Nahverkehr im Kreis Göppingen Per App zum Klinik-Shuttle

Der Landkreis hat die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs fest im Blick. Zum Fahrplanwechsel im Dezember wird es einige Verbesserungen im Busverkehr geben. Unser Bild zeigt den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in Göppingen.  Foto: Giacinto Carlucci

Der Fahrplanwechsel steht bevor: Es gibt kaum Neuerungen auf der Filstalbahn, dafür eine Innovation bei den Bussen im Raum Geislingen. Ein On-Demand-Verkehr per Kleinbus, der sogenannte „VVS-Rider“, macht’s möglich.

Mit Magie hält man sich im Göppinger Landratsamt im Allgemeinen zurück. Beim Fahrplanwechsel am 10. Dezember ist das anders. „‘On Demand‘ heißt das neue Zauberwort im ÖPNV“, weckt das Amt für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur in einer Mitteilung große Erwartungen. Dass man im Raum Geislingen den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ab 10. Dezember auch ohne Bushaltestelle und Fahrplan anbieten will, hat mit Zauberei allerdings wenig zu tun, sondern mit dem „VVS-Rider“, der die noch bestehenden Rufbusse ersetzen soll.

 

Hinter dem Science-Fiction-trächtigen Namen steckt ein Kleinbus auf Abruf, den man per App oder Telefon buchen kann. Fahrgäste mit ähnlichem Fahrtwunsch treffen sich an einem beliebigen Haltepunkt und lassen sich zu ihrem Ziel im Bediengebiet chauffieren. Die Berücksichtigung einer gewünschten Ankunftszeit, um etwa einen Anschlusszug oder Bus zu erreichen, ist möglich. Auch der Kritik daran, dass es nach der Schließung der Helfenstein-Klinik in Geislingen nur noch eine Klinik im Landkreis gibt und der Weg dorthin zu beschwerlich sei, trägt das Angebot Rechnung. Der VVS-Rider bringt Fahrgäste als „Klinik Shuttle“ direkt zur Göppinger Klinik am Eichert.

Auch Fahrgäste aus Lauterstein, Gruibingen, Gingen und Kuchen profitierten davon. Beschwerden und Verbesserungsvorschläge von Fahrgästen hätten zudem bei einigen Buslinien im Kreis zu punktuellen Änderungen der Fahrpläne geführt.

Kaum positive Auswirkungen des Fahrplanwechsels

Im Zugverkehr von Göppingen nach Stuttgart und umgekehrt lassen solche Verbesserungen immer noch auf sich warten, berichtet Heiko Stobinski. Der Sprecher des Regionalen Fahrgastbeirats im VVS listet eine ganze Reihe von Schwachpunkten auf und beklagt, dass sich der Fahrplanwechsel ab 10. Dezember auf der Filstalbahn kaum positiv auswirke.

Ärgerlich bleibe weiterhin, dass Fahrten mit dem Metropolexpress (MEX) zwischen Stuttgart und Göppingen teilweise eine Dreiviertelstunde oder länger dauerten. Stobinski: „Sofern der gesamte Fernverkehr weiter den Abschnitt zwischen Stuttgart Hauptbahnhof und Plochingen nutzt und damit den MEX16 und unseren Regionalexpress ins Stolpern bringt, werden keine wirklichen Veränderungen stattfinden.“ Dazu gebe es keine Anzeichen, dass die ständigen Personalengpässe und Technikprobleme bei den Bahngesellschaften gelöst werden könnten, stellt Stobinski fest.

Immer wieder Sperrungen und Ausfälle

Große Sorgen machten außerdem die geplanten Baustellen auf der Filstalbahn in den kommenden beiden Jahren, die dem Göppinger Fahrgastbeirat bereits vorlägen, so Stobinski. Sie hängen mit der Instandhaltung, der Digitalisierung des Bahnverkehrs und Stuttgart 21 zusammen. Der Sprecher des Fahrgastbeirats: „Die Sperrungen und Ausfälle stellen für alle Bahnkunden im Kreis Göppingen erneut große Herausforderungen dar.“ Laut Plan sollen schon in den Weihnachtsferien, vom 2. bis zum 5. Januar, zwischen Stuttgart und Plochingen alle Nahverkehrszüge ausfallen.

Ganz schlimm sieht es laut Stobinski im kommenden Jahr von Anfang September bis Anfang Dezember aus. „Auf der Filstalbahn Stuttgart-Ulm, unserem Rückgrat im ÖPNV, wird es in Streckenabschnitten immer wieder Sperrungen und Ausfälle geben.“ Unterm Strich, rechnet der Bahnkenner vor, „findet in fast zehn Wochen kein regulärer Bahnbetrieb statt“. Stobinski blickt wenig zuversichtlich in die nahe Zukunft des Bahnverkehrs im Landkreis: „Verkehrsexperten aus der Region sagen klipp und klar, dass Baumaßnahmen die ständigen Begleiter der Bahnfahrgäste bleiben werden.“ Heiko Stobinskis wenig erfreuliche Prognose lautet daher: Erst 2026 könnte eine Entspannung möglich sein. Die App „VVS Mobil“ für das Smartphone bietet eine Fahrplanauskunft sowie die Möglichkeit zum Ticketkauf.

Punktuelle Änderungen im Busverkehr

Einsatzgebiet
 Die VVS-Rider werden in Bad Ditzenbach, Bad Überkingen, Böhmenkirch, Deggingen, Drackenstein, Geislingen/Steige, Hohenstadt, Mühlhausen i.T., Wiesensteig, Gerstetten, Gussenstadt, Schalkstetten und Merklingen im Einsatz sein.

Lorch
Die Linie 931 wird im Ostalbkreis die Lorcher Ortsteile Rattenharz und Waldhausen nicht mehr bedienen. Damit entsteht von Montag bis Freitag mit der Linie X93 ein annähernder Halbstundentakt zwischen dem Landkreis Göppingen und Lorch.

Heidenheim
Aufgrund der hohen Nachfrage zwischen der Stadt Geislingen und dem Landkreis Heidenheim werden ab dem 10. Dezember jeweils morgens und nachmittags in der Hauptverkehrszeit einige neue Fahrten mit der Linie 959 angeboten.

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