Nahversorgung im Heckengäu Auch beim Nachbarn einkaufen

Von Brunhilde Arnold 

Das Konzept für die Nahversorgung der Heckengäugemeinden sieht vor, dass die 25 000 Menschen in den sechs Ortschaften alles kaufen können, was sie brauchen.

In den einzelnen Ortschaften ergeben sich große Unterschiede im Angebot. Heimsheim ist gut aufgestellt. Foto: Andreas Gorr
In den einzelnen Ortschaften ergeben sich große Unterschiede im Angebot. Heimsheim ist gut aufgestellt. Foto: Andreas Gorr

Enzkreis - Wer im Heckengäu einkaufen geht, findet zwar überall die Dinge des täglichen Bedarfs. Doch nicht immer sind die Angebotspalette und das Drumherum auf neuestem Stand. Das hat jetzt eine Bestandsaufnahme deutlich gemacht, die der Gemeindeverwaltungsverband Heckengäu (GVV) beauftragt hat. Dieses von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) in Ludwigsburg erarbeitete Nahversorgungskonzept nahm jetzt die Verbandsversammlung in Mönsheim zustimmend zur Kenntnis. Es dient als Grundlage für künftige Planungen zur Ansiedlung oder Erweiterung von Lebensmittelgeschäften und Drogeriemärkten.

Zum GVV haben sich die Gemeinden Friolzheim, Mönsheim, Wimsheim und die Stadt Heimsheim sowie Wurmberg und Wiernsheim zusammengeschlossen. In der Vergangenheit hat es verschiedene Anfragen von Firmen gegeben, die sich in den Kommunen des GVV ansiedeln oder die erweitern wollen. Man habe zunehmend das Problem, dass sich diese Anfragen über­lagerten und sich ein Ungleichgewicht in der Nahversorgung ergebe, sagte Gerhard Beck, der Planer von GMA, der das interkommunale Konzept vorstellte.

Kaufkraft liegt über dem Bundesdurchschnitt

Beck zeigte auf, dass die Kaufkraft in den Heckengäugemeinden deutlich über dem Bundesdurchschnitt liege. Für die Nahversorgung in den sechs GVV-Kommunen haben die GMA-Marketingfachleute ein Kaufkraftpotenzial von gut 71 Millionen Euro für das Jahr 2017 errechnet – mit zunehmender Tendenz.

In den einzelnen Ortschaften ergeben sich große Unterschiede im Angebot. „Heimsheim ist mit diesem Thema erstmal durch“, sagte Gerhard Beck, denn die Stadt sei gut aufgestellt mit Drogeriemarkt, ­Edeka-Lebensmittelgeschäft und Lidl als Discounter – wobei die Namen der einzelnen Anbieter im Prinzip austauschbar seien, wie Beck betonte. Recht gut versorgt sei auch Wimsheim mit seinem Edeka-Markt. Allerdings sollte man hier über die Modernisierung des Geschäftes nachdenken. In Mönsheim gibt es als einzigen größeren Versorger den Discounter Lidl. Der Gemeinderat hatte bereits 2015 den Bebauungsplan geändert, damit das Unternehmen seine Verkaufsfläche erweitern kann. Das ist aber bisher noch nicht geschehen.

In Friolzheim sind mit dem zentral im Ort gelegenen vergleichsweise kleinen Treff 3000 und dem Netto-Markt am Ortsrand im Gewerbegebiet zwei Nahversorger aktiv. Der kleinere Laden ist laut GMA nicht mehr zeitgemäß und könne am aktuellen Standort wohl auch nicht erweitert werden, sagte Gerhard Beck. Gegenüber vom Netto-Markt möchte sich die Firma Aldi mit einer Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern ansiedeln.

Am besten versorgt im Verhältnis zur Einwohnerzahl ist die Gemeinde Wurmberg mit einem Rewe- und einem Aldi-Markt. Hingegen sehen die Gutachter in    Wiernsheim, der einwohnerstärksten ­Gemeinde des GVV, einen deutlichen Nachholbedarf. Dort gibt es als größeren Anbieter einen zentral gelegenen Netto-Markt. Die Marketingfachleute empfehlen die weitere Ansiedlung eines Lebensmittelvollsortimenters. Insgesamt, so betonte Beck, dürfe man jedoch nicht übers Ziel ­hinausschießen. Man empfehle nur in Wiernsheim eine Neuansiedlung. In den anderen Kommunen gehe es um Modernisierungen oder Erweiterungen.

Mönsheim idealer Standort für Drogeriemarkt

Während jede Gemeinde im Lebensmittelbereich wohnortnah gut versorgt sein soll, sehe das bei der Ansiedlung eines Drogeriemarktes laut Gerhard Beck anders aus. Bisher gibt es nur in Heimsheim einen großen dm-Markt. Für einen solchen Markt lege man eine Einwohnerzahl von 10 000 zugrunde. Bei einer Gesamtbevölkerung von rund 25 000 Menschen in den sechs GVV-Gemeinden müsste sich also ein weiterer Markt tragen. Doch hier sei eine interkommunale Abstimmung nötig, betonte der Planer. Für den am meisten ge­eigneten, weil am zentralsten gelegenen Standort halte man Mönsheim, wo schon entsprechende Vorplanungen laufen. In direkter Nachbarschaft zum Versorger Lidl und auch zu dem Neubauprojekt „vitales Wohnen“ könne ein Drogeriemarkt eine gute Ergänzung sein.

Der Wiernsheimer Bürgermeister Karlheinz Oehler betonte, dass es in seinem Ort  bereits Gemeinderatsbeschlüsse gebe, einen Vollsortimenter und einen Drogeriemarkt neu anzusiedeln, „nur dass es hinterher keine Diskussionen und Missverständnisse gibt“, fügte er mit deutlichen Worten hinzu. Gerhard Beck machte klar, dass ­dieses Nahversorgungskonzept, das mit dem Regionalverband Nordschwarzwald, dem Landratsamt Enzkreis und dem ­Regierungspräsidium Karlsruhe abgestimmt wurde, die Grundlage sei für ­weitere ­Detailplanungen in den einzelnen Gemeinden.




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