Die Hall of Fame des deutschen Fußballs bekommt Zuwachs. Die Jury hat fünf neue prominente Mitglieder in die Ruhmeshalle gewählt.

Sport: Dirk Preiß (dip)

Stuttgart - 43 Jahre – das ist beileibe kein Alter. Entsprechend überrascht war Miroslav Klose, als er erfuhr, dass er als eines von fünf neuen Mitgliedern in die Hall of Fame des deutschen Fußballs gewählt wurde. „Wow, bin ich schon so alt geworden?“, fragte schmunzelnd, um dann das Gefühl zu beschreiben, dass so ziemlich jeden beschleicht, der in die Ruhmeshalle aufgenommen worden ist, seit sie im Jahr 2018 mit der Wahl der Gründungself ins Leben gerufen worden ist: „Es ist eine riesige Ehre für mich, mit diesen tollen Spielern und Idolen ihrer Zeit in die Hall of Fame aufgenommen zu werden. Es macht mich stolz und glücklich, dazu gehören zu dürfen.“

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Bereits zum vierten Mal wählte eine Jury aus 30 führenden Sportjournalistinnen und Sportjournalisten (auch unsere Redaktion ist vertreten) einige der berühmtesten Fußballer der deutschen Sportgeschichte in die Ruhmeshalle, die im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund ihre Heimat hat. Klose, der WM-Rekordtorjäger, ist nun der erste aus dem Kader der Weltmeistermannschaft von 2014. Denn: Wählbar sind nur Fußballer, die ihre Karriere bereits seit fünf Jahren beendet haben. Entsprechend gehören die vier weiteren Neu-Mitglieder anderen Generationen an.

Horst Eckel betont die Leistung der Mannschaft

Horst Eckel war Teil der Mannschaft, der das Wunder von Bern gelang, der WM-Sieg 1954. Der Mann, der auch eine Ära beim 1. FC Kaiserslautern geprägt hat, ist der letzte noch lebende Spieler dieses Teams, das bereits in der Hall of Fame vertreten war. Durch Fritz Walter, Helmut Rahn und Sepp Herberger, den Trainer.

„Es ist mir eine große Ehre, nach Fritz Walter, Helmut Rahn und Sepp Herberger als vierter Weltmeister von 1954 gewählt worden zu sein“, sagte Eckel, der heute 89 Jahre alt ist. Er ergänzte: „Der Gewinn der Weltmeisterschaft war aber nicht nur der Erfolg von Fritz, Helmut oder mir. Es war ein gemeinsamer Erfolg. Wir waren eine Mannschaft.“

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Neben Klose und Eckel wurden auch Jürgen Kohler, Joachim Streich und Udo Lattek neu in die Ruhmeshalle gewählt, wann und in welchem Rahmen die feierliche Aufnahme folgt, ist noch offen. Der Herbst 2022 ist angepeilt. Klar ist schon jetzt, dass bald auch die Hall of Fame der Fußballerinnen Zuwachs bekommen wird.

Joachim Streich empfindet Stolz

Joachim Streich war wie Miroslav Klose ordentlich überrascht von der Nachricht. „In diese illustre Runde aufgenommen zu werden, freut mich“, sagte er zunächst, korrigierte sich dann aber selbst: „Warten Sie, nein, es ist nicht nur Freude, sondern auch Stolz. Das macht mich stolz. Auf so einen Anruf wartet man ja nicht. Das muss ich jetzt erst mal verarbeiten.“ Streich wurde in der ehemaligen DDR zweimal zum „Fußballer des Jahres“ gewählt und war viermal Torschützenkönig. Mit insgesamt 229 Treffern ist er zudem Rekordtorschütze der DDR-Oberliga. Auch in der Nationalmannschaft kommt der Bronzemedaillen-Gewinner bei Olympia 1972 mit 55 Toren und 102 Länderspielen auf Bestwerte.

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Jürgen Kohler gehört derweil zu jenen, die im Fußball so ziemlich alles gewonnen haben, was es zu gewinnen gibt. Der ehemalige Abwehrspieler wurde Weltmeister, Europameister, Deutscher Meister, Uefa-Pokalsieger, Gewinner der Champions League und Weltpokalsieger. Mit Juventus Turin holte er den italienischen Pokal und die Meisterschaft. Mit 105 Länderspielen zählt Kohler zu den Top Ten der Spieler mit den meisten Einsätzen in der deutschen Nationalmannschaft. „Die Aufnahme in die Hall of Fame empfinde ich als eine riesige Auszeichnung“, sagte er, „sie ist eine schöne Bestätigung für die erbrachten Leistungen auf hohem Niveau und über viele Jahre.“

Drei Trainer mit dabei

In Udo Lattek wurde als dritter Coach der erfolgreichste deutsche Vereinstrainer in die Hall of Fame gewählt. Allein acht deutsche Meisterschaften errang der Anfang 2015 verstorbene Ausnahmetrainer mit dem FC Bayern und Borussia Mönchengladbach. Dreimal wurde er Pokalsieger, zudem gewann er alle drei Europapokalwettbewerbe.

Die Hall of Fame des deutschen Fußballs

Hall of Fame der Fußballerinnen
Silke Rottenberg; Steffi Jones, Doris Fitschen, Nia Künzer; Renate Lingor, Silvia Neid, Martina Voss-Tecklenburg, Bettina Wiegmann; Inka Grings, Birgit Prinz, Heidi Mohr; Tina Theune

Hall of Fame der Fußballer
Sepp Maier; Franz Beckenbauer, Paul Breitner, Andreas Brehme; Günter Netzer, Lothar Matthäus, Fritz Walter, Matthias Sammer; Uwe Seeler, Gerd Müller, Helmut Rahn; Sepp Herberger (Gründungself), Oliver Kahn, Hans-Jürgen Dörner, Wolfgang Overath, Jürgen Klinsmann, Helmut Schön (Jahrgang 2019), Berti Vogts, Michael Ballack, Andreas Möller, Klaus Fischer, Rudi Völler (Jahrgang 2020), Jürgen Kohler, Horst Eckel, Miroslav Klose, Joachim Streich, Udo Lattek (Jahrgang 2021)