Wer schon einmal Urlaub in Hafling in Südtirol gemacht hat, wird das Knottnkino kennen. Der Künstler Franz Messner hat oberhalb von Bozen 30 handgefertigte Kinosessel installiert und damit den imposanten Felsen in ein Freilichtkino verwandelt. Die Installation lädt die Wanderer ein, Platz zu nehmen und die Aussicht wie in einem Naturkino zu genießen. Dasselbe Vergnügen kann genießen, wer sich in den Rems-Murr-Kreis aufmacht. Zwischen den Kommunen Beutelsbach und Schnait gibt es seit der Gartenschau 2019 eine ähnliche Installation in luftiger Höhe: Das Remstalkino.
Im Bottwartal zieht seit ein paar Tagen ein Fernseher mit Holzcouch die Blicke der Wanderer und Spaziergänger auf sich. Wer den Ausblick vom Lichtenberg hinunter ins Bottwartal genießen möchte, kann auf einem drei Meter langen und 44 Zentimeter tiefen Sofa Platz nehmen.
Die Eiche wurde bereits vor zwei Jahren gefällt
Am vergangenen Wochenende sind die Bewunderer bereits Schlange gestanden, haben Fernseher und Couch zum Ausruhen genutzt, oder als Hintergrund für einen Schnappschuss. Die Fotos hätten der Gemeinde so viele Likes in den sozialen Medien gebracht wie selten zuvor, freut sich der Oberstenfelder Bürgermeister Markus Kleemann.
Vor zwei Jahren musste auf dem Wanderparkplatz in Gronau eine etwa 170 Jahre alte Eiche gefällt werden. „Aus Gründen der Verkehrssicherheit“, erinnert sich Waldarbeiter Andreas Siegele. Der etwa 15 Meter lange Stamm wurde zunächst am Parkplatz abgelegt. Allerdings mit dem Ziel, den Baum nachhaltig zu nutzen und den Bürgerinnen und Bürgern zugleich einen schönen neuen Aufenthaltsort zu schaffen.
Im Sommer 2022 sei schließlich die Idee für die Installation entstanden, erzählt Markus Kleemann. „Ein Holzsofa gibt es auch anderswo – die Kombination mit einem TV, Beistelltisch, Lampe und Schublade ist aber meines Wissens nach einzigartig.“ Umgesetzt haben die gemeinsame Idee Andreas Siegele und sein Oberstenfelder Kollege Joachim Fritz. Die Konturen wurden zunächst aufgesprayt und anschließend wurde der Eichenstamm, der einen Durchmesser von etwa 80 Zentimeter hat, mit einer Motorsäge bearbeitet.
Bei Regen wurde gesägt
„Immer, wenn es in den vergangenen Monaten regnete und das Wetter nicht gut war, haben wir weitergemacht. Alles in allem waren es dann etwa fünf Tage“, sagt Siegele. „In aufwendiger und präziser Handarbeit ist etwas Einmaliges entstanden. Viele kleine Details, wie beispielsweise eine Lampe und ein Buch auf einem dargestellten Beistelltisch, machen den Fernseher mit Holzcouch sehr besonders“, gerät der Rathauschef ins Schwärmen.
Vergangenen Mittwoch wurden die hölzerne Schmuckstücke dann vom überdachten Arbeitsplatz am Kälbling auf den Lichtenberg transportiert und dort aufgestellt. Mit Blick gen Süden, weit hinein ins Tal wurde eine Art Wohnzimmeratmosphäre geschaffen.
Es sind nicht die einzigen Arbeiten der beiden Waldarbeiter. Seit ein paar Monaten können beispielsweise am Weinlehrpfad auf dem Wunnenstein eine bequeme Waldliege und eine kleine Skulptur bewundert und genutzt werden, die das Duo kurzerhand aus einer abgestorbenen Esche gefertigt hat. Was besagte Skulptur darstellen soll, darüber gehen die Meinungen auseinander, erzählt Andreas Siegele und lacht. „Ich habe ihr den Titel ‚Weinliebe unaufhaltsam’ gegeben, andere sagen es stellt einen anonymen Alkoholiker dar.“