Neu im Kino: Satire „Curveball“ Wieso Deutschland nicht mit im Irak war

Beweismittel-Sichtung beim BND: Sebastian Blomberg, Thorsten Merten und Michael Wittenborn (von links) in „Curveball“ Foto: Filmwelt/Sten Mende 14 Bilder
Beweismittel-Sichtung beim BND: Sebastian Blomberg, Thorsten Merten und Michael Wittenborn (von links) in „Curveball“ Foto: Filmwelt/Sten Mende

Deutschland hat auf zwielichtige Weise zum Irakkrieg beigetragen. Johannes Naber zeichnet den Skandal nun im Kino nach in der brillanten Spielfilmsatire „Curveball“.

Kultur: Bernd Haasis (ha)
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Stuttgart - Die USA fanden keine Massenvernichtungswaffen im Irak – und die Bundeswehr war aus gutem Grund ferngeblieben. Ein irakischer Ingenieur hatte sich 2000 dem Bundesnachrichtendienst (BND) angedient, um nicht abgeschoben zu werden. Er führte die Deutschen in die Irre und diese dann die Amerikaner. Davon erzählt Johannes Nabers Kinosatire „Curveball“. „Die Fakten liegen seit Jahren auf dem Tisch“, sagt Naber im Interview. „Wir haben überhöht, fiktionalisiert und zugespitzt, aus fünf Figuren eine gemacht – aber im Grunde haben die Dinge so stattgefunden. Die Grundfrage ist: Wie kommt so was zustande, wieso wird so was unter den Teppich gekehrt, wieso macht die Bundesregierung da mit?“

Es geht auch um enttäuschte Liebe

Sebastian Blomberg, schon in Nabers Jobvernichter-Satire „Zeit der Kannibalen“ (2014) eine Wucht, spielt den Biowaffen-Experten Wolf, der sich verrennt. Dar Salim gibt geschmeidig den Märchenerzähler, Thorsten Merten einen BND-Karrieristen, Michael Wittenborn einen Aktenfresser, Virginia Kull den überheblichen CIA-Kontakt. Drehbuch, Inszenierung und Interaktionen sind ausgeklügelt und voller Zwischentöne, wie Agentenfilme das brauchen – „Curveball“ führt die Mechanik des Tricksens und Täuschens brillant vor. „Da spielt Karrieredenken eine Rolle, Opportunismus, Egoismus, Scham und Stolz auch in Konkurrenz zueinander“, sagt Naber, der in den 90ern an der Ludwigsburger Filmakademie studiert hat. Auch um Liebe geht es: „Geheimdienstleute beschreiben oft den emotionalen Vorgang, dass jemand sich in eine Quelle ‚verliebt‘ und unkritisch wird“, sagt Naber. „Dazu kommt die enttäuschte Liebe der Deutschen zu den Amerikanern, die Entfremdung nach 9/11.“

Für ihn ist Filmemachen immer politisch: „Der moralische Kompass von Gesellschaften wird in ihren Geschichten verhandelt. Damit einher geht eine große Macht, aber auch eine Verantwortung. Ich verstehe nicht, warum viele Filmemacher sich davor drücken und nicht Stellung beziehen zu brisanten Themen. Für mich ist das der Kern meiner Arbeit, nicht nur gut zu unterhalten, sondern dem Publikum etwas mitzugeben.“

Curveball. D 2021 Regie: Johannes Naber. Mit Sebastian Blomberg, Thorsten Merten. 108 Minuten. Ab 12 Jahren.




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