Behörden und Förster alarmiert Verdrängen Nilgänse die Enten auf dem Dätzinger Schlossteich?

Auf dem Teich beim Schloss Dätzingen wurden Nilgänse gesichtet. Foto: /Stefanie Schlecht

Eine Spaziergängerin entdeckt zum Jahresbeginn Nilgänse auf dem Dätzinger Schlossteich. Noch ist unklar, ob die invasive Art tatsächlich eine Bedrohung für die heimische Tierwelt darstellt.

Böblingen: Edmund Langner (edi)

In Böblingen und Weil im Schönbuch machen sie schon seit Jahren Probleme, zuletzt wurden nun auch einige Exemplare in Grafenau am Dätzinger Schlossteich gesichtet. Die Rede ist von der Nilgans. Dieser ungebetene Gast gilt als invasive Art, weil er sich unkontrolliert vermehrt, vor allem aber in dem Ruf steht, einheimische Wasservögel gewaltsam zu verdrängen. Unter anderem am Oberen See in Böblingen und am Klostersee in Sindelfingen sind Nilgänse schon dabei beobachtet worden, wie sie Entenküken ertränkten.

 

Ähnliches könnte sich nun auch im Teich unterhalb der Dätzinger Schlossanlage wiederholen. „Heute mal zwei Nilgänse auf dem Dätzinger Schlossteich“, schrieb am 9. Januar eine Passantin in der Grafenauer Facebook-Ortsgruppe zu einem Foto, das sie vor Ort gemacht hatte. Wenige Tage später kommen ihr an derselben Stelle erneut zwei Wasservögel mit hellgrauem Gefieder sowie dem charakteristischen rostroten Halsring und der rotbraunen Färbung am Schwanz vor die Linse. „Immer noch da“, notiert sie und fügt ein trauriges Emoji hinzu.

Untere Naturschutzbehörde bestätigt: Es sind tatsächlich Nilgänse

So sieht eine Nilgans aus. /Stefanie Schlecht

Beim Landratsamt in Böblingen bestätigt man, dass es sich bei den am Schlossteich gesichteten Exemplaren um Nilgänse handelt. Diese Vogelart unterliege dem Jagd- und Wildtiermanagementgesetz, teilt Landkreissprecherin Simone Hotz mit. Deshalb sei die Untere Jagdbehörde zuständig, genauer gesagt das Amt für Forsten im Landratsamt. In Dätzingen werde nun die Untere Naturschutzbehörde gemeinsam mit dem Wildtierbeauftragten Bastian Junghans die Situation beobachten und sich mit der Gemeindeverwaltung abstimmen. „Aktuell lässt sich noch nicht sagen, ob die Nilgänse eine Bedrohung für die lokal ansässigen Arten darstellen“, betont Simone Hotz.

Klar ist jedoch, dass Nilgänse durchaus Probleme machen können. In Weil im Schönbuch sind einige der Tiere über abgestellte Autos hergefallen und haben auf Windschutzscheiben und Karosserien eingehackt. Hinzu kommt, dass ihr Kot voller Keime und Würmer steckt, weswegen man in Freibädern besonders aufmerksam nach dem unliebsamen Federvieh Ausschau hält.

Die Bekämpfung der Plage gestaltet sich schwierig. In Böblingen setzte die Stadtverwaltung vor drei Jahren zur Vergrämung auf einen Weißkopfseeadler – mit überschaubarem Ergebnis. Vor dem amerikanischen Wappentier hatten die unerwünschten Wasservögel offenbar wenig Respekt. Zuletzt versuchte Böblingen es deshalb mit blickdichten Zäunen, die den Brutplatz für Nilgans und Co. unattraktiv machen sollen, weil die Tiere offene Fluchtwege zum sicheren Wasser schätzen.

Das ursprünglich in Afrika heimische Federvieh wurde wohl in den 1980ern in den Niederlanden ausgesetzt beziehungsweise entflog von dort und breitete sich dann bei uns aus. Keine andere nichtheimische Vogelart hat sich laut Wildtierportal Baden-Württemberg so rasch verbreitet wie die Nilgans. Demnach haben sich im Land zwischen 2009 und 2019 die Brutmeldungen etwa versechsfacht. Nachdem die Nilgans 2017 von der EU auf eine Liste invasiver Arten gesetzt wurde, hat das Landwirtschaftsministerium vor drei Jahren in einer Verordnung das Jagdrecht verschärft. In der Begründung heißt es, dass Nilgänse die Biodiversität gefährden und einheimische Arten verdrängen könnten.

In der Facebook-Ortsgruppe von Grafenau sieht man das genauso. „Die Enten haben sich schon verzogen“, meint dort die Passantin, die auch schon die erste Sichtung gemeldet hatte. Dem widerspricht Grafenaus Bürgermeister Martin Thüringer. „Ich war zuletzt drüben im Schlosspark und habe dort keine Nilgänse gesehen“, sagt der Rathauschef. Dafür habe er die Entenfamilie noch wohlauf an ihrem Heimatteich angetroffen. Bei der Grafenauer Verwaltung wolle man jedenfalls zunächst abwarten und sich mit den Landkreisbehörden abstimmen. „Ich hoffe mal auf den Fuchs“, bringt der Bürgermeister augenzwinkernd eine alternative Lösung für das Problem ins Spiel.

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