Neckartenzlingen hält an Ehrenbürger fest Das Dankschreiben des Führers liegt im Tresor

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1933 wurde Hitler Ehrenbürger in Neckartenzlingen. Ein ehemaliger Gemeinderat will nun, dass sich die Gemeinde von ihm distanziert.

Hitler und der Gauleiter von Württemberg Hohenzollern, Wilhelm Murr Foto: Archiv
Hitler und der Gauleiter von Württemberg Hohenzollern, Wilhelm Murr Foto: Archiv

Neckartenzlingen - Wenn das der Führer wüsste: In Neckartenzlingen ist er noch immer ein Ehrenbürger, zumindest in gewisser Weise. Wie der ehemalige SPD-Gemeinderat Walter Baral herausgefunden hat, wurde die Ehrenbürgerschaft Adolf Hitler nie aberkannt. Baral hat jetzt an den Gemeinderat appelliert, dem Tyrannen diese Würde zu nehmen. Nach Auskunft des Bürgermeisters Herbert Krüger habe der Gemeinderat das allerdings abgelehnt. Mit dem Tod von Adolf Hitler am 30. April 1945 sei die Ehrenbürgerschaft automatisch erloschen, so das Argument des Rates, der laut Herbert Krüger dieses Thema für nicht besonders wichtig gehalten habe und die Angelegenheit ruhen lassen wolle.

Nicht jedoch Walter Baral. Er hat sich das Protokoll der Ratssitzung vom 25. März 1933 kommen lassen. Handschriftlich ist dort in schönen Sütterlin-Schleifen vermerkt, dass gleich zu Beginn der Sitzung die Gemeinderäte Breisch und Claß einen Antrag auf eine Änderung der Tagesordnung vorbrachten. Der neue Punkt lautete wie folgt: „Wir beantragen hiemit in feierlicher Form, dem Führer der deutschen Freiheitsbewegung und der nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei, Reichskanzler Adolf Hitler, das Ehrenbürgerrecht der hiesigen Gemeinde zu verleihen.“ Ebenfalls wurde die damalige Lange Straße und heutige Hauptstraße in Adolf-Hitler-Straße umbenannt und die Ebertstraße in Hindenburgstraße.

„Der Beschluss erfolgte einstimmig“, erklärt Walter Baral. Er hatte schon in seiner aktiven Zeit als SPD-Gemeinderat Ende der 80er Jahre eine Aberkennung der Ehrenbürgerschaft beantragt, war aber damals mit seiner Fraktion gescheitert. Anlässlich der Verleihung der Ehrenbürgerschaft an den Ex-Bürgermeister Hans Schäfer unternahm er noch einmal einen Vorstoß. Laut einem Schreiben des Bürgermeisters hat der Gemeinderat am 8. Oktober nicht öffentlich über das Thema beraten und ist zu der Ansicht gelangt, dass die Ehrenbürgerschaft Hitlers mit dessen Tode erloschen sei und deswegen nicht aberkannt werden brauche. Darüber hinaus habe der Gemeinderat, bis auf ein einziges Ratsmitglied, das Thema angesichts der vielen Aufgaben des Gremiums nicht für sehr wichtig erachtet, berichtet Herbert Krüger, der persönlich nichts gegen eine symbolische Aberkennung hat.

Etwa 4000 Städte und Gemeinden in Deutschland und seinem Heimatland Österreich haben Hitler während der Nazi-Diktatur zum Ehrenbürger erklärt, berichtet das Internet-Lexikon Wikipedia. „Das muss generalstabsmäßig vorbereitet gewesen sein“, vermutet Walter Baral. Viele Gemeinden teilten oder teilen die Rechtsauffassung, dass eine Ehrenbürgerschaft mit dem Tod des Bürgers erlischt. Dennoch haben sehr viele Kommunen Hitler nach dem Krieg symbolisch die Ehre wieder genommen. Unter anderem auch die Stadt Braunau am Inn, die Geburtsstadt des Diktators, wenn auch laut Zeitungsberichten erst vor zwei Jahren.

Einen ähnlich symbolischen Akt stellt sich jetzt auch Walter Baral vor, damit auch dieses Kapitel der Neckartenzlinger Geschichte endgültig aufgearbeitet sei. Der Führer hat sich übrigens damals für die ihm angetragene Ehre schriftlich bedankt. Das Schreiben liegt noch heute, wie Herbert Krüger berichtet, im Tresor der Neckartenzlinger Kreissparkasse.




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