Naturereignis an der Adria Meer in Kroatien rot gefärbt – das steckt hinter dem Phänomen

Algen färben das Meerwasser an diesem Strand in  Kroatien. Foto: dpa/Srecko Niketic
Algen färben das Meerwasser an diesem Strand in Kroatien. Foto: dpa/Srecko Niketic

An einem Strand an der kroatischen Halbinsel Istrien färbt sich das Meerwasser in bedrohlich wirkende Farbtöne. Wir erklären, was hinter dem Naturereignis an der Adria steckt.

Digital Unit: Jonas Schöll (jo)
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Stuttgart/Pula - Verschneite Berge, kühle Wälder, bunte Korallen: Sich die Schönheit der Welt anzuschauen, ist eines der wichtigsten Motive für das Reisen. Die Umweltverschmutzung und der Klimawandel jedoch bedrohen beliebte Urlaubsziele, schon heute und noch mehr in Zukunft. Ein jüngstes Beispiel dafür ist aktuell in der Küstenstadt Pula an der Spitze der kroatischen Halbinsel Istrien zu beobachten. An einem Küstenstreifen färbt sich das Wasser dort derzeit in bedrohlich wirkende rote und braune Farbtöne. Was steckt hinter dem seltsamen Naturereignis im Meer?

Könnte es sich dabei etwa um eine „Rote Flut“ („Red Tide“) handeln, also um den Ausbruch einer todbringenden starken Algenblüte? Dieses Naturphänomen verwandelte vor einigen Jahren die Strände im Südwesten Floridas in Todeszonen. Die Algenpest erstickte jegliches Leben im Meer, tonnenweise Fische, Schildkröten und Delfine verendeten im Wasser und verursachten einen bestialischen Gestank.

Darum färbt sich das Wasser in der Adria

Diplom-Biologe Ulrich Karlowski von der Deutschen Stiftung Meeresschutz in München gibt Entwarnung im Falle des eingefärbten Küstenstreifens in Kroatien. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagt der Experte, dass es sich am Strand in Pula vermutlich um eine Braunalge oder Rotalge handle. Hervorgerufen werde diese etwa durch ein Überangebot an Nährstoffen in Kombination mit warmem Wasser. Durch einen hohen Anteil an Stickstoff und Phosphor im Wasser würden sich die Algen extrem vermehren. Schuld daran seien landwirtschaftliche Düngemittel oder nicht ausreichend geklärte städtische Abwässer, die durch Regen oder Flüsse ins Meer geleitet werden.

„Diese Organismen legen ein exponentielles Wachstum hin, wenn sie viel Nahrung haben und das Wasser warm ist, dann kann sich in kurzer Zeit ein richtiger Algenteppich bilden“, sagt Karlowski. Der fortschreitende Klimawandel begünstige dieses Phänomen. „Das ist ein immer stärker werdendes Problem in unseren westlichen Regionen.“ Auch in Deutschland komme es zu dem Naturereignis.

Wie kann man solche Algenteppiche verhindern?

Grundsätzlich gebe es an die hundert verschiedene toxisch wirkende Algenarten. Rotalgen und Braunalgen könnten zwar Hautreizungen, Atemwegsbeschwerden und Übelkeit auslösen, seien aber nicht so gefährlich wie die Karenia brevis – jener Organismus, der regelmäßig Planktonblüten verursacht, die so genannten Roten Tiden. Bedrohlich sind die Algen nach Ansicht des Diplom-Biologen vor allem für die Lebensgemeinschaften am Meeresboden. Bei der Zersetzung des Schleims wird Sauerstoff verbraucht, den auch Muscheln oder Krebse zum Überleben benötigen.

Doch wie kann man solche Algenteppiche verhindern? Wichtig sei es, in der Landwirtschaft weniger Düngemittel in Küstennähe auszubringen. Ebenso müsse gewährleistet sein, dass städtische Abwässer eine vernünftige Klärung durchlaufen, fordert der Experte von der Deutschen Stiftung Meeresschutz.




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