenn ein Mann so fünf bis zehn Meter hinter mir läuft, man seine Schritte oder seinen Atem hört, dann kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass das sehr unangenehm ist. Es kommt aber immer ganz auf die Situation an.

"Das klingt jetzt sehr stereotyp"

Sebastian: Inwiefern?

Susan: Je nachdem wo ich laufe, ob ich ganz alleine bin, ob es Straßenlaternen gibt oder wie weit ich noch von zu Hause entfernt bin. Es spielt aber auch eine Rolle, in welchem Stadtteil ich mich befinde. Und natürlich spielt auch mit rein, wie der Mann ist. Das klingt jetzt sehr oberflächlich und stereotyp, aber die Angst hängt auch vom Aussehen und der Statur des Mannes ab.

Sebastian: Wie überprüfst du denn das Aussehen? Drehst du dich um oder guckst kurz mal über die Schulter und schätzt es dann in diesem kurzen Augenblick ein?

Susan: Ja, genau. Das ist natürlich oberflächlich aber wenn jemand nachts hinter mir hergeht, schaue ich schon: Wie schnell geht er? Was hat er an? Telefoniert er vielleicht und interessiert sich dadurch gar nicht für mich?

Sebastian: Ich persönlich werde sehr unsicher, wenn ich merke, dass sich die Frau vor mir unwohl fühlt. Das löst dann auch bei mir ein Unwohlsein aus. Bis jetzt habe ich dann immer die Strategie gewählt, so schnell, wie möglich, zu überholen. Also beschleunigen und dann vorbeilaufen. Andererseits befürchte ich, dass die Frau dadurch denken könnte, dass ich sie angreifen will. Was hältst du von meiner Strategie?

Susan: Also wenn du Überholen möchtest, dann solltest du das sofort tun. Du solltest nicht erst zwei Minuten hinter mir herschleichen und dann zum Überholen ansetzen, sondern wenn du mich siehst und merkst, dass wir das gleiche Tempo haben, dann einfach zügig vorbeigehen. Dann hat sich die komische Situation ziemlich schnell aufgelöst.

Nur überholen oder auch ansprechen?

Sebastian: Mir wurde auch schon mal geraten, nicht einfach nur vorbeizugehen, sondern auch zu sagen: „Hey, ich will dir keine Angst machen, ich würde dich nur kurz überholen.“ Findest du das komisch?

Susan: Ich persönlich finde das eher komisch und irgendwie auch zu viel verlangt. So ein großes Misstrauen habe ich dann doch nicht, dass ich das von jedem Mann verlangen würde.

Sebastian: Eine andere Möglichkeit wäre es, die Straßenseite zu wechseln und so eine Distanz zu schaffen. Wie findest du das?

WEITERLESEN NACH DIESEM VERLAGSANGEBOT

Stadtkind

Bleibe up-to-date mit dem Stadtkind-Newsletter.

Weiter Mehr erfahren

Susan: Mhm, das kann man an sehr düsteren und einsamen Orten durchaus machen. Wenn da aber Straßenlaternen sind und in der Ferne ein Auto fährt, reicht ein gewisser Abstand aus. Da solltet ihr Männer dann nach Gefühl handeln, beziehungsweise ein bisschen sensibel sein. Genau deshalb ist es gut, dass wir heute darüber sprechen. Nur so kann ja eine Sensibilität und ein Bewusstsein für solche Situationen entstehen.

Sebastian: Bist du denn schon mal in so einer unangenehmen Lage gewesen?

"Ich weiß, dass ich da nachts eigentlich nicht entlanggehen soll"

Susan: Ja, schon. Das war in meiner Heimatstadt. Ich komme aus einer ländlichen Region, der Bahnhof ist relativ weit entfernt von meinem Zuhause. Man kann so einen kleinen Trampelpfad entlang der Gleise gehen, um schneller zu sein. Ich weiß, dass ich da nachts eigentlich nicht entlanggehen soll, sondern den belebteren aber auch längeren Weg gehen soll. Das habe ich aber nicht gemacht, weil der eben 15 Minuten länger dauert. Und dann ist jemand hinter mir hergegangen. Was habe ich gemacht? Ich habe bewusst keine Musik gehört. Das finde ich in so einem Moment das absolut falsche Verhalten. Damit kann man sich ablenken aber, wenn wirklich was passiert, kann ich so erst viel zu spät reagieren. Ich habe versucht mein Tempo beizubehalten und mich aufzurichten, also durch die Körpersprache selbstbewusst zu wirken. Am Ende des Weges ist der Mann dann links abgebogen und ich bin geradeaus weitergegangen.

Sebastian: Zum Glück. Danke Susan für deine Tipps und deine persönlichen Erfahrungen.

Susan: Gerne. Ich finde es toll, dass du dir über das Thema so viele Gedanken machst. Das wichtigste ist wirklich, dass man jede Situation wieder neu einschätzt, sich die Gegebenheiten anschaut und seinen gesunden Menschenverstand einschaltet.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Stuttgart Nachtleben Sicherheit