Den Fahrgästen von Bus und Bahn im Bereich des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS) droht bereits zum 1. September eine spürbare Preiserhöhung. Um durchschnittlich 7,5 Prozent sollen die Preise steigen. So fordern es die VVS-Gremien.
Verkehrsbetriebe klagen über steigende Kosten
Das Ticket für die Fahrt in einer Zone etwa würde dann statt wie bisher 2,90 Euro künftig 3,10 Euro kosten. Der Verkehrsverbund und die Unternehmen, die die Busse und Bahnen betreiben, machen für diese gewaltige Preissteigerung deutlich gestiegene Kosten geltend. Manche unter ihnen hatten gar mit einer noch stärken Preissteigerung geliebäugelt.
VVS-Gesellschafter beraten
Die Verkehrsbranche in der Region hat Kassensturz für das Jahr 2022 gemacht. Dabei habe sich „für die Verkehrsunternehmen im VVS eine durchschnittliche Kostensteigerung in Höhe von 14,9 Prozent von 2021 auf 2022“, ergeben. So steht es in einem Papier, über das der Verkehrsausschuss des Verband Region Stuttgart (VRS) am Mittwoch berät. Der VRS ist einer der Gesellschafter des VVS und muss daher der Preiserhöhung zustimmen.
In der Beratungsunterlage ist die Rede von „außergewöhnlich hohen Steigerungen“ auf der Kostenseite für die Betreiber. Verantwortlich dafür seien „vor allem die explodierenden Energiepreise im letzten Jahr. Diese haben sich 2023 teilweise wieder beruhigt, dennoch belastet die Energiepreisentwicklung die Verkehrsunternehmen weiterhin stark.“
Dem scheidenden VVS-Geschäftsführer Horst Stammler obliegt es nun, die Hiobsbotschaft in den Gremien der jeweiligen Gesellschafter zu überbringen. Den Auftakt macht ein Auftritt vor den Regionalräten am Mittwoch, es folgen kommende Woche Sitzungen des Kreisrats in Ludwigsburg und des Technikausschusses der Landeshauptstadt Stuttgart.
An der Inflation orientiert
Stammler unterstreicht die missliche Lage, in der sich die Verkehrsunternehmen wegen steigender Energie- aber auch Personalkosten befinden. Aber: „Wir halten es nicht für marktverträglich, jetzt die Preise um rund 15 Prozent zu erhöhen. In der Vergangenheit haben wir uns immer an der Kostensteigerung orientiert“, sagt er. Man orientiere sich mit der vorgeschlagenen Preiserhöhung an der Inflation und eben nicht an den tatsächlichen Kostensteigerungen aufseiten der Verkehrsunternehmen. Im Gegenzug wolle man aber die Preise schon im Herbst zum 1. September erhöhen. Neue Tarife wurden bislang in der Regel zum Jahreswechsel eingeführt.
Andernorts drastische Steigerungen
Ein Blick in die Tariflandschaft der Bundesrepublik offenbart, dass die nun ins Haus stehende Erhöhung beim VVS tatsächlich noch vergleichsweise moderat daher kommt. Bei den Dresdner Verkehrsbetrieben etwa steigen die Preise dieses Jahr bereits um elf Prozent, der Rhein-Main-Verkehrsverbund im Großraum Frankfurt hat eine Erhöhung um 8,2 Prozent beschlossen.
Gelegenheitsverkehr betroffen
Horst Stammler weist auch auf die sich verändernde Tariflandschaft hin. Seit 1. März 2023 gibt es das landesweit gültige JugendTicket BW, seit 1. Mai gilt bundesweit im Nahverkehr das Deutschland-Ticket, das monatlich 49 Euro kostet. Beide Fahrscheine sind nicht von den nun angekündigten Preissteigerungen betroffen. Nahezu drei Viertel aller Fahrten im VVS-Gebiet, das die Stadt Stuttgart und die Kreise Ludwigsburg, Esslingen, Böblingen, Göppingen sowie Rems-Murr umfasst, werden mit den beiden Ticketformen unternommen. Die Tariferhöhung würde also vor allem Gelegenheitsfahrer treffen. Stammler erinnert auch daran, dass trotz der neuen Tarife, die Kreise und das Land „aber trotzdem deutlich mehr für die bestellten Leistungen bezahlen müssen.“