Neue Pächter Waiblinger Bürgerzentrum Schwäbisch, frisch, modern – mit und ohne Fleisch

Die neuen Pächter Anke Kamuf und Markus Piotrowski haben bereits viel Erfahrung in der Gastronomie gesammelt. Foto: Gottfried Stoppel

Macht ein Leben ohne Zwiebelrostbraten Sinn? Für manche nicht, zeigte eine Debatte im Gemeinderat Waiblingen. Doch die neuen Pächter des Bürgerzentrums setzen ohnehin auf einen Mix aus schwäbischen, vegetarischen und veganen Speisen.

Sie sind gefunden: Die „gute Stube der Stadt Waiblingen“, das Bürgerzentrum, hat zwei neue Pächter. Sie heißen Anke Kamuf und Markus Piotrowski, und so wie es aussieht, werden die beiden mit ihrem Konzept ab dem 1. September eine große Bandbreite an Gästen erfreuen können. „Wir werden die schwäbische Küche beibehalten, aber auch verschiedene Aktionen anbieten“, sagt der 47-jährige Koch und Küchenmeister Markus Piotrowski. Er denkt dabei zum Beispiel an Ausflüge in die französische und italienische Küche, letztere mit überwiegend selbst gemachter Pasta.

 

Erfahrungen in der Sterne-Gastro gesammelt

Kässpätzle aus dem Parmesanlaib? Das kann sich Anke Kamuf ebenfalls gut vorstellen. „Frische ist uns wichtig“, sagt die Restaurantfachfrau, die seit 2013 auch Bankettleiterin ist. Festliche Anlässe und große Veranstaltungen wie Hochzeiten, Firmenveranstaltungen oder Jubiläen zu organisieren und gut über die Bühne zu bringen, ist also ihr Beruf. Ihr Partner Markus Piotrowski hat Erfahrungen in der Sterneküche gesammelt – unter anderem im Hotel Traube Tonbach und im Schlosshotel Karlsruhe –, bevor er nach Stuttgart kam, wo er derzeit noch die Betriebsgastronomie der Firma Mahle leitet. Zudem plant und organisiert das Paar in seiner Firma Pio-Gastro Großveranstaltungen.

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Gute Voraussetzungen für den zukünftigen Job in Waiblingen, denn zur Gastronomie im Bürgerzentrum gehört neben dem Restaurant Remsstuben, das sieben Tage die Woche geöffnet hat, und dem Remskeller mit den Kegelbahnen auch das Catering für die Säle und Tagungsräume. Den Remskeller wolle sie „wieder zum Leben erwecken“, sagt Anke Kamuf, das Zielpublikum seien jüngere Gäste. Diese möchte das Paar auch verstärkt auf die Sonnenterrasse locken, vielleicht mit einem Stand, der Eis aus der Region anbietet.

Sanierungsarbeiten während der Sommerpause

„Wir sind froh, dass wir jemanden gefunden haben, der uns überzeugt hat“, sagt der Oberbürgermeister Sebastian Wolf. Auch angesichts der Coronapandemie sei es eine schwierige Aufgabe gewesen, Nachfolger für den Ende Juli nach rund 19 Jahren scheidenden Pächter Michael Herbst zu finden. Zudem bringe das Bürgerzentrum aufgrund seiner Struktur spezielle Anforderungen mit sich und benötige Kompetenzen aus den verschiedenen Bereichen Catering und Restaurant. Eine Zahl, wie viele Bewerber es für die Nachfolge gab, nennt Wolf zwar nicht, sagt aber: „Wir hatten eine Auswahl.“

Während der Sommerpause werden im Gastrobereich einige Sanierungsarbeiten laufen, damit die neuen Pächter Anfang September voll einsteigen können. Anke Kamuf und Markus Piotrowski hoffen, dass ein Großteil des derzeit im Bürgerzentrum tätigen 15-köpfigen Stammteams bleibt.

Fleischgerichte, aber auch vegane und vegetarische Speisen

Zur modernen Küche, welche das Duo anbieten will, werden auch vegetarische und vegane Speisen gehören, kündigte Markus Piotrowski an, der aber sagt: „Ich bin kein Freund von Fleischersatz.“ Er arbeite stattdessen lieber mit Pilzen, aus denen sich viele schmackhafte Speisen kreieren lassen. Dass der Koch auch fleischlos kann und will, dürfte insbesondere die Mitglieder der SPD-Gemeinderatsfraktion freuen. Letztere hatte nämlich mit dem Hinweis auf den Anteil der Nutztierhaltung am Klimawandel beantragt, dass bei der Verpachtung städtischer Gastronomie „überwiegend nur noch fleischlose Gerichte angeboten werden dürfen“.

Gehört Zwiebelrostbraten „zur schwäbischen DNA?“

Das Ansinnen löste heftige Debatten aus. Aus den Reihen der CDU war etwa zu hören, Zwiebelrostbraten gehöre „zur schwäbischen DNA“, der Antrag sei „absoluter Blödsinn“ und dieser greife „in die Berufsausübungsfreiheit“ ein. Die FDP bezeichnete den Vorstoß als „Showantrag“. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Roland Wied räumte ein, der Antrag gehe wohl an der Lebenswirklichkeit der meisten vorbei: „Es war klar, dass wir uns damit Hohn und Spott einhandeln.“ Lob gab es hingegen von der Tierschutzpartei. Die SPD-Fraktion änderte letztlich ihren Antrag dahingehend ab, dass für das derzeit nicht betriebene Lokal Altes Rathaus „vorrangig ein Wirt mit vegetarischem Angebot berücksichtigt wird“. Der Antrag fand jedoch keine Mehrheit.

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