Aidlingen - Wer bisher von Aidlingen nach Gärtringen will oder umgekehrt – und noch dazu klimafreundlich mit dem Bus, der muss erst über Eck nach Böblingen und dort umsteigen.
Bus bisher nicht konkurrenzfähig mit dem Individualverkehr
Die rund 30 Minuten Fahrzeit sind nicht konkurrenzfähig mit den wenigen Autominuten auf der Kreisstraße. Auch Deufringer und Dachteler mit dem Ziel Gärtringen – der Arztpraxen oder des Freibads wegen – ziehen bisher den Individualverkehr vor.
Auf Initiative der Freien Wähler hat deshalb der Gärtringer Gemeinderat am Dienstag der Einrichtung einer Busverbindung zwischen Gärtringen und Aidlingen zugestimmt und den jährlichen Zuschussbedarf in Höhe von 13 000 Euro bewilligt. Am Donnerstag gab jetzt auch der Aidlinger Gemeinderat seinen Segen und stimmte der Kostenbeteiligung zu. „Damit wird ein Wunsch der Aidlinger Agendagruppe Wirklichkeit, die kommunale Zusammenarbeit gelebt und ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet“, begründet Gisela Grammerstorff (Freie Wähler) ihre Zustimmung.
Beitrag zum Klimaschutz, wenn umgestiegen wird
Allerdings gibt es in der Ratsrunde auch Bauchweh. „Ich halte gar nichts davon. Die Busse werden leer fahren“, sagt Rainer Rentschler (CDU) voraus. Der bekennende Busnutzer stimmte daher ebenso wie Eberhard Breitling (Die Freien) gegen den Beschlussvorschlag des Bürgermeisters. Zudem werden im Gegenzug auf der Verbindung Aidlingen-Ehningen Verbindungen gestrichen und die Busfahrt zur S-Bahn nach Gärtringen für Aidlinger länger: „Zwischen 8.30 Uhr und 14.30 Uhr fährt kein einziger Bus von Aidlingen nach Ehningen“, kritisierte Elke Anders (Grüne). Die Aidlinger Bürgervertreter sind weniger euphorisch als ihre Gärtringer Kollegen, weil der Zuschussanteil der Heckengäu-Gemeinde wegen der Streckenlänge auf eigener Markung mit rund 26 000 Euro doppelt so hoch ist wie der des Nachbarn.
Aidlinger zahlen den Löwenanteil
Bleiben die Fahrgäste weg, steht die Linie nach drei Jahren zur Disposition.
Fast 80 000 Euro soll die Buslinie 768 zwischen Gärtringen und Aidlingen jährlich kosten. Davon übernimmt der Landkreis 50 Prozent. Die Zubestellung der Linie ist befristet auf drei Jahre. Falls bis dahin doch eine erkleckliche Anzahl von Fahrgästen zusammenkommt, die täglich das Busangebot nutzen, würde die Linie beibehalten und der Landkreis übernähme die Gesamtkosten. Ansonsten wären die Gemeinderäte in drei Jahren wieder gefragt. Sie müssten dann beratschlagen, ob ihnen eine schlecht angenommene Busverbindung trotzdem einen Zuschuss wert ist.
Vorteile für Schülerverkehr
Immerhin gibt es auch Vorteile: So ergibt sich mit der Neuregelung eine auf die Schulanfangs- und Schulendzeiten abgestimmte Verbindung zu den Gärtringer Schulen sowie für die Schülerinnen und Schüler aus Lehenweiler erstmals eine Direktverbindung zur Friedrich-Kammerer-Gemeinschaftsschule in Ehningen. Zudem wird mit der Neukonzeption auch das Gewerbegebiet Riedbrunnen in Gärtringen mit einem vollwertigen Fahrtenangebot an den ÖPNV angebunden.
Zwischen Aidlingen und Ehningen werden derzeit einzelne Schülerrelationen um die Mittagszeit über die Linie 768 abgedeckt. Um diese Verbindung aufrechtzuerhalten, will der Landkreis das Fahrplanangebot auf der Linie 764 zwischen Aidlingen und Ehningen um zwei Fahrtenpaare erweitern.