Neue Medienschule für Stuttgart Wenn das Handy bei Kids im Dauereinsatz ist

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Merz-Akademie, Stadtmedienzentrum, Aki Raitelsberg, das Kinder- und Jugendhaus Ostend und VHS Stuttgart gründen eine neue Medienschule für die Altersgruppe von 8 bis 16 Jahren. Zum Start gibt es drei wöchentliche Angebote von der Video- bis zur Computerspielschule, alle sind kostenlos.

Die Medienpädagogin Isabel Huber ist in der Pilotphase Kopf und Koordinatorin der neuen Medienschule. Foto: Merz-Akademie
Die Medienpädagogin Isabel Huber ist in der Pilotphase Kopf und Koordinatorin der neuen Medienschule. Foto: Merz-Akademie

S-Ost - Irgendwann wächst das Handy noch an deiner Hand fest!” Bei der 15-Jährigen ist das Smartphone immer in Reichweite, es vergeht kaum eine Minute, ohne dass sie drauf schaut, ohne dass sie WhatsApp- oder Snapchatnachrichten liest und beantwortet. Die Reaktion des Vaters folgt prompt, in einer Mischung aus Ärger und Hilflosigkeit. Bei den Jungs in ihrem Freundeskreis kommt zum Handy im Dauereinsatz noch die Playstation dazu. Lieber erst eine Runde FIFA vor den Hausaufgaben, den Standard-Ausruf des Kommentators „Das könnte gefährlich werden!“ können die Eltern auswendig und längst nicht mehr hören.

Für Jugendliche aus der ganzen Stadt

Der richtige Umgang mit Smartphone und Co. ist für viele Kinder und Jugendliche und damit auch für ihre Eltern ein Problem. Deswegen steht inzwischen das Thema Medienbildung im Bildungsplan und es gibt auch immer wieder Seminare und Workshops dazu, die aber nicht immer leicht zu finden sind. Deswegen haben sich jetzt ganz unterschiedliche Bildungseinrichtungen zusammengetan und die „Mobile Medienschule Stuttgart Ost“ gegründet, deren kostenlose Angebote Kindern und Jugendlichen im Alter von 8 bis 16 Jahren aus der ganzen Stadt offen stehen. Start ist am 17. Oktober.

Die Idee für das Projekt entstand vor einigen Jahren bei der Volkshochschule. „Wir machen immer Leuchttürme“, sagt Iris Loos von der VHS. „Aber für die kontinuierliche Arbeit fehlt der Ort.“ Deswegen hätten sich die Projektpartner überlegt, in welchen Räumen Kinder und Jugendliche ohnehin schon unterwegs seien. So fanden sich die Merz-Akademie mit ihrem Rektor Martin Fritz, das Stadtmedienzentrum mit Leiter Hans-Jürgen Rotter, der Aktivspielplatz Raitelsberg mit seinem Vorsitzenden Andreas Pohl, das Kinder- und Jugendhaus Ostend und die Volkshochschule zusammen, um eine zweijährige Pilotphase der Medienschule zu organisieren.

Videos, Computerspiele, Webreporter

Das Programm besteht zunächst aus drei Angeboten pro Woche: Immer donnerstags von 16 bis 19 Uhr ist die Video- und Webschule in der Merz-Akademie, Teckstraße 58, geöffnet. Dort können unter fachkundiger medienpädagogischer Anleitung Videoclips produziert und online gezeigt werden. Dabei wird auch gezeigt, wie unterschiedliche Online-Kanäle funktionieren. Freitags von 14 bis 17 Uhr ist im Stadtmedienzentrum, Rotenbergstraße 111, die Computerspielschule geöffnet. Die gibt es schon seit 2016 und hat sich in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt. Dort kann – ebenfalls unter Anleitung und mit Spielzeitbegrenzung – nach Herzenslust gespielt und ausprobiert werden. Samstags von 14 bis 17 Uhr werden in der „Aktiven Medienschule“ auf dem Aki Raitelsberg, Poststraße 88, von jungen Reportern Clips und Reportagen vom Geschehen auf dem Abenteuerspielplatz produziert. Ab Januar 2020 kommt mittwochs von 16 bis 19 Uhr die „Social Media Schule“ im Kinder- und Jugendhaus Ostend, Schönbühlstraße 75, dazu. Dort können die Algorithmen hinter den einzelnen Kanälen kennengelernt werden – und auch, wie man sich gegen Cybermobbing und Hate Speech zur Wehr setzen kann.

Finanziert wird die Pilotphase der Medienschule mit Hilfe einer Förderung von 87 000 Euro aus dem Projektmittelfonds „Zukunft der Jugend“ der Landeshauptstadt. Die Angebote sind kostenlos, man kann ohne Anmeldung vorbei kommen.

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