Neue Runde im Zeitungsprojekt Junge Zeitungsleser haben die Nase vorn

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Wer liest, ist klar im Vorteil: das Zeitungsprojekt „Zisch“, Zeitung in der Schule, geht in die neue Runde. Mitmachen können alle weiterführenden Schulen aus Stuttgart und der Region. Die Anmeldung ist ab sofort möglich.

Zeitung kann man überall lesen – und offenbar macht das auch Spaß. Foto: Steinert/Archiv
Zeitung kann man überall lesen – und offenbar macht das auch Spaß. Foto: Steinert/Archiv

Die Werbung übertreibt gerne ein bisschen – in diesem Fall stimmt die Aussage aber wirklich: Junge Leute, die regelmäßig Zeitung lesen, haben mehr Allgemeinwissen, sind kommunikativer und sprachlich fitter als gleichaltrige Nichtleser. Forscher der Universität Koblenz-Landau haben das bewiesen. Seit fast zehn Jahren untersuchen sie, was im Kopf beim Zeitungskonsum hängenbleibt. „Eine Menge. Der Wissenszuwachs ist enorm“, sagt Jürgen Meier, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Koblenz-Landau. Das Projekt „Zeitung Lesen macht Azubis fit“ hat zwar Berufsschüler im Visier. Aber die Ergebnisse gälten durchaus für alle Schüler, erklärt Meier.

Zisch, „Zeitung in der Schule“, das medienpädagogische Projekt der Stuttgarter Zeitung, findet seit mehr als 30 Jahren für Schüler aus der Region Stuttgart statt. Im vergangenen Schuljahr haben sich allein am sechswöchigen Projekt 1200 Schüler aus 36 Schulen rund um Stuttgart beteiligt. Die neue Runde startet jetzt. Lehrer können ihre Klassen, wie erwähnt, für ein drei- oder sechswöchiges Projekt anmelden: In beiden Fällen wird jedem Schüler für die Projektzeit sein Zeitungsexemplar ins Klassenzimmer geliefert.

Stuttgarter Zeitungsredakteure kommen in die Schule

Aber das ist nicht alles. Nicht nur die Zeitung kommt in die Schule, auch die Zeitungsmacher schauen vorbei. Redakteure gehen in die Klassen und erzählen, wie ein Ereignis zum Zeitungstext wird. Und natürlich können auch in diesem Jahr wieder alle Schulklassen zu einem Besuch ins Stuttgarter Pressehaus nach Möhringen kommen und sich ansehen, wie die Zeitung hergestellt wird. Neu in dieser Runde: in jedem Monat während des gesamten Schuljahres flattert Post aus der Redaktion mit Neuigkeiten oder auch mal spannenden Geschichten aus der Redaktion in die Klassenzimmer.

Unterstützt wird die Stuttgarter Zeitung wieder vom Institut Promedia Maassen aus der Nähe von Aachen, das die Schulen medienpädagogisch betreut und die Lehrer und Schüler nach der Projektphase auch befragt. Mehr als 95 Prozent der Pädagogen waren im vergangenen Schuljahr begeistert, und würden wieder mitmachen. Sie sagten etwa: „Das Projekt motiviert Jugendliche zum Zeitunglesen und sie bekommen regelmäßig fundierte Infos aus vielen Sparten.“ Aber auch Fortschritte in den Bereichen Lesekompetenz und Kritikfähigkeit wurden bemerkt.

Die Schüler selbst hatten häufig zum ersten Mal eine Zeitung in den Händen – und fanden das überwiegend positiv und spannend. Mehr als 76 Prozent würden Zisch weiterempfehlen.

Chefredakteur: „Zeitung spannend machen für junge Leser“

Diese Zahl zeigt aber auch: fast 20 Prozent waren nicht so begeistert. Kritik wurde vor allem daran geübt, dass die Zeitung zu schwierig geschrieben sei und viele der Meinung waren, Fernsehen und Internet reichten völlig aus, um sich zu informieren. „Das Ergebnis ist ein echter Ansporn für uns“, sagt Joachim Dorfs, der Chefredakteur der Stuttgarter Zeitung, „wir stehen vor der großen Herausforderung, die Zeitung für junge Leser spannend zu machen. Zudem sprechen wir mit unseren neuen digitalen Angeboten die jungen Leser immer besser an.“

Auch die Koblenzer Forscher stellen den jungen Lesern zu Beginn und nach zehn Monaten, sowie alle drei Wochen Fragen. Allerdings drehen diese sich vor allem um Fakten. „Das kann man nur beantworten, wenn man wirklich in die Zeitung gesehen hat. Natürlich könnten die Schüler schummeln, aber davon gehen wir nicht aus“, erklärt Meier. Nach dem Projektjahr zeigte sich: alle, die regelmäßig Zeitung lesen, wussten deutlich mehr als zuvor – ein Ergebnis, das auf das Zeitungslesen zurückgeführt werden kann. Denn: eine Kontrollgruppe, die keine Zeitung erhielt, zeigte nur einen geringfügigen Anstieg des Allgemeinwissens. Auch Sprachgefühl und Kommunikationsfähigkeit würden verbessert. Die Ausbildungsleiter in den Firmen sprachen teils von „Wahnsinnseffekten“.

Übrigens: das Zeitunglesen online bringt laut den Forschern ähnliche Effekte. „Und es gibt sogar noch Hinweise darauf, dass Dinge wie assoziatives Denken gefördert werden“, erklärt Meier. Zeitungsleser wissen also immer mehr – egal ob sie auf Papier schmökern oder elektronisch lesen.