Neckar Store in Bad Cannstatt Nahversorgung zerstört, Jobs weg

Die Avolio-Schwestern  haben  mit viel Mut vor vier Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und den kleinen Neckar Store eröffnet. Foto: Claudia Leihenseder
Die Avolio-Schwestern haben mit viel Mut vor vier Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und den kleinen Neckar Store eröffnet. Foto: Claudia Leihenseder

Eigentlich hatten es die beiden Schwestern Alessandra und Anna Avolio geschafft: Mit viel Mut haben sie vor vier Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und den kleinen Laden Neckar Store eröffnet. Doch nun stehen sie vor dem Aus.

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Bad Cannstatt - Eigentlich hatten es die beiden Schwestern Alessandra und Anna Avolio geschafft: Mit viel Mut haben sie vor vier Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und den kleinen Laden Neckar Store eröffnet. Doch nun stehen sie vor dem Aus. Ende Mai müssen sie ihren Tante-Emma-Laden an der Brückenstraße wieder aufgeben. Der Grund: die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) hat allen Mietern in dem alten Haus gekündigt, weil das Gebäude dringend saniert werden muss.

Am historischen Gebäude plant die SWSG tiefgreifende Grundrissänderungen und Modernisierungen. Da kann kein Laden während der massiven Arbeiten im Gebäude bleiben. „Angesichts der Unsicherheit, ob eine Gewerbenutzung nach der monatelangen Sanierungspause für den Betreiber des jetzigen Ladengeschäfts von Interesse wäre, hat sich die SWSG für eine Wohnnutzung des gesamten Gebäudes entschieden“, schreibt der Pressesprecher Peter Schwab in einer Stellungnahme der SWSG. Hinzu kommt noch die hohe Nachfrage nach möglichst preiswertem Wohnraum in Stuttgart. Für die SWSG eine klare Entscheidung für Wohnungen. Und gegen eine Gewerbefläche.

Kaffee, Brot und Paket Shop sind bald Geschichte

„Wenn wir nicht bald einen anderen Laden finden, dann war alles umsonst“, sagt Alessandra Avolio. Die 35-Jährige steht hinter dem Tresen in ihrem kleinen Laden und bedient ihre Kunden. Es gibt Tabak zu kaufen, Zeitschriften, aber auch Dinge, die man so kurz eben braucht: Duschgel, Windeln, Nudeln. Ein Mann kommt mit seinem Lottoschein und kassiert, was er beim Spiel 77 gewonnen hat. Ein anderer kauft zwei Flaschen Bier und hält ein Schwätzchen. Eine Frau holt ein Paket ab. „Wir haben schon viel gemacht und angeboten“, sagt Avolio: Paket Shop, Western-Union-Filiale, Kaffee, Brot – alles, was zu einer kleinen Rundum-Nahversorgung gehört.

Doch jetzt ist Schluss. Keine Nahversorgung mehr in der Neckarvorstadt. Und zwei Arbeitsplätze vernichtet. Deswegen ­haben sich die Grünen aus dem Bezirksbeirat Bad Cannstatt jüngst eingeschaltet und einen Antrag im Gremium gestellt: Die Stadt und die SWSG mögen sich um einen alternativen Standort für den Tante-Emma-Laden bemühen. „Wir verstehen, dass das Haus saniert werden muss und Wohnraum benötigt wird. Aber die Versorgung in der Neckarvorstadt ist prekär, da muss man etwas tun“, sagt der Grünen-Bezirksbeirat Peter Mielert. Die Betreiber des kleinen Ladens bräuchten auf alle Fälle Unterstützung.

Der Hallschlag ist keine Option

Diese könnte unter anderem von der städtischen Wirtschaftsförderung kommen. „Wenn der Bedarf vor Ort da ist, können wir angesprochen werden“, sagt Mareike Merx, die bei der Wirtschaftsförderung für die Neckarvororte zuständig ist. Vom Neckar Store habe sie zwar noch nicht gehört. Die Nahversorgung sei jedoch wichtig und solle dauerhaft gewährleistet sein. Hilfe könnte Merx etwa bieten, wenn es um ein Zusammenbringen von Eigentümer und Nachfrager gehe.

Alessandra Avolio weiß seit November 2015, dass sie aus der Brückenstraße 16 ausziehen muss. Inzwischen hat die SWSG ihr und ihrer Schwester auch ein Angebot gemacht: Sie könnten mit ihrem Laden in den Hallschlag ziehen. Das haben die beiden allerdings abgelehnt: „Am Hallschlag würden wir unsere ganze jetzige Kundschaft verlieren“, sagt Avolio. Und auch das Konzept des Neckar Stores würde nicht mehr aufgehen. „In der Brückenstraße verkaufen wir auch Brot, hier in der Neckarvorstadt fehlt es ja an allem“, meint die Ladenbetreiberin. Am Hallschlag gebe es aber Bäcker und den Aldi: „Da könnten wir nach einem Monat schon zu machen.“




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