Neue Sendemasten und einige Provisorien In Böblingen werden Funklöcher gestopft

Vier neue Mobilfunkmasten sind in Böblingen geplant. Foto: Eibner-Pressefoto/Sandy Dinkelacker

Vier neue Sendemasten sollen die Mobilfunkabdeckung in Böblingen verbessern oder alte ersetzen. Teilweise kommt es zu Verzögerungen, Provisorien sollen aushelfen.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Böblingen soll vier neue 5G-fähige Mobilfunkmasten bekommen: auf der Diezenhalde, Im Grund, bei Dagersheim und auf dem Rauhen Kapf. Sie ersetzen teilweise alte, die abgebaut werden müssen oder sind, wie auf dem Rauhen Kapf, zunächst nur zeitweise im Einsatz. Aufgestellt sind die Masten noch nicht, für die Diezenhalde ist aber bereits ein Provisorium nutzbar. Dabei soll es nicht bleiben, wie Stadt und Mobilfunkbetreiber bestätigen, obwohl nicht alles nach Plan läuft.

 

Die Entscheidungen darüber, wohin die Masten kommen sollen, hat der Böblinger Gemeinderat in den Jahren 2022 und 2023 gefällt. Den neuen Standorten liegen Gutachten des Ingenieurbüros Funktechanalyse zugrunde. Seit dem Jahr 2020 ist es in Böblingen Pflicht, ein Gutachterbüro mit einem Suchlauf für geeignete Standorte zu beauftragen, wenn Betreiber neue Anlagen planen. Das Ziel, so formulierte es Hans Ulrich vom Münchner Büro Funktechanalyse 2020: Standorte zu finden, an denen die funktechnische Wirkung optimal ist und gleichzeitig eine nur geringe Belastung vorherrscht.

Streitthema Mobilfunk

Denn das Thema Mobilfunk polarisierte in der Vergangenheit immer wieder, etwa bei einem Handymast in der Amsterdamer Straße, aber auch auf der Diezenhalde. Dort haben massive Proteste im Jahr 2006 einen Funkmast verhindert. Menschen sorgen sich vor gesundheitlichen Folgen durch Handystrahlung, für die es aber laut Bundesamt für Digitales und Verkehr bislang keine wissenschaftlichen Belege gibt.

Doch auch das Gegenteil ist der Fall: Menschen, die sich immer wieder über schwachen oder gar keinen Handyempfang auf der Diezenhalde beschweren. „Die Mobilfunkversorgung im Bereich Diezenhalde und Grund bedarf dringend einer Verbesserung“, bekräftigt Stadtsprecher Gianluca Biela. Zwei der geplanten Sendemasten sollen dazu beitragen.

Diezenhalde und Im Grund: Am Ortseingang neben der Tübinger Straße, ungefähr auf Höhe der Jugendfarm, ist ein 40 Meter hoher Mast geplant. Ein weiterer, deutlich kleinerer, soll auf dem Hochhaus in der Ernst-Reuter-Straße 3/5/7 aufgestellt werden. Dort sind bereits Handymasten installiert. Beide Masten werden von der Telekom betrieben. Allerdings kam es laut Betreiber und Stadt an beiden Standorten zu Verzögerungen. Wann sie genau in Betrieb gehen, steht noch nicht fest. Provisorien sollen so lange die Netzabdeckung erhöhen.

In der Tübinger Straße dauerte der Prozess der Bauantragsstellung offenbar länger als gedacht. Aktuell werden die Bauanträge finalisiert, teilt die Telekom mit. Bis das Verfahren abgeschlossen und der Mobilfunkmast in der Tübinger Straße gebaut wird, sorgt der Betreiber demnach seit Ende letzten Jahres mit einem Mastwagen für eine Grundversorgung in weiten Teilen des Wohngebietes. Das Fahrzeug steht laut Stadtsprecher Biela in der Schönbuchstraße 35 auf einem Gelände der Telekom.

Ebenfalls verzögert hat sich der Bau des Masts auf dem Haus in der Ernst-Reuter-Straße 3/5/7. Er soll den Mast auf dem Kamin am Heizwerk ersetzen, weil der Schornstein abgebaut wird. „Hier waren zur Abklärung der technischen Realisierung mehrere Begehungen notwendig, was etwas mehr Zeit in Anspruch genommen hat“, erklärt Biela. Der Baubeginn sei aber nach wie vor dieses Jahr geplant. Ein weiterer mobiler Mast in der Nähe des geplanten Standorts in der Tübinger Straße soll die Zeit bis dahin überbrücken. Laut Telekom geht er im ersten Halbjahr in Betrieb.

Dagersheim-Ost: Vergangenen Sommer ist die Entscheidung für einen Sendemast bei Dagersheim gefallen. Er soll den Osten von Dagersheim sowie die Bundes- und Landesstraße mit besserem mobilem Internet versorgen. Der voraussichtlich zwischen 30 und 40 Meter hohe Mast entsteht auf einem Grundstück des Landes Baden-Württemberg, neben der Auffahrt auf die Bundesstraße 464. Betreiber ist ebenfalls die Telekom.

Die Zustimmung des Grundstückeigentümers, also des Landes, liegt laut Stadt seit Ende des Jahres vor. Bei der Telekom laufen derzeit die Planungen, es geht demnach noch um die genaue Position und die endgültige Höhe der Anlage. „Nach Konkretisierung der ausstehenden Punkte und Erteilung der Baugenehmigung ist von einer Bauzeit von etwa 24-36 Monaten auszugehen“, schreibt eine Sprecherin der Telekom. Der Mast steht also voraussichtlich frühestens in zwei Jahren.

Rauher Kapf: Auf dem IBM-Areal auf dem Rauhen Kapf soll langfristig eine Siedlung mit Wohnungen für rund 2000 Menschen entstehen, ein neuer Funkmast ist ebenfalls geplant. Bis es so weit ist, kommt ein Provisorium zum Einsatz, für das der Gemeinderat grünes Licht gegeben hat. Denn der Mast, der aktuell von dort sendet, muss für die Baumaßnahmen weichen. Das temporäre, 40 Meter hohe, Bauwerk entsteht laut Stadt an der Weggabelung Böblinger Straße/In den Weinbergen. „Der Mast wird nach aktueller Planung im zweiten Quartal dieses Jahres in Betrieb gehen“, teilt ein Sprecher des Betreibers Telefónica mit.

Neuer Mobilfunkstandard 5G

5G
Bei 5G handelt es sich um den Namen des jüngsten Mobilfunkstandards, Nachfolger von 4G. Unter anderem sorgen bei 5G höhere Frequenzen für schnelleren Datentransport und damit für ein schnelleres mobiles Netz. Das Bundesamt für Strahlenschutz überwacht die Einhaltung von Grenzwerten.

Gesundheitliche Auswirkungen
Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr hat auf der Seite „Deutschland spricht über 5G“ Fragen rund um den neuen Mobilfunkstandard aufgegriffen. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen beschäftigen sich mit der Frage nach möglichen gesundheitlichen Auswirkungen von Mobilfunk. „Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft ist eine schädliche Wirkung nicht zu erwarten“, heißt es auf der Seite.

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