Neue Kita in Neuhausen Aufbruchstimmung bei der Kinderbetreuung

Die Visualisierung zeigt die geplante Holzfassade des neuen Kinderhauses. Foto: MGF Architekten

Der Vorentwurf für das neue Kinderhaus in Neuhausen findet im Gemeinderat viel Anklang. 160 Unter- und Über-Dreijährige sollen in dem Nullenergiegebäude ab 2026 einen Platz finden. Die Gemeinde will auch die Sanierung bestehender Kitas angehen.

Es klang nach einem befreienden Stoßseufzer von Tanja Verch, Fraktionsvorsitzende der Initiative Grüne Liste (IGL): „Wir freuen uns, dass das Thema endlich angegangen wird.“ Dabei war die Tagesordnung im Neuhausener Gemeinderat noch gar nicht zum Top Act vorgedrungen, dem Vorentwurf des neuen Kinderhauses in der Waagenbachaue. Man befasste sich noch mit Sanierungen in bestehenden Kitas. Aber beides gehört ja zusammen: Inzwischen herrscht in Neuhausen Aufbruchstimmung bei der Kinderbetreuung. Der kostenmäßig noch nicht komplett bezifferte Sanierungsbedarf wird ermittelt und soll in die Haushaltsplanung einfließen. Einen außerplanmäßigen Zuschuss von 200 000 Euro zu den Mehrkosten bei Umbau und Erweiterung des katholischen Kindergartens St. Vinzenz brachte das Gremium, wenn auch mit etwas Zähneknirschen, einstimmig auf den Weg.

 

Kollektives Schlucken ob der Baukosten

Auf Begeisterung bei allen Fraktion stieß indes der Entwurf des Stuttgarter Büros MGF Architekten als Wettbewerbssieger für das neue Kinderhaus, das im dritten Quartal 2026 fertig sein soll. Auch wenn ein kollektives Schlucken ob der Baukosten – inklusive Preissteigerungsprognose rund 17,3 Millionen Euro – durch den Saal ging. Die Summe, so Bürgermeister Ingo Hacker, wird wohl komplett an der Gemeinde hängen bleiben. Mit Zuschüssen sei nicht zu rechnen.

Geplant ist ein Holzbau als Nullenergiehaus dank Photovoltaik auf dem Dach sowie Geothermie im Untergrund, erläuterte MGF-Projektleiterin Franziska Maurer. Die Wärme aus der Erde, sagt Claus Funk von der Winnender Firma Funk Ingenieure, werde über Erdsonden und eine Wärmepumpe für die Fußbodenheizung nutzbar gemacht. Im Sommer diene die Technik zusammen mit der Lüftungsanlage zur Kühlung, den Energiebedarf decke der bei Sonnenschein hohe Photovoltaik-Ertrag. Anders in den dunklen Jahreszeiten, wo sie nicht ausreiche. Rein rechnerisch ergebe sich der Nullenergieeffekt in der Jahresbilanz. Besorgte Fragen wegen der Feuergefahr im hölzernen Gebäude konnte der stellvertretende MGF-Geschäftsführer Jochen Schmelz großteils zerstreuen. Das Brandschutzkonzept sei weit fortgeschritten, außerdem, ergänzte Maurer, gebe es eine Stahlbetonwand als Brandmauer.

Nachhaltig und klimafreundlich

Nun sind Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit zweifellos die besten Adressen für die „Bewohner“ des Neubaus: die jüngsten und die künftigen Generationen mit ihrer Lebensperspektive in Zeiten möglichst zu begrenzender Erderwärmung. Aber es versteht sich, dass bei einem Kita-Bau nicht nur die klimapolitischen Aussichten zählen, sondern auch das aktuelle Angebot für nicht weniger als 160 Kinder über und unter drei Jahren in acht Gruppen.

Der aus fünf zusammengebauten, gegeneinander versetzten kubischen Häusern bestehende Baukomplex neben der Christuskirche ordnet auf zwei Geschossen die Gruppenräume zur Außenfassade hin an, erklärt Jochen Schmelz. „Introvertiert“ – also nach innen gewandt – seien die Funktionsräume: Küchen, Sanitärbereiche, Material-, Technik- und Abstellräume, Kinderwagenparkplatz. Scharnierartig verbinden Indoor-Spielflächen die Gebäudeteile, außerdem gibt es eine Kinderküche, „wo zum Beispiel Plätzchen gebacken werden können“, sagt Maurer. Die Mahlzeiten selbst werden angeliefert und aufgewärmt, gegessen wird in den Gruppenräumen. Diese sind baulich identisch, können aber flexibel gestaltet werden – so flexibel, dass sie laut Hacker auch anders genutzt werden können, wenn Kinderbetreuung einmal nicht mehr das große Thema sein sollte. Bisher aber sei „der Bedarf da“. Was Hacker und den Räten das Schlucken der Kostenkröte leichter macht, zumal, so der Bürgermeister, „Qualität ihren Preis hat“. Qualität erleichtere auch die Personalsuche.

Zufahrt bereitet Kopfzerbrechen

Etwas Kopfzerbrechen bereitet die einzige Zufahrt über die Dietrich-Bonhoeffer-Straße. Am Ende der Sackgasse befindet sich ein Parkplatz fürs Kita-Personal. „Elterntaxis“ würde man gern auf Distanz halten, aber „ob das gelingt, wissen wir nicht“, sagte Bauamtsleiter Rainer Däschler. Man habe in der Verwaltung bereits diskutiert, die Straße für den allgemeinen Verkehr zu sperren, sagte Däschler zu einem entsprechenden Vorschlag von Ulrich Krieger (Freie Wähler). Die Zufahrtsfunktionen, unter anderem zum Friedhof, sprächen aber dagegen.

Sanierungsbedarf im Kita-Bestand

Maßnahmen
 Beim Sanierungsbedarf im Neuhausener Kita-Bestand geht es unter anderem um folgende Maßnahmen. Kinderhaus am Egelsee: eine zusätzliche Toilette, bisher gibt es für über 40 Mitarbeitende und die Besucher nur drei Toiletten. Waldkindergarten: Sanierung des Hüttendachs. Don Bosco: bauliche Instandhaltung, Erneuerung der Elektrik. St. Elisabeth: Austausch der Ölheizung.

Erweiterung
 Bei den Kindergärten Don Bosco und St. Elisabeth soll über eine Erweiterung und Sanierung der relativ alten Gebäude nachgedacht werden.

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