Stuttgart/Gelsenkirchen - Am ersten Tag nach dem Rücktritt von Clemens Tönnies sollte es um die Zukunft des FC Schalke 04 gehen – aber als die Vorstände Jochen Schneider und Alexander Jobst auf dem Pressepodium über ihre Pläne sprachen, da wurden sie von der Vergangenheit eingeholt. Tönnies, der Ex-Aufsichtsratschef, hinterlässt ein Vakuum. Und die neue Führungsriege, das wurde schnell deutlich, steht vor einem Scherbenhaufen, der nicht nur dem ehemals starken Mann der Königsblauen anzulasten ist.
Nicht mehr tragbar
Klar, Tönnies war es, der sich noch lange vor der Corona-Pandemie mit seinen weithin als rassistisch eingestuften Äußerungen bei einem Vortrag disqualifizierte. Und Tönnies war es nun, der nach den Corona-Ausbrüchen in seinem Betrieb in Rheda-Wiedenbrück samt offenbar miserablen Arbeitsbedingungen endgültig nicht mehr tragbar war.
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Für das verheerende Bild, das Schalke seit Monaten abgibt, sind aber auch andere Entscheidungsträger verantwortlich. Dass die Königsblauen etwa ohne die fest eingeplanten TV-Gelder in der Pandemie fast pleite gegangen wären, ist Beleg für ein desaströses Wirtschaften.
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Zudem wurde den Fans beim Umgang mit bereits verkauften Tickets für die Geisterspiele zunächst keine Möglichkeit der Rückerstattung gegeben. Die Entschuldigungen von Schneider und Jobst am Mittwoch sind ein schwacher Trost für die Schalker Volksseele. In dieser fatalen Gemengelage sickerte nun auch noch durch, dass der Ende 2019 mit 197 Millionen Euro verschuldete Club offenbar bei der NRW-Landesregierung auf der Matte stand, um eine Landes-Bürgschaft in Höhe von angeblich bis zu 40 Millionen Euro für neue Kredite zu beantragen. Die Sache hat zumindest ein G’schmäckle und wirft moralische Fragen auf – und sie passt ins aktuelle Bild.
Fakt ist: Alles muss anders werden auf Schalke. Sonst ist der letzte Kredit bei den eigenen Fans auch noch verspielt.
marco.seliger@stzn.de