Ägyptens Vermittlungsvorschläge machen Hoffnung auf eine Entspannung im Gaza-Konflikt. Doch von Israelis und Palästinensern gibt es noch keine Reaktion. Stattdessen geht das Blutvergießen weiter.

Kairo - Ägypten hat im Gazakonflikt einen Fahrplan für eine Waffenruhe vorgelegt. Die Vereinbarung, die Israelis und Palästinenser noch billigen müssen, sieht nach Angaben des Außenministeriums in Kairo vor, dass die Feuerpause am Dienstag morgen um 8.00 Uhr MESZ (6.00 Uhr GMT) beginnt. Innerhalb von 48 Stunden sollten hochrangige Delegationen aus Israel und den Palästinensischen Gebieten nach Kairo reisen, um indirekte Gespräche zu führen und eine Lösung der Krise auszuhandeln.

 

Die Initiative sieht vor, dass Israel alle Angriffe auf Gaza einstellt und die Palästinenser von Kampfhandlungen gegen Israelis absehen. Grenzübergänge sollten für Menschen und Güter geöffnet werden, sobald sich die Sicherheitslage stabilisiert habe. Zunächst sollten Maßnahmen zur Deeskalation umgesetzt werden und spätestens zwölf Stunden nach Zustimmung beider Seiten zum Fahrplan die Waffenruhe vollständig eingehalten werden.

Regierung in Jerusalem will über Vorschlag beraten

Das israelische Sicherheitskabinett trifft sich einem Medienbericht zufolge am Dienstagmorgen, um über den von Ägypten vorgelegten Fahrplan für eine Waffenruhe im Gaza-Konflikt zu beraten. Dies berichtete die israelische Tageszeitung „Haaretz“.

Im Laufe des Abends wollte auch die Arabische Liga in Kairo über die Krise beraten. In einem Resolutionsentwurf für das Treffen der Außenminister fordert die Organisation nach palästinensischen Angaben eine sofortige Waffenruhe im Gazakonflikt und den internationalen Schutz palästinensischer Zivilisten. Damit unterstützt die Liga ein Anliegen von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, der in einem Brief an die Vereinten Nationen darum ersuchte, „den Staat Palästina offiziell dem Schutz der UN zu unterstellen“. Am Dienstag wollte auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in der Region seine Bemühungen um eine Deeskalation fortsetzen.

Beschuss mit Raketen hält an

Ungeachtet der diplomatischen Bemühungen ging der gegenseitige Beschuss weiter. Bei neuen israelischen Luftangriffen im Gazastreifen kamen nach palästinensischen Angaben am Montagabend etwa sechs weitere Menschen ums Leben. Die Zahl der Opfer seit Beginn der israelischen „Operation Protective Edge“ liege nunmehr bei 184, 1300 Menschen seien verletzt worden, sagte der Leiter der Rettungsdienste in Gaza, Aschraf al-Kidra. Nach Angaben des israelischen Militärs schlugen am Montag 85 von militante Palästinenser abgefeuerte Raketen in Israel ein, 15 weitere wurden abgefangen.

Die militant-islamische Hamas schickte erstmals auch eine Drohne nach Israel – sie wurde unweit der südlichen Stadt Aschdod von einem Abwehrsystem abgefangen und zerstört. Der israelische Militärsprecher Arye Shalicar sagte, es sei unklar, um welches Modell es sich bei der abgeschossenen Drohne handele - ein aus dem Iran eingeschmuggeltes Fluggerät oder eine Eigenproduktion der Hamas.

Auslöser der jüngsten Eskalation der Gewalt waren die Entführung und Ermordung von drei israelischen Teenagern und der mutmaßliche Rachemord an einem palästinensischen Jungen. Eine 2012 vereinbarte Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas, die seit 2007 im Gazastreifen herrscht, wurde daraufhin endgültig Makulatur.