Neue Konzerthalle für Stuttgart Darum gibt es Kritik an den Konzertforum-Plänen

Das Rilling-Gebäude an der Neckartalstraße spielt in den Konzertforum-Plänen eine zentrale Rolle. Foto: Uli Nagel

Projektgegner würden auf dem Rilling-Areal lieber die der Neckarvorstadt fehlende Infrastruktur realisieren. Allerdings wird die Trias GmbH als Eigentümerin – bei aller Bereitschaft zur Zusammenarbeit – dabei nicht mitspielen.

Redaktionsleiter: Uli Nagel (uli)

Nur wenige Grün- und Naherholungsflächen sowie große Probleme bei der Nahversorgung. Bäcker, Metzger oder Apotheke? Fehlanzeige. Zum täglichen Einkaufen müssen die Bewohnerinnen und Bewohner der Neckarvorstadt auf die andere Flussseite in die Cannstatter Altstadt. Oder hoch auf den Hallschlag. Dorthin blicken die Neckarvorstädter sowieso schon seit Jahren mit Wehmut, wenn nicht sogar Neid. Denn während sich der einstmals als „Krawallschlag“ verrufene Nachbarstadtteil – auch dank des Förderprogramms Soziale Stadt – ziemlich herausgeputzt hat, tut sich zwischen Neckar, Pragstraße und Haldenstraße seit Jahrzehnten wenig bis gar nichts.

 

Areal weckt Begehrlichkeiten

Groß war deshalb die Erleichterung, als die Neckarvorstadt zum Sanierungsgebiet erklärt wurde. Und als die Trias GmbH 2021 das Grundstück erwarb, entstand bei vielen Anwohnern fast schon Aufbruchstimmung *. Was könnte man dort nicht alles zum Wohle der Neckarvorstadt realisieren? Keine Frage, das fast 6000 Quadratmeter große Areal weckte Begehrlichkeiten.

Projekt kostet 80 Millionen Euro

Doch kurz vor Weihnachten erweist sich das Stuttgarter Kammerorchester (SKO) mit seinen Konzertforum-Plänen als mutmaßlicher Spielverderber. Denn ein Saal für rund 1000 Zuschauer, Proberäume, Foyer und Verwaltung, 40 Stellplätze sowie ein Hotelbau lässt nicht mehr viel Platz, um den Wunschzettel der Neckarvorstadt zu realisieren. Entsprechend harsch war deshalb die Kritik an SKO-Intendant Markus Korselt, nachdem er beim ersten Info-und Ausspracheabend zu dem 80 Millionen Euro teuren Bauvorhaben seine Visionen den mehr als 100 Besuchern im Sitzungssaal des Cannstatter Verwaltungsgebäudes mit glänzenden Augen und viel Begeisterung erläutert hatte. „Herr Korselt, auch wir haben Träume – aber andere als sie“, sagte Wallie Heinisch, die sich seit Jahren in der AG Neckarvorstadt für mehr Wohn- und Lebensqualität engagiert.

Sie verwies auf die lange Mängelliste wie dichte Bebauung, viel Verkehr, fehlendes Grün und mangelhafte Infrastruktur. „Es fehlt alles, was ein Quartier lebenswert macht“, so Wallie Heinisch. „Deshalb haben wir jahrelang dafür gekämpft, dass die Neckarvorstadt Sanierungsgebiet wird.“ Wobei das Rilling-Aus natürlich mit der Hoffnung verknüpft worden sei, dass sich dort etwas ansiedeln könnte, von dem die Bürgerschaft nachhaltig profitiere. Doch dazu zähle nicht zwingend ein Konzertforum.

Kritik an der Gebäudeoptik

Peter Mielert, der ehemaliger Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bezirksbeirat, kann dem Projekt auch aus optischen Gründen nicht viel Gutes abgewinnen. Die Visualisierung erinnere ihn an ein UFO, was so gar nicht zum Maßstab der Neckarvorstadt passe. „Es sollte jetzt intensiv mit der Bürgerschaft darüber diskutiert werden, wie die Wünsche, die ja ihren Niederschlag im Sanierungsbericht gefunden haben, eingearbeitet werden können“, so Mielert, der die Meinung vertritt, dass auf dem Areal verstärkt Wohnungen entstehen sollten.

„Wir wollen ihre Ideen und Wünsche wissen und mitnehmen“, versprach Markus Korselt, der das Konzertforum als einen künftigen Ort sieht, an dem durchaus Menschen verschiedenster Art „zusammenkommen“. Er sei davon überzeugt, dass das Bauvorhaben einen positiven Domino-Effekt und somit viele Gewinner haben werde. „Zudem wertet es nicht nur die Neckarvorstadt, sondern ganz Bad Cannstatt auf“, so der Intendant, der weitere Info-Veranstaltungen rund um das Projekt versprach. Ein Vorgehen von einem Privatinvestor, das von Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler explizit gelobt wurde: „Die Bürger werden vor der Beschlussfassung mit ins Boot geholt – das ist in Stuttgart eher die Ausnahme, als die Regel.“

Einzelhandel sieht eine große Chance

Was an diesem Abend offenkundig wurde: Die Mehrheit der Besucherinnen und Besucher sehen in dem Konzertforum eine Bereicherung für Bad Cannstatt, allen voran die Cannstatter Kulturschaffenden. Denn laut SKO-Intendant Markus Korselt sind rund 270 Veranstaltungstage geplant, wobei das Gebäude samt dem Areal durchgehend geöffnet sein soll. „Eine solche Veranstaltungsstätte hat großes Potenzial und bietet Cannstatt eine Chance, wieder attraktiver zu werden“, sagte Dirk Strohm, Sprecher der Einzelhändler in der Altstadt.

Architekt Cemal Isin, Projektentwickler des Rilling-Areals, zeigte Verständnis für die Begehrlichkeiten der Anwohner und deren Wünsche für das Gelände. „Wir kennen noch nicht alle Themen und sind – zusammen mit der Verwaltung – noch in der Prüfphase“, so der Geschäftsführer der Trias GmbH, der allerdings einen Fakt noch einmal betonen wollte: „Wir sind Eigentümer des Geländes.“ Falls die Stadt die SKO-Offerte ablehnen sollte, werde es, da die Bestandsgebäude samt den riesigen Kellerräumen in einem guten Zustand seien, bei der alten Nutzung bleiben. Einige Unternehmen aus der Branche hätten sich bei Trias bereits im vergangenen Jahr über den Standort erkundigt und starkes Interesse gezeigt.

*In einer ersten Fassung hatten wir irrtümlich geschrieben, dass die Firma Ludwig Rilling GmbH & Co. KG Insolvenz hat anmelden müssen.

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