Naouirou Ahamada vom VfB Stuttgart „Der Weg zum VfB hat sich ausbezahlt“
Naouirou Ahamada zählt beim VfB zu den Aufsteigern der Saison. Im Interview spricht der Franzose über seine Herkunft und seinen ungewöhnlichen Werdegang.
Naouirou Ahamada zählt beim VfB zu den Aufsteigern der Saison. Im Interview spricht der Franzose über seine Herkunft und seinen ungewöhnlichen Werdegang.
Naouirou Ahamada hat den Sprung geschafft – vom hoffnungsvollen, aber noch unreifen und verletzungsanfälligen Talent zur Stammkraft in der Fußball-Bundesliga. Doch wer ist der junge Franzose vom VfB Stuttgart eigentlich? Vor dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt an diesem Samstag (15.30 Uhr/Liveticker) gibt Ahamada ein paar persönliche Einblicke.
Naouirou Ahamada, helfen Sie uns doch mal: Wie spricht man Sie exakt aus?
(Lacht) Nauir. Gerufen werde ich von den meisten aber Naui. Und mein Nachname: Französisch sagt man Amada, mit der Betonung auf der letzten Silbe. Das „h“ wird bei uns nicht gesprochen.
Langsam kennen die Fans Ihren Namen. Ihr Trainer Pellegrino Matarazzo sagt, Sie hätten zwei Schritte nach vorne gemacht. Wie erklären Sie sich den Sprung vom Ergänzungs- zum Stammspieler?
Viel hängt mit meinen Verletzungen zusammen. Als ich nach Stuttgart kam, hatte ich zunächst eine Wadenverletzung, dann Achillessehnenprobleme, Corona und zuletzt einen gebrochenen Zeh. Jetzt fühle ich mich voll fit. Der Rest ist harte Arbeit. Ich bin froh, dass sie sich auszahlt.
Sie sollen im Mittelfeld des VfB den nach England abgewanderten Orel Mangala ersetzen und vergessen machen. Welche Rolle hat er für Sie gespielt?
Eine sehr wichtige. Ich habe viel von Orel gelernt, er hat mich öfters zur Seite genommen und mir Tipps gegeben. Er war ein Freund für mich – und ein Vorbild.
Sie haben vielleicht nicht die geschmeidige Ballführung wie er, sind dafür aber zielstrebiger und torgefährlicher. Stimmen Sie zu?
Auch wenn wir ähnliche Positionen bekleiden, sind wir doch zwei unterschiedliche Spieler. Orel kam mit seiner überragenden Technik mehr über das Kurzpassspiel, dafür gehe ich mehr in die Tiefe. Und schneller bin ich, glaube ich, auch als er (lacht).
Sie gehen dabei gerne ins Risiko und nehmen es im Dribbling auch mal mit mehreren Gegenspielern auf. Auffallend gut sind Ihre Laufwerte – eher schwach dagegen Ihre Zweikampfwerte.
Wissen Sie, ich habe lange als Stürmer gespielt. Von daher war ich es nicht so gewohnt, defensiv zu agieren und Bälle zu erobern. Jetzt spiele ich auf der Achter-Position eine eher defensive Rolle. Ich weiß selbst, dass ich in der Balleroberung noch besser werden muss.
In Ihrer Anfangszeit beim VfB agierten Sie oft noch etwas ungestüm. Gleich in Ihrem fünften Bundesliga-Spiel kassierten Sie eine Rote Karte und waren auch in der Folge öfters gefährdet, vom Platz gestellt zu werden. Wie wurde Ihnen vermittelt, vorsichtiger zu agieren?
Es gab keine Ansage vom Trainer, falls Sie das meinen. Ich bin auch überhaupt kein harter oder unfairer Spieler. Ich kam vergangene Saison einfach öfter mal zu spät an den Ball. Das hat auch etwas mit Konzentration und Wachheit zu tun. Aber ich denke, auch da habe ich mich weiterentwickelt.
Beim VfB sind Sie Teil einer French Connection mit Tanguy Coulibaly, Enzo Millot, Silas Katompa und Neuzugang Serhou Guirassy. Was verbindet Sie außer der Sprache noch? Und unternehmen Sie abseits des Platzes viel gemeinsam?
Enzo kenne ich von den französischen Auswahlteams schon ewig. Mit Tanguy teile ich mir den Berater, Silas kenne ich auch schon lange, Serhou erst seit Kurzem. Wir verstehen uns alle gut. Es ist aber nicht so, dass wir ständig zusammen rumhängen.
Wie war es eigentlich, als 18-jähriger Franzose nach Deutschland zu kommen?
Da ich schon mit 16 alleine in die Jugend von Juventus Turin gewechselt bin, war der Schritt hierher gar nicht mal so groß. Ich wurde in Stuttgart gut aufgenommen.
Über Sie ist kaum etwas bekannt. Erzählen Sie doch mal: Wie hat das mit dem Fußball bei Naouirou Ahamada angefangen?
Wie bei den meisten: Ich habe mit meinen Kumpels auf der Straße zusammen gespielt. Irgendwann habe ich meinen acht Jahre älteren Bruder bearbeitet, mich im Verein anzumelden. Er wollte das nicht, aber ich blieb hartnäckig. Irgendwann hatte ich ihn endlich so weit. Und so nahm das mit dem Fußball und mir seinen Lauf.
Wie würden Sie die Verhältnisse beschreiben, aus denen Sie stammen?
Ich stamme aus dem Norden von Marseille, aus dem Viertel Le Méditerranée. Meine Eltern hatten nie viel Geld. Arbeit hatte nur mein Vater, und der musste sechs Kinder ernähren. Was nicht immer einfach war.
Sie haben den Aufstieg geschafft mit einem eher ungewöhnlichen Werdegang. Von französischen Amateurclubs über den italienischen Rekordmeister nach Stuttgart . . .
Ich wollte schon früh ins Ausland. Und eine Chance wie Juventus Turin lässt man sich natürlich nicht entgehen. Nur gab es dort eben sehr viele gute, junge Spieler. Entsprechend gering war die Chance, es nach oben zu den Profis zu schaffen. Sven (Sportdirektor Mislintat; Anm. d. Red.) hat mir dann mit 18 den Weg beim VfB aufgezeigt, was sich für mich ja auch ausbezahlt hat.
Warum wollten Sie so früh weg aus Frankreich – die Nachwuchsarbeit in Ihrer Heimat ist doch top?
Sicher. Aber mich hat das Ausland einfach schon immer gereizt. Manchmal kann es auch förderlich sein, wenn man früh seine Heimat und sein Elternhaus verlässt und sich einer ganz neuen Herausforderung stellt. So habe ich in den zwei Jahren in Italien viel fürs Leben gelernt.
Wie lebt es sich für Sie in Stuttgart?
Ich fühle mich hier sehr wohl, habe eine Wohnung in der Innenstadt. Meistens bin ich allein, ab und zu besucht mich eine meiner vier Schwestern, die in Belgien studiert. Und wenn ich viel Zeit habe, fliege ich schon mal nach Hause und statte meiner Heimatstadt Marseille einen Besuch ab.
Vita
Naouirou Ahamada wurde 2002 in Marseille geboren. Über verschiedene Amateurclubs in Südfrankreich landete er 2018 bei Juventus Turin, wo er für die U 23 des italienischen Rekordmeisters am Ball war.
Weg nach Stuttgart
In Turin wurde er von Scouts des VfB Stuttgart entdeckt. Ende 2020 wechselte Ahamada als 18-Jähriger zunächst auf Leihbasis zum VfB. Nach dem Klassenverbleib griff eine Kaufpflicht. Für 1,5 Millionen Euro verpflichtete der VfB den Spieler im Sommer 2021 fest. Ahamadas Vertrag endet 2025.