Naturfreibad Herrenberg – Probleme behoben? Gäste hoffen auf Saison ohne Unterbrechungen
Die neue Saison im Herrenberger Naturfreibad soll besser laufen. Die Stadt hat Vorkehrungen getroffen. Wahre Fans bleiben so oder so treu.
Die neue Saison im Herrenberger Naturfreibad soll besser laufen. Die Stadt hat Vorkehrungen getroffen. Wahre Fans bleiben so oder so treu.
Der Himmel ist blau, die Sonne strahlt, und das Wasser im Herrenberger Naturfreibad glitzert türkisfarben. Nur die Luft ist noch etwas kühl und die Wassertemperatur – 19 Grad steht auf der Tafel im Kassenhäuschen. Doch davon lassen sich die Badegäste nicht abschrecken. Zwar ist ihre Anzahl am Sonntagvormittag noch überschaubar, aber nach und nach ziehen immer mehr Menschen ihre Bahnen, Kinder buddeln im Sand oder planschen.
Vor einer Woche hat das Herrenberger Naturfreibad aufgemacht – sicher verbunden mit der Hoffnung, dass die Saison besser wird als im vergangenen Jahr. Denn so wie sich im Lauf dieses Sonntags die Wolken über Herrenberg zusammenziehen, herrschte auch beim Betrieb des Bades nicht immer eitel Sonnenschein. Immer wieder musste es schließen, weil Bakteriengrenzwerte überschritten waren. Meist bei heißestem Wetter, also zur besten Badezeit. Ein negativer Höhepunkt war voriges Jahr erreicht: Fünfmal war das Bad zu.
Das Wasser wird im Naturfreibad nicht mit Chlor, sondern mit biologischen Filtern gereinigt. Streng geschützte Teichhühner hatten sich 2023 ausgerechnet den Filterbereich zum Brüten ausgesucht und das Wasser mit ihren Hinterlassenschaften verunreinigt. Für diese Saison hat die Stadt Herrenberg eine Task Force eingerichtet und sich diverse Maßnahmen überlegt, damit das Bad durchhält. Ob sie ausreichen?
Gabi Berger und Andrea Asch, die sich am Beckenrand unterhalten und überzeugte Naturfreibad-Gängerinnen sind, drücken zumindest fest die Daumen. Beide empfinden allerdings auch die Kontrollen als zu streng. Sie wären bereit, trotz erhöhter Grenzwerte zu schwimmen. Ähnlich äußert sich Bennet Melcher. So wie die beiden Frauen sieht er zwar ein, dass die Stadt auf die Grenzwerte reagieren muss. Doch er fragt sich, ob es nicht Möglichkeiten gäbe, wonach die Grenzwerte nicht so streng berücksichtigt werden müssen. „Vielleicht indem man es als offene Badestelle und nicht als Freibad laufen lässt“, überlegt er. „Es ist natürlich ärgerlich, wenn das Bad bei schönem Wetter zu ist.“ Er geht davon aus, dass es auch diese Saison wieder passieren wird.
Ganz anders Timo. „Ich bin zuversichtlich, dass es nicht schließen muss“, sagt der 31-Jährige. Er und seine Partnerin waren direkt am ersten Tag anbaden und haben sich eine Saisonkarte gekauft. Die 75-jährige Melitta, ebenfalls mit Saisonkarte, will nicht darüber spekulieren, wie lange das Bad durchhält. „Das Positive wiegt die Schließtage bei weitem auf“, sagt sie. Das was immer wieder Probleme verursacht, ist auch das, was gut ankommt: das chlorfreie Wasser und die Naturnähe. Der achtjährigen Emilia gefällt, dass man nach dem Baden nicht nach Chlor riecht – und dass es viele Spielmöglichkeiten gibt. Ihre Mama Nicole nimmt für das, was das Bad aus ihrer Sicht bietet, mögliche Schließtage in Kauf. „Das ist zwar doof, aber man kann ja auf andere Bäder ausweichen.“
Neben dem Schwimmerbecken ragt Schilf in die Höhe, es gehört zur natürlichen Filteranlage und bietet zahlreichen Fröschen einen Rückzugsort. Sie geben ein lautstarkes Konzert. So entsteht nicht nur der Eindruck an einem See zu sein, sondern es gibt auch etwas zu entdecken. Melitta und ein kleiner Junge schauen zusammen konzentriert ins Schilf, bis sie einen der gut getarnten Frösche gesichtet habe.
Zu sehen sind aber nicht nur Tiere, sondern auch eine der neuen Maßnahmen: Gitter, die über der Schilffläche liegen und durch deren Maschen die Halme wachsen, sollen verhindern, dass sich hier wieder Teichhühner niederlassen. „Mal sehen, ob die was bringen“, sagt Otto Hauler, der an diesem Tag mit Frau und Kindern seine persönliche Freibadsaison eröffnet. Er hält den natürlichen Filter für eine „prima Idee“, das Froschkonzert für ein „großes Plus“, und er zeigt sich optimistisch, dass es dieses Jahr besser läuft. Sollte das Bad wieder schließen, sieht er auch das gelassen. Im vergangenen Jahr war der Kleinkinderbereich weiterhin zugänglich ebenso die Liegewiesen. „Es war trotzdem eine tolle Anlaufstelle.“
Die Gitter sind längst nicht die einzige Maßnahme auf die die Stadt Herrenberg setzt. Sie hat, wie die Verwaltung vor der Saison mitteilte, das Pumpensystem leistungsfähiger gemacht, das Schulschwimmen ins Hallenbad verlagert und die Öffnungszeiten eingeschränkt, damit sich das Wasser besser regenerieren kann. Unter der Woche bleibt das Bad zwischen acht und zehn Uhr zu, was Andrea Asch mit leichtem Bedauern zur Kenntnis genommen hat. Ob die Maßnahmen Wirkung zeitigen, bleibt abzuwarten. Herrenbergs Oberbürgermeister Nico Reith (parteilos) hatte in der Mitteilung betont, dass die Stadt alles getan habe, was in ihrer Verantwortung liegt – sicherheitshalber allerdings auch nochmals erklärt: „Ein Naturfreibad ist und bleibt allerdings ein sensibles System und es kann auch zukünftig zu Schließungen kommen.“
Hildrizhausen
Die Zwangspause des Hildrizhausener Freibads ist seit Samstag, 25. Mai, vorbei. Das Freibad hatte bereits aufgemacht und musste dann aufgrund eines kurzfristigen Personalausfalls wieder schließen. Die Gemeinde teilt auf ihrer Homepage die aktuellen Öffnungszeiten des Bades mit. In dieser Woche ist das Freibad demnach von Montag bis Donnerstag jeweils von 11 bis 19.30 Uhr offen, am Mittwoch bleibt es zu.
Gärtringen
Das Freibad in Gärtringen ist am Freitag, 24. Mai, in die Saison gestartet – und damit etwas später als erhofft. Die Eröffnung hatte sich aufgrund von Umbauarbeiten verzögert. Das Bad bekommt unter anderem einen neuen Eingangstrakt. Die Gemeinde informiert auf ihrer Homepage, dass Kartenzahlung im momentan noch nicht möglich ist und der drei-Meter-Turm sowie die Rutsche gesperrt sind.