Der italienische Staat ist finanziell klamm. Das Defizit ist 2023 überraschend stark auf 7,2 Prozent gestiegen. Die Schulden liegen bei rund 138 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Um überhaupt noch Handlungsspielraum zu haben, verkauft Rom Staatsbeteiligungen.
Ita Airways soll an die Lufthansa gehen, die Privatisierung der Bank Monte die Paschi fortgesetzt werden. Aus dem Verkauf von voraussichtlich 30 Prozent an der Post (Poste Italiane) könnten bis zu 4,5 Milliarden Euro in die Kasse fließen. Mit dann noch 35 Prozent der Anteile behielte Rom außerdem die Kontrolle über den mit 119 300 Beschäftigten größten Arbeitgeber des Landes.
Es ist auffällig, wie viel mehr Filialen die Poste Italiane im Vergleich zur DHL (früher: Deutsche Post) noch hat: Rund 13 000 sind es im ganzen Land. Dazu kommen 51 000 Punto Poste. Das sind Bars oder Läden, die Post-Dienstleistungen anbieten. Während die Banken ihr Filialnetz massiv ausdünnen, verzichtet die italienische Post darauf bewusst. Sie baut sogar ihre Geschäftsstellen in 7000 kleinen Kommunen aus.
Die Italiener sollen dort Dokumente wie Pässe oder Personalausweise direkt bestellen können. Manche der Postämter werden auch Ladestationen für Elektro-Autos oder Co-Working-Spaces haben. Letztere sind Arbeitsräume für Start-ups, Freiberufler oder etwa Selbstständige. Außerdem verkauft die Post seit kurzer Zeit in ihren Geschäftsstellen auch Strom- und Gasverträge und schon länger Sim-Karten für Smartphones. Die Zahl der Strom- und Gaskunden soll von etwa 800 000 zum Ende dieses Jahres bis 2028 auf 2,4 Millionen steigen.
Die ersten Pässe in den kleinen Filialen wurden gerade ausgegeben. 1200 von ihnen wurden bereits entsprechend umgerüstet. Der Rest soll dann bis 2026 folgen. Es bleibt abzuwarten, ob auch die Internet-Verbindungen entsprechend funktionieren. Zwei Drittel der Kosten von 1,2 Milliarden Euro für die Umrüstung finanziert der europäische Steuerzahler im Rahmen des Europäischen Wiederaufbauprogramms Next Generation.
Post-Chef Matteo Del Fante hat gerade einen neuen Vier-Jahres-Plan vorgestellt. Er peilt bis 2028 etwa 700 Millionen Euro höhere Einnahmen im Post- und Paketgeschäft an, das 2023 nach vielen Verlustjahren die Gewinnschwelle erreicht hat. In Konkurrenz etwa zu Amazon soll das schrumpfende Briefgeschäft durch ein deutliches Wachstum im Paketgeschäft ausgeglichen werden. Für bestimmte Produkte in urbanen Gebieten verspricht Del Fante sogar eine Lieferung innerhalb von vier Stunden nach Bestellung und will entsprechende Logistikzentren bauen. Ein ehrgeiziges Ziel: Derzeit kommt etwa im Briefdienst mehr als die Hälfte der Sendungen nicht innerhalb der zugesicherten vier Tage an.
Durch Kooperationen mit DHL und dem deutschen Logistik-Konzern Sennder will die italienische Post auch international wachsen. Außerdem sind Transporte etwa von Pharma-Produkten oder Lebensmitteln geplant. Doch selbst wenn sich Del Fantes Hoffnungen erfüllen sollten, bliebe der Gewinnbeitrag der Brief-, Paket- und Logistiksparte relativ gering im Vergleich zu den anderen Geschäftsfeldern. Die italienische Post ist schon sehr lange eher eine Bank und eine Versicherung als ein Logistik-Konzern. 40 Prozent der Einnahmen erwirtschaftet sie mit Spareinlagen, Vermögensverwaltung oder der Vergabe von Krediten.
Mit zusätzlichen spezialisierten Finanzberatern will die Post hier weiter wachsen. Sie verwaltet immerhin ein Sparvermögen von 581 Milliarden Euro. Mit Bruttoprämieneinnahmen von 18 Milliarden Euro ist die Post auch einer der größten Versicherer des Landes. Zwar läuft das Geschäft mit Lebensversicherungen zuletzt schlechter. Doch die steigenden Einnahmen in anderen Sektoren wie der Krankenversicherung sorgen für einen gewissen Ausgleich.
Del Fante will durch Effizienzgewinne und Digitalisierung die Kosten deutlich senken und den Personalbestand bis 2028 leicht auf 113 000 reduzieren. Das soll durch Vorruhestandsregelungen geschehen. Gleichzeitig will die Post aber auch jüngere Arbeitskräfte einstellen, um den bereits eingeleiteten Generationswechsel zu unterstützen.
Del Fante will die Einnahmen bis 2028 von 12,1 auf 13,5 Milliarden Euro steigern. Der Nettogewinn soll von 1,9 auf 2,3 Milliarden Euro wachsen. Und die Aktionäre sollen für den Vierjahreszeitraum insgesamt 6,5 Milliarden Euro in Form von Dividenden erhalten. Zu wenig, finden Analysten, angesichts eines Überschusskapitals von 3,8 Milliarden Euro, das außer für Akquisitionen, die Del Fante nicht ausschließt, auch in Ausschüttungen fließen könnte. Der Aktienkurs gab deshalb zuletzt etwas nach. Das dürfte Finanzminister Giancarlo Giorgetti gar nicht freuen.
Teilprivatisierte Post
Eigner
Die 1862 gegründete italienische Post wurde 2015 teilprivatisiert. Seither hält der italienische Staat direkt 29,26 Prozent. Weitere 35 Prozent kontrolliert die mehrheitlich staatliche Förderbank Cassa Depositi e Prestiti (CDP).
Förderbank
Die CDP finanziert mit den Einlagen der Sparer bei der Post unter anderem Infrastrukturvorhaben und Forschungsprojekte, vergibt Investitionskredite an Körperschaften des öffentlichen Rechts und beteiligt sich an Unternehmen wie Telecom Italia, dem Werftenkonzern Fincantieri oder dem Mineralölkonzern Eni.