Neue Konzerthalle für Stuttgart Darum kostet das Konzertforum jetzt 100 Millionen Euro

Das Rilling-Gebäude an der Neckartalstraße spielt in den Konzertforum-Plänen eine zentrale Rolle. Foto: Uli Nagel

Nach Gesprächen mit der Stadt hat die Trias GmbH ihre Pläne für das ehemalige Rilling-Areal überarbeitet, geändert und teilweise abgespeckt. Allerdings werden die Sanierungsziele für die Neckarvorstadt verfehlt.

Auf der Tagesordnung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Technik stand am Dienstag „Konzertforum am Neckar“ – mündlicher Bericht. Zur Überraschung der Stadträtinnen und Stadträte wurden sie jedoch mit zwei umfangreichen Präsentationen der Verwaltung und der Trias GmbH konfrontiert. Bekanntlich will das Aalener Unternehmen, das 2021 das gut 5700 Quadratmeter große Rilling-Areal erworben hatte, zusammen mit dem Stuttgarter Kammerorchester (SKO) bis 2027 auf dem Grundstück ein Konzertforum mit allem Drum und Dran errichten.

 

Bestandteil des Projekts ist nicht nur ein Konzertsaal für rund 1000 Besucher, Proberäume, Foyer, Verwaltung und eine Garage mit 40 Stellplätzen, sondern auch ein Hotelbau an der Remscheider Straße mit gut 120 Betten. Das Besondere: Von den 80 Millionen Euro Baukosten, die SKO-Intendant Markus Korselt bei der ersten Präsentation des Bauvorhabens beziffert hatte, will das Kammerorchester 25 Millionen Euro über private Fördergelder akquirieren. Die restlichen 55 Millionen Euro müsste dann noch die Stadt beisteuern. Ein verlockendes Angebot, das entsprechend euphorisch von den meisten Fraktionen aufgenommen wurde. Einzig Puls und Die FrAKTION sahen im Dezember noch intensiven Gesprächs-und Aufklärungsbedarf.

Pläne wurden abgespeckt

Den gibt es seit Dienstag offenbar auch weiterhin, obwohl das Stadtplanungsamt mit Trias-Geschäftführer Cemal Isin und Intendant Korselt in den vergangenen Monaten mehrere Gespräche geführt hatte. In der Folge wurden die Pläne zwar überarbeitet, verändert und teilweise ordentlich abgespeckt, aber vor allem die Sanierungsziele für die Neckarvorstadt sind nach wie vor in weiter Ferne, wenn sie überhaupt noch realisierbar sind.

Als Beispiel nannte Corinna Althanns, die Leiterin der Abteilung städtebauliche Planung Neckar beim Amt für Stadtplanung und Wohnen, die Ergänzung der sozialen Infrastruktur in der Neckarvorstadt, insbesondere die Einrichtung einer Kita. Das Sanierungsziel, ein gemischt genutztes, urbanes Quartier zu schaffen, sei mit den aktuellen Trias-Plänen nicht zu erreichen. Zumal auch das Thema Wohnungsbau in deren Plänen mittlerweile überhaupt keine Rolle mehr spiele.

Nur noch acht Parkplätze

Doch der Projektentwickler hat sich auch von den ursprünglich geplanten 40 ebenerdigen Stellplätzen verabschiedet. Übrig geblieben sind, mit dem Verweis auf die Parkhäuser Mahle, Wilhelma und Mühlgrün sowie die sehr gute ÖPNV-Anbindung, noch acht Parkplätze auf dem Grundstück. Auch für die Konzertforum-Verwaltung gibt es einen neuen Standort. Sie soll in dem einzigen Haus an der Brückenstraße, das nicht abgerissen wird, sowie in zwei neuen Gebäuden untergebracht werden.

An den Hotelplänen, offenbar hat sich schon eine renommierte Kette dafür interessiert, will Cemal Isin jedoch festhalten. Zumal der Architekt hier Wohnungsbau nur für schwer realisierbar erachtet. Dennoch wurde hier die Zimmerzahl von 120 auf jetzt rund 80 reduziert. Ein noch kleineres Hotel sei jedoch wirtschaftlich nicht mehr rentabel. Was ebenfalls neu ist: Der große Eingangsbereich in das Konzertforum wird in Richtung Kreuzung Brücken-/Neckartalstraße verschoben.

Fraktionen hin und her gerissen

Auf der einen Seite stehen die verfehlten Sanierungsziele und vor allem kein Wohnungsbau auf dem Rilling-Areal, auf der anderen Seite wäre das leidige Thema kulturelle Ersatzbauten (darunter auch für die Philharmoniker, da das Gustav Siegle-Haus saniert werden muss) vom Tisch. Die Fraktionen zeigten sich angesichts dieser Konstellation schon hin und her gerissen. Was heute, auch nach Einschätzung des Stadtplanungsamts, jedoch schon klar ist: Die Sanierungssatzung muss angepasst werden, sofern der Gemeinderat grünes Licht für das Konzertforum gibt.

Projekt wird teurer

Am Mittwoch steht das Thema auf der Tagesordnung des Verwaltungssauschusses. Dann müssen Trias-Geschäftsführer Cemal Isin und SKO-Intendant Markus Korselt den Fraktionen unter anderem in Sachen Finanzierung Rede und Antwort stehen. Denn leider haben die neuen Pläne auch negative Folgen für die Gesamtkosten: die sollen mittlerweile bei 100 Millionen Euro liegen.

Falls auf einen städtebaulichen Wettbewerb verzichtet wird, empfiehlt die Verwaltung ein transparentes, vergaberechtskonformes Verfahren. „Dazu haben sich Investoren bereit erklärt und schlagen vor, mit zwei bis drei ausgewählten Büros ein kooperatives Werkstattverfahren abzuhalten“, sagt Corinna Althanns.

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