Nahversorgung in Stuttgart-Vaihingen Ein Laden im Dachswald steht auf der Kippe

Der ehemalige Betreiber des Lebensmittelmarkts in Dachswald hätte Interesse daran, eine neue Fläche im geplanten Neubau zu übernehmen. Foto: Stefanie Käfferlein
Der ehemalige Betreiber des Lebensmittelmarkts in Dachswald hätte Interesse daran, eine neue Fläche im geplanten Neubau zu übernehmen. Foto: Stefanie Käfferlein

Das lang erwartete Handlungskonzept der Stadt zum Thema Nahversorgung in den Stadtteilen wird endlich in den Bezirksbeiräten vorgestellt. So auch in der Sitzung des Vaihinger Gremiums am 6. Oktober.

Bad Cannstatt: Rebecca Stahlberg (res)
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Vaihingen - Für die Dinge des täglichen Bedarfs nicht kilometerweit mit dem Auto oder Bus fahren müssen – dies treibt viele Stuttgarter um, denn einige Stadtteile sind mit Lebensmittelgeschäften unterversorgt. Die Stadt hat daher ein Gutachten erstellen lassen, das Defiziträume auflistet. Daraus ist ein Handlungskonzept erstellt worden. Dieses wird in der Sitzung des Bezirksbeirats am 6. Oktober vorgestellt.

Im Stadtbezirk Vaihingen gibt es fünf Defiziträume, die vertieft untersucht worden sind: Dachswald, Pfaffenwald, Rosental, Heerstraße und Rohrer Höhe. Letztere ist im Laufe der Untersuchung ausgeklammert worden, weil der Mietvertrag mit dem dortigen Bonus-Markt verlängert wurde.

Neubau am Knappenweg

Im Dachswald gibt es seit rund zwei Jahren keinen Lebensmittelmarkt mehr; dieser musste schließen, als die Immobilie am Knappenweg verkauft und abgerissen wurde. Laut Handlungskonzept „sind keine weiteren Potenzialflächen für die Realisierung eines Nahversorgers im Stadtteil Dachswald vorhanden“. Außer eben am Knappenweg; dort sollen zwei Mehrfamilienhäuser entstehen. Gegebenenfalls könne bei dem Neubau eine Einzelhandelsfläche realisiert werden, heißt es. Der Bauherr hat sein Entgegenkommen signalisiert.

Die Bremse aber ist nun die Verwaltung. Die ist nicht bereit, dem Bauherren den Verzicht auf die Befreiungsgebühren in Aussicht zu stellen. Diese wären bei einer Realisierung einer Einzelhandelsfläche zusätzlich zu den beiden geplanten Wohnhäusern fällig, weil die überbaute Fläche dann gegen die Vorgaben des Bebauungsplans verstößt. Der Dachswaldverein hat nun einen Brief an Baubürgermeister Peter Pätzold geschrieben mit der Bitte, diese Entscheidung nochmals zu überprüfen.

Ein weiteres Problem ist, dass das Papier dem Betreiber eines Marktes „ein sehr bescheidenes Einkommen“ ausweist, da die Umsatzerwartung sehr niedrig sei. Zudem sei es nur denkbar als Familienbetrieb mit niedrigen Personalkosten. Tatsächlich steht ein Interessent bereits in den Startlöchern: Hüseyin Gürsel, der frühere Betreiber des Marktes. Er hat angekündigt, zur Bezirksbeiratssitzung zu kommen.

Weiterer Markt auf dem Campus ist denkbar

Der Pfaffenwald hat wegen des Uni-Campus eine Sonderstruktur: die Bevölkerung ist sehr jung, es gibt einen hohen Migrationsanteil. Aufgrund der künftig zu erwartenden Aufwertung des Quartiers (Neubauten, zusätzliche Wohnheimplätze) sehe man „ein ausreichendes Kaufkraftpotenzial für eine Aufwertung des Nahversorgungsangebotes“. Der bestehende Markt auf dem Campus kann nicht erweitert werden. Man halte es aber für denkbar, mittelfristig einen Kleinfilialisten zu realisieren. Ein Standort wird nicht genannt. Dieser müsse noch entwickelt werden.

Einen Verkaufswagen für die Heerstraße abwägen

An der Heerstraße wohnen überdurchschnittlich viele Senioren. Die Untersuchung bescheinigt dem Einzugsgebiet dort ein geringes Kaufkraftpotenzial; es gebe noch in fußläufiger Entfernung Lebensmittelmärkte (Discounter im Lauchäcker und Schwabengalerie). Daher sei die Ansiedlung eines Einzelhändlers nicht zu empfehlen. Der dortige Obst- und Gemüsehändler hat eine Erweiterung seines Sortiments abgelehnt. Eventuell sei ein Angebot durch einen Verkaufswagen abzuwägen, der das Angebot des Händlers um die fehlenden Sortimente ergänze.

Keine Empfehlung für Rosental

Im Wohngebiet Rosental gibt es einen Bäcker und einen Obst- und Gemüsehändler. Potenzialflächen für die Ansiedlung weiterer Nahversorgungsbetriebe seien nicht vorhanden, allerdings sei eine solche auch nicht empfehlenswert. Das vorhandene Kaufkraftpotenzial sei zu niedrig, darüber hinaus sei ein negativer Effekt auf den Bonus-Markt in Rohr zu befürchten. Für die nordöstlichen Bewohner sei der Ortskern von Vaihingen noch fußläufig erreichbar. Als einzige Verbesserungsmöglichkeit nennt das Konzept eine Sortimentserweiterung des Obst- und Gemüsebetriebs. Doch auch dieser hat das abgelehnt.

Termin
Die Bezirksbeiratssitzung ist am Dienstag, 6. Oktober, um 18 Uhr in der Alten Kelter, Kelterberg 5.




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