Was sich der einstige Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) vor 20 Jahren sehnlichst erwünscht haben dürfte, geht endlich in Erfüllung. Am Freitag wird eine Thüringer Spezialfirma mit 20 Kilogramm Sprengstoff eine der beiden Windkraftanlagen auf der Holzschlägermatte am Freiburger Schauinsland dem Erdboden gleichmachen. „Das sind zehn Sekunden Krach und zehn Minuten Staub“, sagt der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Regiowind, Andreas Markowsky. Ein konventioneller Abriss würde mindestens eine Woche dauern.
Es ist die erste Sprengung einer solchen Anlage in Baden-Württemberg. Die zweite folgt im Frühjahr. Dann soll auch das Schwesterwindrad fallen. Allerdings ist es keineswegs ein später Sieg für den ehemaligen Landesvater, der in seiner Amtszeit so vehement gegen die Windkraft gekämpft hat. Markowsky hat es damals schon prophezeit: Man werde die in Bürgerbesitz befindlichen Anlage keinesfalls vorzeitig wieder abbauen – es sei denn, man ersetze sie durch eine größere. Genau dies soll nun geschehen. Die beiden 98 Meter hohen Türme werden durch einen neuen Turm mit 160 Meter Nabenhöhe ersetzt. Daran wird ein Windrad mit 130 Meter Durchmesser hängen, bisher waren es jeweils 78 Meter. Der Stromertrag verdoppelt sich dadurch von insgesamt fünf auf zehn Millionen Kilowattstunden im Jahr. Das reicht für 4500 Haushalte.
Nur noch ein Windrad, aber doppelt so viel Strom
Der heute 71-jährige Markowsky brauchte damals gute Nerven. Denn zum Zeitpunkt seiner Prophezeiung war die Doppelanlage zwar gerade in Betrieb gegangen, jedoch hatte der Ministerpräsident höchstpersönlich die nachträgliche Entziehung der Baugenehmigung angeordnet. Der Wirtschaftsminister Walter Döring (FDP) musste dafür eine politische Kehrtwende vollziehen. Peinlich: Döring hatte kurz zuvor einen Gastauftritt in der Fernsehserie „Die Fallers“ gehabt. Dabei hatte er sich selbst gespielt und im Schwarzwald eine Windkraftanlage eingeweiht.
OB Salomon hält dagegen
Doch für Teufel war nur Atomstrom sauberer Strom. Die Rotoren begriff er hingegen als ästhetisches Problem und prägte wie kein Zweiter den Begriff von der „Verspargelung der Landschaft“. Die wollte er seinem Bundesland unbedingt ersparen. Eilends ließ er ein neues Landschaftsschutzgesetz erarbeiten. Bei den beiden Windrädern auf dem Freiburger Hausberg, so schien es, wollte er ein Exempel statuieren. Das lag vielleicht auch an der politischen Konstellation. In Freiburg war gerade Dieter Salomon zu Deutschlands ersten grünen Großstadt-Oberbürgermeister gewählt worden. Salomon wurde zum politischen Gegenspieler in dem Streit. Vehement wehrte sich der OB dagegen, die beiden von seinem Gemeinderat mit großer Mehrheit genehmigten Anlagen zu Schwarzbauten zu deklassieren.
Teufels Kampf wirkt nach
Doch Teufels Stern war zu jenem Zeitpunkt auch innerhalb der CDU am Sinken. 2005 trat er zurück und machte für Günther Oettinger Platz. Die Windräder auf dem Schauinsland durften sich weiterdrehen, auch weil die Justiz den Fall auf die lange Bank schob. Später einigte man sich auf eine leicht verkürzte Betriebsgenehmigung.
Teufels Kampf gegen die Windmühlen „war schon damals aus der Zeit gefallen“, sagt Markowsky. Gleichwohl sei er nicht folgenlos geblieben. „Von damals rührt der baden-württembergische Rückstand beim Ausbau der Windkraft.“
Was Teufel zu alldem heute denkt, ist unbekannt. Er habe keinerlei Aktenunterlagen und „keinerlei Erinnerung“ zu den Vorgängen „vor vielen Jahren“, heißt es aus dem Büro des 83-Jährigen. Markowsky plant derweil weitere Projekte. „In fünf Jahren werden wir 35 000 Haushalte mit Windstrom versorgen.“ Das wäre fast jeder dritte Haushalt in Freiburg.
Frühzeitige Anreise wird empfohlen
Sprengung
Die Sprengung des Windradturms auf der Holzschlägermatte ist auf Freitag, 14 Uhr, terminiert und wird lediglich bei Sturm verschoben. Der Beton soll anschließend zerkleinert und als Untergrund für den Kran für den Neubau dienen. Der Bewehrungsstahl wird zuvor entfernt und recycelt. Der Rotor ist schon abmontiert.
Schaulustige
Wer die Sprengung beobachten möchte, sollte sich frühzeitig einfinden und auf dem Freiburger Hausberg möglichst weit nach oben wandern. Die Schauinslandbahn wird gegen 13.30 Uhr aus Sicherheitsgründen eingestellt. Rund um die Anlage gilt ein 300 Meter großer Sicherheitsabstand.