Negativserie des VfB Stuttgart Warum der VfB auswärts nicht mehr gewinnt

Gleich drei VfB-Spieler (Hiroki Ito, Tiago Tomas und Atakan Karazor) versuchen den Leverkusener Moussa Diaby zu bremsen – vergeblich. Foto: Imago//

Seit gut einem Jahr hat der VfB Stuttgart in der Fußball-Bundesliga auf fremden Plätzen nicht mehr gewonnen. Wir beleuchten die Hintergründe, wie es so weit kommen konnte.

Sport: Carlos Ubina (cu)

Die Negativserie nimmt einfach kein Ende. 17 Ligaspiele dauert sie saisonübergreifend schon an, alle auf fremden Plätzen bestritten. Und nun da sich der VfB Stuttgart auf USA-Reise befindet, blickt die Mannschaft auf eine fast einjährige Auswärtsmisere zurück. Zuletzt gewann der Fußball-Bundesligist am 11. Dezember 2021 in einer fremden Arena – beim VfL Wolfsburg mit 2:0. Ketzerisch ausgedrückt, fast schon ein historisches Ereignis.

 

Noch nie hat der Verein für Bewegungsspiele von 1893 so lange auf einen Auswärtssieg in der Liga (im August gab es beim Drittligisten Dynamo Dresden ein 1:0 im DFB-Pokal) warten müssen. Das hat viele Gründe, doch zuletzt waren die Misserfolge durch eines verbunden: Trotz Überzahl gelang es der VfB-Defensive nicht, Gegentore zu verhindern. Das war auch in Leverkusen so, als Moussa Diaby mit dem Ball am Fuß loszog und die Bayer-Elf in Führung schoss. „Genau solche Situationen wollten wir verhindern“, erklärte der Trainer Michael Wimmer hinterher, „dass ein Leverkusener Spieler aufdrehen und ins Tempo kommen kann.“

Michael Wimmers schwache Auswärtsbilanz

0:2, 1:3, 0:5 – lautet nun die Zahlenreihe der weiß-roten Auswärtspleiten unmittelbar vor der WM-Pause. Sie hat den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Thomas Hitzlsperger während einer SWR-Sportsendung dazu veranlasst, in der Trainerfrage im Spaß darüber zu sinnieren, ob sein früherer Club wohl einen Heim- sowie einen Auswärtstrainer benötige. Denn der Interimscoach Wimmer hat mit dem VfB alle vier Heimspiele (dreimal Liga, einmal DFB-Pokal) gewonnen, auswärts jedoch dreimal verloren.

In Dortmund, in Mönchengladbach, in Leverkusen. Offensivstarke Teams, gegen die der VfB schwach verteidigte. In der Bay-Arena vermisste Wimmer zudem die Zielstrebigkeit seiner Elf im vorderen Bereich. Und die Diskrepanz zwischen dem Heim-VfB und dem Auswärts-VfB zeigt sich in der jeweiligen Tabelle: Rang elf in der Heimtabelle (elf Punkte) und Platz 16 in der Auswärtstabelle (drei Punkte) ergeben in der Gesamtbetrachtung den heiklen Relegationsplatz.

Dabei sah es ja zu Saisonbeginn gar nicht so schlecht aus. Drei Unentschieden gab es: 2:2 in Bremen, 0:0 in Köln, 2:2 in München. Hier einen frühen Gegentreffer weniger, dort eine genutzte Torchance mehr – und der VfB könnte, ohne sich entschuldigen zu müssen, ein paar Zähler mehr auf dem Konto haben. Vielleicht wäre sogar noch Pellegrino Matarazzo der Cheftrainer. Sicher stünden die Stuttgarter aber näher an Platz zwölf, wohin jetzt die hoch gehandelten, aber zunächst tief gefallenen Leverkusener geklettert sind. Für den Werksclub soll es nach den Vorstellungen des Trainers Xabi Alonso ab Januar höher gehen, der VfB kämpft dagegen weiter gegen den Absturz in die zweite Liga.

Wie in der vergangenen Saison, als Matarazzo der Auswärtsschwäche mit der Grundhaltung begegnete, das Fußballspiel auf fremdem Terrain nicht anders anzugehen als auf dem heimischen Rasen. Er wolle immer gewinnen, betonte Matarazzo stets. Nur: Die Ergebnisse mit insgesamt neun Niederlagen und acht Unentschieden seit Beginn der Misere sagen etwas anderes – und diverse Statistiken untermauern dies.

Der VfB, der ohnehin mit insgesamt 1672,3 Kilometern zu den drei laufschwächsten Mannschaften zählt, rennt auswärts einen Tick weniger als zu Hause. Auf eigenem Platz waren es bislang in dieser Saison 893,1 Kilometer (Rang neun). Die TSG Hoffenheim bietet hier einen Bestwert von 936,5 Kilometer. Auswärts verschlechtern sich die Stuttgarter auf 779,2 Kilometer und Rang 16. Spitze: der VfL Wolfsburg mit 925,2 Kilometer. Wobei es zu berücksichtigen gilt, dass der VfB bislang acht Heimspiele und nur sieben Auswärtsspiele bestritten hat.

Statistiken zur Auswärtsmisere

Doch die durchschnittlichen Zahlen pro Spiel verdichten den Eindruck, dass die Konkurrenz mehr investiert – was auch der Spielweise geschuldet ist. Auf 111,6 Kilometer (Rang 17) pro Heimspiel kommen die Akteure mit dem Brustring auf dem Trikot, auf 111,3 (Rang 16) pro Auswärtsspiel. Bei den bestrittenen Zweikämpfen wird der Unterschied deutlicher. Bei den Heimauftritten liegt der VfB mit 1575 auf dem fünften Rang, wobei 53,6 (Boden) und 56,6 Prozent (Luft) gewonnen werden. Das ist klar über dem Ligaschnitt. Auswärts rutscht der VfB auf Platz 14 mit 1373 Zweikämpfen ab, etwa die Hälfte der Duelle wird erfolgreich bestritten.

Bei den abgegebenen Torschüssen kommt der VfB auswärts auf 80 (11,4 pro Spiel) – was Rang zehn bedeutet. Im Stuttgarter Stadion sind es insgesamt 129 (16,1 pro Spiel). Platz drei und ein Beleg dafür, dass der VfB in vertrauter Umgebung selbstbewusster und besser aufspielt. Gut für die Stuttgarter also, dass es nach der WM-Pause am 21. Januar mit einem Heimspiel gegen den FSV Mainz losgeht. Denn gemäß einem alten Slogan über die Schwaben kann der VfB im Moment alles – außer Auswärtssiegen.

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