Nahverkehr in der Region Stuttgart S-Bahnen bleiben konstant unpünktlich

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Die Bahn sieht sich auf einem guten Weg im Kampf gegen Verspätungen. Das sehen viele Regionalräte völlig anders. Die Statistik jedenfalls zeigt: Maßgebliche Fortschritte bei der Pünktlichkeit gab es zumindest im vergangenen Jahr nicht.

VVS-Kunden warten im Hauptbahnhof  auf ihre S-Bahn – häufig tun sie das ziemlich lange. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
VVS-Kunden warten im Hauptbahnhof auf ihre S-Bahn – häufig tun sie das ziemlich lange. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Der Unterschied war nicht zu überhören. Während Stuttgarts S-Bahn-Chef Dirk Rothenstein und – in Abstrichen – die Regionaldirektorin Nicola Schelling auf dem S-Bahn-Gipfel des regionalen Verkehrsausschusses am Mittwochnachmittag von einer „nachhaltigen Stabilisierung“ der Pünktlichkeit bei der S-Bahn sprachen, übten die Regionalräte weiter massive Kritik. Zu oft gebe es technische Störungen und Verspätungen, zu schlecht informiere die Bahn ihre Fahrgäste darüber, so der Tenor der Redebeiträge. „Dass die Pünktlichkeit nicht schlechter wurde, kann ich nicht als Erfolg werten“, sagte Grünen-Regionalrätin Eva Mannhardt. Bernhard Maier (Freie Wähler) nannte es „fast zynisch“, von einem stabilen Niveau zu reden, wenn die vereinbarten Zielwerte bei Weitem nicht erreicht würden. Und Thomas Leipnitz (SPD) mochte kein Licht am Ende des Tunnels erkennen, wenn „wir bei den Pünktlichkeitswerten auf der Stelle treten“.

Eine grundlegende Verbesserung der Situation geben die von der Bahn vorgelegten Zahlen auch nicht her. Pünktlich oder bis maximal drei Minuten verspätet waren im vergangenen Jahr 88,2 Prozent der S-Bahnen, in der Hauptverkehrszeit 79,3 Prozent – das sind leichte Verschlechterungen gegenüber dem Vorjahr (88,3 und 79,6 Prozent) und eine deutliche Verfehlung der mit der Region vereinbarten Zielwerte von 94,5 und 91,5 Prozent.

Bahn verweist auf verbesserte Benotung durch die Fahrgäste

Innerhalb einer Verspätung von sechs Minuten erreichten im Vorjahr 96,7 Prozent der Bahnen ihr Ziel, in der Hauptverkehrszeit waren es 94,5 Prozent. Auch das liegt unter dem Zielwert (98 Prozent), aber besser als im Vorjahr (96,6 und 94,2 Prozent). „Unsere Maßnahmen zeigen positive Wirkung“, sagte Rothenstein. Er freut sich besonders darüber, dass „die Kundenzufriedenheit dank der robusten Betriebsqualität gestiegen ist.“ Bei einer Befragung haben die Fahrgäste die Pünktlichkeit 2017 mit der Schulnote 3,0 bewertet, nach 3,2 in den Vorjahren. „Erstmals seit 2012 haben wir wieder eine bessere Note erhalten“, sagte Rothenstein, der vor allem die Werte der Sechs-Minuten-Pünktlichkeit lobte. Auch Schelling sah die Entwicklung „grundsätzlich positiv“, schließlich sei die Zahl der Fahrgäste um sechs Prozent auf rund 128 Millionen gestiegen. Täglich fahren 790 S-Bahnen, mit Einführung des ganztägigen 15-Minuten-Takts Ende 2021 werden es 950 sein. „Wir sind dabei auf einer Infrastruktur unterwegs, die begrenzt ist“, sagte Schelling.

94,9 Prozent der S-Bahnen erfüllten bei Überprüfungen die Sauberkeits-Ziele, die Bewertung durch die Fahrgäste lag bei 2,5 – etwas schlechter als 2016. Die Sicherheit wurde mit 2,2 benotet, gegenüber 2,0 im Vorjahr. Nur mit 3,1 wurden die Informationen bei Verspätungen bewertet. Weil die S-Bahn damit in mehreren Bereichen die mit dem Aufgabenträger Verband Region Stuttgart vereinbarten Ziele verfehlte, muss sie rund 1 Million Euro Strafe bezahlen – das ist deutlich mehr als die 231 000 Euro im Jahr 2016. Hintergrund: Die Region kündigte Sonderregelungen, die während der S-21-Bauzeit gelten sollten.

Regionalräte dringen auf Einführung der modernen ETCS-Signaltechnik

Trotz immer wieder auftretender Defekte in Stellwerken, an Weichen und Oberleitungen gibt es laut Rothenstein einen Rückgang der Infrastrukturstörungen. So habe man ins Bestandsnetz der S-Bahn von 2014 bis 2016 rund 30 Millionen Euro investiert. Allerdings kritisierten die Regionalräte, dass die Bahn seit Jahren die Instandsetzung von Weichen und Relais verspreche, diese aber noch immer nicht abgeschlossen sei. Sie forderten, dass endlich eine konkrete Planung vorgelegt werde.

Der VVS kündigte an, die Pufferzeit zwischen Ankunft der S-Bahnen und der Abfahrt der Busse nach und nach auf mehr Linien zu erhöhen, damit der Anschluss erreicht wird. Rothenstein setzt auf weitere Investitionen ins Netz – nicht nur auf der Stammstrecke, sondern auch außerhalb. Die Regionalräte sprachen sich erneut für die Einführung der modernen Signaltechnik ETCS auf der Stammstrecke aus, die es ermöglicht, in kürzeren Abständen zu fahren und Verspätungen abzubauen.