Nahverkehr in Stuttgart Sonderfahrt mit historischem Zug

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Nach der Weigerung der Bahn AG fährt ein privates Eisenbahnunternehmen den Sonderzug auf der Strecke des Stuttgarter Stern. Allerdings fehlt noch das Okay der DB Netz AG.

Der ET 25 verkehrt auf der Strecke mit dem Namen  Stuttgarter Stern. Foto: Markus O. Robold
Der ET 25 verkehrt auf der Strecke mit dem Namen Stuttgarter Stern. Foto: Markus O. Robold

Stuttgart - Die Deutsche Bahn AG wollte nicht, der Verband Region Stuttgart war wenig begeistert – jetzt haben die Bürgergruppen, die sich für einen besseren Nahverkehr und gegen Stuttgart 21 engagieren, doch noch jemanden gefunden, der für sie den sogenannten Stuttgarter Stern fährt. Die in Stuttgart anasässige Schienenverkehrsgesellschaft SVG soll am 28. September den historischen Elektrotriebwagen ET 25 auf den besonderen Kurs schicken, der beweisen soll, dass schon heute mehrere attraktive Tangentialverbindungen im Stuttgarter S-Bahn-Netz möglich sind (siehe Grafik) – und damit auch eine Entlastung für die in der Hauptverkehrszeit an der Kapazitätsgrenze befahrene unterirdische Stammstrecke in der Stuttgarter Innenstadt.

Für den Organisator Hans-Jörg Jäkel vom Bündnis Filderbahnhof Vaihingen und seine Mitstreiter geht damit eine mehr als halbjährige Vorarbeit wohl doch noch positiv zu Ende. Mitte Februar hatte Jäkel erstmals für die Fahrt des Sonderzugs bei der Deutschen Bahn angefragt – und damals auch eine Zusage erhalten. Dann aber rückte der Schienenkonzern, der im Auftrag des Verbands Region Stuttgart den S-Bahnverkehr erledigt, nach und nach davon wieder ab. Man befürchte „Irritationen über unseren verkehrspolitischen Standpunkt in der Öffentlichkeit“, lautete schließlich die offizielle Begründung für die Absage. Der Hintergrund ist, dass sich die Initiativen kritisch mit der Schienenpolitik des Landes und der Region auseinandersetzen, die beide zu den großen Auftraggebern der Bahn gehören.

Region Stuttgart hatte Bedenken

Beim Verband Region Stuttgart beruhen die Bedenken aber auch darauf, dass die Region die S-Bahn subventioniere, die Bahn aber die Einnahmen aus der Sonderfahrt (rund 8000 Euro) allein verbuche. Dafür müsse dann eine Regelung gefunden werden, forderte Jürgen Wurmthaler, der Wirtschaftsdirektor des VRS, schließlich gehe es um Steuergelder. Diesen Aufwand scheuten die DB Regio und der VRS jedoch – zumal für einen Einzelfall. Außerdem ließ Wurmthaler keinen Zweifel daran, dass er eine „politisch ausgerichtete“ Sternfahrt mit einer S-Bahn nicht goutiere. Ob sie stattfinden könne, sei aber „allein eine Entscheidung der Bahn“. Diese Konstellation führte zunächst zu vielen internen Gesprächen und schließlich nach einigen Monaten zu der Absage, die für Jäkel dennoch überraschend kam. „Wir als Unterstützer des Schienenpersonenverkehrs fühlen uns vor den Kopf gestoßen“, klagte er.

Nach der Weigerung der Bahn schaltete Jäkel zwar noch das Eisenbahnbundesamt und die Bundesnetzagentur ein – beide Aufsichtsbehörden erklärten sich aber für nicht zuständig. Auch ein Dringlichkeitsantrag der Linke-Fraktion im Verkehrsausschuss der Regionalversammlung, in dem die Bahn aufgefordert wurde, ihre Ablehnung zu korrigieren, wurde aus formalen Gründen von dem Gremium nicht behandelt. Der Linke-Regionalrat Wolfgang Hoepfner sprach von einem „inakzeptablem und gutsherrenähnlichen Verhalten der Bahn“, vergleichbar mit dem „infantilen Gehabe eines Modelleisenbahnbesitzers, der von anderen Wohlverhalten verlangt“. Das Engagement von Bürgern müsse unterstützt werden. Dabei dürfe es keine Rolle spielen, ob es den Interessen der Region oder der Bahn widerspreche.

 

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