Neue Reha-Einrichtung in Plochingen Hilfsangebot bei psychischen und Suchterkrankungen

Alexander Gebauer, Geschäftsführer des Reha Vereins Landkreis Esslingen, und die Standortleiterin Eileen Nörenberg freuen sich über die ideale Lage der Reha-Einrichtung in der Nähe des Plochinger Ortskerns. Foto: /Philipp Braitinger

Menschen mit psychischen und Suchterkrankungen wird in der neuen Reha-Einrichtung in Plochingen geholfen. Der Weg zurück in den Alltag ist oft steinig.

Die Bauarbeiten sind beendet. Am Donnerstagnachmittag wurde die Einweihung der neuen Reha-Einrichtung in Plochingen offiziell gefeiert. In dem Gebäude erhalten Menschen, die sowohl eine Sucht- als auch eine psychische Erkrankung haben, Hilfe. In dem zwei- bis dreistöckigen Gebäude gibt es 16 Wohnplätze in zwei Vierer- und in einer Achter-Wohngemeinschaft. Darüber hinaus gibt es vier Appartements für Menschen, die bereits weitgehend allein im Alltag zurechtkommen. „Das übergeordnete Ziel ist es, wieder eine Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen“, erklärt die Standortleiterin Eileen Nörenberg. Dafür sei es wichtig, den Bewohnern einen strukturierten Alltag zu bieten.

 

Vor dem Einzug steht der Entzug

Die Kombination zwischen einer Drogensucht und einer psychischen Krankheit ist nicht selten. „Oft bedingt es sich gegenseitig“, sagt Nörenberg. „Hauptthema“ unter den Bewohner sei der Alkohol. Doch auch andere Substanzen hätten manche Bewohner vor ihrem Einzug konsumiert. Bereits vor einem Einzug in die Reha-Einrichtung Plochingen muss aber ein Entzug erfolgt sein.

Das eigene Zimmer in einer der Wohngemeinschaften ist also für die Menschen bereits der zweite wichtige Schritt auf einem Weg, der mitunter viele Jahre dauern kann. Die 16 Plätze in den Wohngemeinschaften sind fast alle besetzt. Das Angebot sei auch deshalb so gefragt, weil die Bewohner mit ihrer Kombination aus Sucht- und psychischer Erkrankung bei anderen Angeboten durchs Raster fielen, erklärt Nörenberg. Um die Bewohner kümmern sich sechs Kernbetreuer – beispielsweise Kunsttherapeuten, Arbeitserzieher, Ergotherapeuten oder Sozialpädagogen. Einer der Betreuer ist Jürgen Fetzer. Aus seiner langjährigen Erfahrung weiß er, dass jeder Mensch in eine schwierige Lebenslage geraten kann. „Man kommt schnell einmal in etwas hinein“, sagt er.

Der Bedarf an Angeboten wie in der Reha-Einrichtung Plochingen sei groß. Wichtig für den Erfolg seiner Arbeit sei es aber auch, dass die Gesellschaft außerhalb der Einrichtung bereit sei, den Menschen mit ihren Schwierigkeiten eine Chance auf ein selbstständiges Leben zu geben. Der Standort in Plochingen sei ideal dafür, meint Fetzer.

Der Plochinger Bürgermeister Frank Buß führte aus, dass die Einrichtung nur wenige Gehminuten vom Ortskern entfernt und damit gut in das Stadtleben eingebunden sei. Das neue Gebäude sei ein „Hingucker“. „Es ist etwas Schönes, das ist wichtig, um sich wohlzufühlen“, sagte der Rathauschef. Für die Bewohner, die sich in besonderen Lebenslagen befänden, sei dies umso wichtiger. Der Geschäftsführer des Reha Vereins Landkreis Esslingen, Alexander Gebauer, erinnerte an die schwierigen Rahmenbedingungen der Bauarbeiten.

Die Kosten für das neue Haus belaufen sich auf rund 4,5 Millionen Euro

Vor sechs Jahren habe der Prozess begonnen. Am Anfang stand der Wunsch, einen Ersatz für die Räume in der Einrichtung „Krone“ in Wernau zu finden. Im Frühjahr 2021 wurde der Bau des neuen Hauses auf dem Grundstück der einstigen evangelisch-methodistischen Kirche an der Bergstraße in Plochingen begonnen. Und kurz nach dem Baubeginn sei der Holzpreis massiv gestiegen, berichtete der Geschäftsführer. Trotzdem sollte es weitergehen. „Wir wollten die Einstellung der Bauarbeiten unbedingt vermeiden“, sagte Gebauer. Der Bauplan sei eng getaktet gewesen. Hätte es an einem Gewerk eine Verzögerung gegeben, hätte dies sofort Auswirkungen auf den gesamten Zeitplan haben können. Die Pandemie habe aber dazu geführt, dass immer wieder ganze Gruppen von Handwerkern nicht termingerecht arbeiten konnten. Ferner seien die weltweiten Lieferketten gestört gewesen, was sich bis auf die Baustelle in Plochingen ausgewirkt habe.

„Wir mussten teure Ersatzteile beschaffen, damit es weitergeht“, erinnerte sich Gebauer. „Es gab Zeiten, da habe ich zitternd die neuen E-Mails der Architekten geöffnet und mich gefreut, wenn es nur eine Rechnung war“, sagte der Geschäftsführer. Als dann noch der Krieg in der Ukraine ausbrach, seien die Baupreise explodiert. Am Ende hat das neue Haus 4,5 Millionen Euro gekostet. Für die nachhaltige Holzbauweise hat der Verein eine Förderung in Höhe von 250 000 Euro vom Land erhalten.

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