Neue Rennserie Hyraze Neue Dimension des Motorsports

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In Stuttgart-Vaihingen ist Hyraze vorgestellt worden – eine neue, ganz andere Rennserie.

Hans Werner Aufrecht (links) mit Norbert Haug in der DTM – künftig setzt der HWA-Aufsichtsratschef auf Wasserstoff-Antrieb. Foto: Baumann
Hans Werner Aufrecht (links) mit Norbert Haug in der DTM – künftig setzt der HWA-Aufsichtsratschef auf Wasserstoff-Antrieb. Foto: Baumann

Stuttgart - Hans Werner Aufrecht ist 81 Jahre alt. Der Gründer des Mercedes-Tuners AMG und heutige Aufsichtsratschef der Rennsportunternehmens HWA lebt deshalb aber nicht wie viele seiner Altersgenossen in der Vergangenheit, obwohl er viel erlebt hat in mehr als 50 Berufsjahren. Sein Leben ist trotz des fortgeschrittenen Alters noch immer geleitet von Visionen. „Wenn man Kinder und Enkelkinder hat, dann muss man auch darüber nachdenken, was man ihnen hinterlässt“, sagt Aufrecht und begründet so seine neuesten Pläne. Er hat viel vor.

Der Visionär aus Affalterbach hat sich mit dem Deutschen Motorsport Bund (DMSB), dem ADAC und drei weiteren starken Unternehmen zusammengetan, um eine neue Rennserie zu gründen. Beim Partner Dekra in Vaihingen wurde das Konzept am Dienstag vorgestellt. Hyraze heißt die Neuheit, die sehr ambitioniert ist und noch in der Entwicklungsphase steckt. In der Hyraze League sollen reale Rennen mit E-Sport, der in der virtuellen Welt betrieben wird, verknüpft werden - eine große Herausforderung ist das. Die zweite Herausforderung ist, dass auf eine schon lange verfügbare, aber noch immer stiefmütterlich behandelte Antriebsart gesetzt wird. Die realen Rennwagen sind 800 PS stark und werden mit Wasserstoff angetrieben. Von null auf hundert in weniger als drei Sekunden – auch ohne Verbrenner.

Eine neue Ebene

Hyraze soll die Wasserstoff-Technologie nach vorne bringen und den Motorsport als solchen auf eine neue Ebene heben. „Wir haben einen Wertewandel beim Motorsport. Die jungen Leute spricht das derzeitige Format nicht an – deshalb müssen wir den Motorsport mit dem E-Sport verbinden“, sagte der ADAC-Sportpräsident Hermann Tomczyk in Vaihingen.

Wie sieht das Rennkonzept aus? Ein Team besteht aus zwei Fahrern. Ein Pilot steuert den richtigen Rennwagen auf einer Strecke, sein Teamkollege fährt virtuell am Simulator. Die Ergebnisse beider Rennen fließen zu gleichen Teilen in die Meisterschaftswertung ein, sodass am Ende ein Team als Gesamtsieger beider Disziplinen gekürt wird – ein Novum im Motorsport. Damit sollen digitalaffine junge Menschen in den Rennsport miteingebunden werden, „denn sie wollen mitspielen“, wie Tomczyk über die modernen Fans sagt. Auch kann sich der Simulator-Pilot durch starke Leistungen für einen Job als echter Rennfahrer empfehlen. Die dafür nötige Lizenz soll dann problemlos zu erwerben sein.

Teile aus Naturfaser

Die Karosserieteile der echten Autos werden indes aus einem Naturfaser-Verbundwerkstoff hergestellt und können von den Teams frei nach ihren Vorstellungen gestaltet werden. Damit ist sichergestellt, dass jeder seine individuelle Designsprache und Karosserieform darstellen kann. Ansonsten sorgen klare Regeln im Bereich der Aerodynamik dafür, dass trotz freier Karosseriegestaltung kein kostenintensiver Aerodynamik-Wettbewerb entsteht. Der HWA-Chef Ulrich Fritz sagt: „Wir sind offen für andere Teilnehmer und Hersteller“.

Noch befinden sich die Rennwagen in der Entwicklung. 2022 soll ein Prototyp auf die Teststrecke rollen, ab 2023 wollen die Organisatoren mit der Rennserie erst einmal europaweit starten, ab 2025 ist dann im Bestfall eine weltweite Präsenz der Hyraze League geplant. Ein ambitioniertes Vorhaben ist das, aber die beteiligten Firmen glauben an ihr Konzept. „Wir wollen zeigen, dass Wasserstoff die Technologie der Zukunft sein kann“, sagt Hans Werner Aufrecht. Er möchte „der Nachwelt etwas hinterlassen“ – und seinen Enkelkindern natürlich auch.

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